Bayern 1 - Experten-Tipps


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Wie lange braucht Plastik zum Verrotten? So langsam zersetzt sich Müll

Wir lieben das Wandern und wir lieben die Natur, deshalb würden wir niemals Taschentücher oder Verpackungen am Wegesrand zurücklassen. Bei einem Stück Gurke oder einem Apfelbutzen sind die Meinungen allerdings geteilt. Verrottet all das in der Natur? Der Umweltkommissar recherchiert.

Von: Alexander Dallmus, Lilian Landesvatter

Stand: 13.08.2019

Bananenschale hängt an einem Baum | Bild: mauritius-images

Ist es verboten, einen Apfelbutzen einfach wegzuschmeißen?

Vor dem Gesetz ist es egal, ob ich ein Papiertaschentuch in die Landschaft schmeiße oder den Rest meines abgebissenen Apfels. Beides kostet mindestens 20 Euro, so Marina Mozny von der Polizei München.

"Auch wenn es sich bei Essensresten um organische Stoffe handelt, die grundsätzlich auch verwesen, ist es trotzdem so, dass sie sich ‚Unrat‘ nennen und es gibt gesetzliche Bestimmungen, u.a. das Kreislaufwirtschaftsgesetz, und die geben eben vor, dass ich solche Abfälle nicht einfach in der Natur entsorgen darf."

Marina Mozny, Polizei München

Aber natürlich geht am Berg nicht die Müllpolizei Streife, deshalb liegt es an den Wanderern den eigenen Müll auch wieder mitzunehmen, und zwar komplett!

Auf den Bergen dauert die Verwesung länger

Vom Gefühl her ist es aber für die meisten Touristen oder Wanderer eben doch ein Unterschied, was sie bei der Brotzeit im Gebüsch zurücklassen. Die meisten würden ihre Brotzeittüte selbstverständlich wieder einpacken und mitnehmen, der letzte Rest einer Gurke bliebe dagegen liegen.

Was im Tal vielleicht tatsächlich nach vier Wochen vollständig verrottet ist, hält sich auf dem Gipfel länger, sagt Steffen Reich vom Deutschen Alpenverein.

"Oben am Berg ist es einfach deutlich kühler und die Bakterien arbeiten langsamer. Dort halten sich diese Nahrungsreste einfach viel länger."

Steffen Reich, Deutscher Alpenverein.

Und daher gilt auch am Gipfel, den Müll wieder einpacken und mitnehmen. Bei Zitrusfrüchten oder auch Bananen dauert es noch länger, bis sie sich in Wohlgefallen auflösen. „Das kann auch mal bis zu drei oder fünf Jahren dauern, bis eine Banane am Gipfelbereich verrottet ist. Das ist zwar kein großer ökologischer Schaden, aber es ist eben ein ästhetisches Problem und wenn das alle machen, dann schaut’s auch dort oben aus wie auf einer Müllhalde und nicht mehr wie auf einem schönen Berggipfel“, sagt Steffen Reich.

Wie lange braucht ein Apfel zum Verrotten?

Überreste von Äpfeln zersetzen sich normalerweise vergleichsweise schnell. In ca. 2-4 Wochen sind sie im Tal verrottet. In höheren Lagen und kälterem Klima kann der Abbauprozess allerdings viel länger dauern als unten im Tal. Oft werden die übriggebliebenen Apfelbutzen auch von Tieren gefressen. Sind die Äpfel behandelt und gespritzt, ist das natürlich ein zusätzliches Problem. 

Wann verrotten Bananen?

Exotische Früchte wie Bananen oder Orangen sind an heiße Temperaturen gewöhnt, deswegen brauchen ihre Schalen in unserem Klima viel länger, um zu verrotten. Im Falle der Banane fängt dieser Prozess zwar schon früh an - nach den ersten 6 Wochen schrumpft die Schale etwas zusammen, wird schwarz und ledrig – aber in diesem Zustand bleibt sie dann auch eine ganze Weile. Erst nach ca. 1 – 5 Jahren ist die Bananenschale dann vollständig verrottet. Für Tiere sind die weggeworfenen Schalen von Tropenfrüchten auch nicht genießbar. Zudem sind sie oft mit Pestiziden und Spritzmitteln belastet, die durchs Wegwerfen ihren Weg in den Boden finden.

Kann man Eierschalen in die Natur werfen?

Das beliebte Vesper-Ei besteht hauptsächlich aus Kalkstein und ist somit ein Mineral – das kann nicht verrotten wie etwa Pflanzen oder andere organische Naturprodukte wie Obstschalen. Was passiert dann mit weggeworfenen Eierschalen? Sie zerbröseln mit der Zeit, vermischen sich mit der Erde und irgendwann sind sie so klein, dass sie nicht mehr als Schalenteile erkannt werden können.

Verrottet Kaugummi?

Besonders ärgerlich, denn es ist lange her, dass Kaugummi tatsächlich hauptsächlich aus „Chicle“ hergestellt worden ist, also dem Milchsaft des Breiapfelbaums. Heutzutage bestehen Kaugummis hauptsächlich aus Polymeren, also Kunststoffen auf Erdölbasis. Doch damit nicht genug: Weichmacher, Bindemittel, Farbstoffe und zumeist künstliche Aromen sind auch noch drin. Was genau und in welcher Zusammensetzung ist nicht einfach zu sagen, denn die Hersteller berufen sich auf ihr Betriebsgeheimnis. Fakt ist: Fast alle Kaugummis sind nicht biologisch abbaubar und es dauert Jahre, bis sie zumindest nicht mehr sichtbar sind.

Aktion „Saubere Berge“

Grundsätzlich gilt: Was man auf den Berg raufträgt, nimmt man auch wieder mit ins Tal. Entsprechend wird dann auch der Rucksack gepackt. Wer seinen Müllbeutel vergessen hat, für den hat sich der DAV etwas einfallen lassen. Im Rahmen der Kampagne „Saubere Berge“ (gibt’s schon seit den 70ern) sind nämlich rote Mülltütenspender an bewirtschafteten Hütten in den Alpen und Mittelgebirgen aufgestellt. Wer eine Abfalltüte braucht, kann sich hier ganz einfach eine Tüte herausnehmen und den Müll darin wieder mit runter ins Tal transportieren. Das Beste an der Tüte: Sie besteht aus Maisstärke und ist zu 100% biologisch abbaubar!

Statt Folie kann man auch einfach eine Brotdose für den Proviant wählen, die ist auf jedenfalls wiederverwendbar. Insgesamt ist Steffen Reich vom DAV aber ganz zufrieden mit dem Verhalten der Wanderer in den bayerischen Alpen: „Man kann eigentlich sagen, die meisten Bergsteigerinnen und Bergsteiger sind relativ umweltbewusst unterwegs und nehmen ihren Müll auch wieder mit.“

Quellen

Alpenverein
Codecheck zum Thema
Eierschalen im Kompost

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Kommentare

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michaela und erich marxer, Mittwoch, 14.August 2019, 08:35 Uhr

1. so langsam zerstzt sich müll

Wir sind Begeisterte Zuhörer ihres Senders
Betreffen den Früchten, Apfelputzen usw. auf den Bergen finden wir nicht so schlimm, wen es nicht kiloweise weggeworfen wird.
Was wir beim Wandern in die Berge mitnehmen, wird auch wieder nach Hause mitgenommen (Rest, Abfall)
Bedenklicher als die Apfelputzten usw, sofern nicht gespritzt (was ist heutzutage nicht gespritzt) die vielen Velofahrer, welche mit den Liften wie Skifahrer im Winter den Berg hochfahren, danach Geistesgestört hinunter donnern, ohne Rücksicht auf Wanderer usw.
Wie viel Gummi ( Reifenabrieb, usw) lassen sie auf den Wegen zurück. ( Man sieht es nicht, halb so schlimm) Dass dies jedoch nach einem Gewitter ins Grundwasser, Wiesen, Bäche gespült wird, kommt erst nach Jahren zum Vorschein.
Dann beginnt die Diskussion wieder von vorn.
Soll sich doch die nächste Generation auseinander setzen. Hauptsache, wir haben profitiert. So denken viele heutzutage?
Gruss Michaela und Erich aus dem Fürstentum Liechtenstein