Bayern 1

Unfall beim Wandern So lassen sich Unfälle am Berg vermeiden

Immer mehr Menschen verunglücken beim Wandern in den Bergen. Was Sie unbedingt beachten sollten, wenn Sie eine Wandertour planen.

Stand: 06.06.2019

Ein Bergretter seilt einen verunglückten Wanderer ab. | Bild: picture-alliance/dpa

Das Wetter schlägt in den Bergen sehr schnell um, und viele Wanderer unterschätzen die Anstrengung einer Tour. Deshalb ist eine sorgfältige Planung immer die Voraussetzung für eine sichere Tour. Sicherheitstipps für alle Bergwanderer:

  • Nur gesund in die Berge gehen: "Bergwandern ist Ausdauersport. Die Belastung für Herz und Kreislauf setzt Gesundheit und eine realistische Selbsteinschätzung voraus", so der Deutsche Alpenverein (DAV). Also: Genügend Zeit einplanen und damit Zeitstress vermeiden.
  • Gut informieren: Wanderer sollten sich vor der Tour genau darüber informieren, wie schwer und wie lang die Bergtour ist. Und wie die aktuelle Lage vor Ort aussieht - ob zum Beispiel im Frühjahr noch Schnee liegt und ob die angepeilte Hütte schon offen ist. Außerdem genau den Wetterbericht beobachten, denn Regen oder Wind können das Unfallrisiko am Berg erhöhen.
  • Nur mit vollständiger Ausrüstung losgehen: "Regen-, Kälte- und Sonnenschutz gehören immer in den Rucksack, ebenso Erste-Hilfe-Paket und Mobiltelefon (Euro Notruf 112). Karte und GPS unterstützen die Orientierung", so der DAV. Passende Bergschuhe mit rutschfester Profilsohle sind wichtig für die Trittsicherheit.
  • Auf den markierten Wegen bleiben: Wer abseits der Wege geht, riskiert, sich zu verirren oder zu versteigen.
  • Regelmäßige Pausen einlegen: Wer konzentriert und leistungsfähig bleiben will, muss Pausen machen, genügend essen und trinken. Jeder Wanderer sollte immer auch kleinere Snacks für den Notfall dabeihaben wie Müsliriegel, Kekse, Nüsse, Obst oder Trockenobst.

Sich nicht zuviel zutrauen: Interview mit Thomas Bucher vom DAV

BAYERN 1: Die Zahl der Unfälle in den Bergen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Woran liegt das?

Thomas Bucher (DAV): Man muss hier von Unfällen und Notfällen sprechen. Es sind nämlich vor allem die Blockierungen, die zugenommen haben. Also Leute, die an einer Stelle feststecken und nicht mehr vor oder zurück kommen und deshalb gerettet werden müssen. Die Gefahr in den Bergen tödlich zu verunglücken hat dagegen abgenommen: Die Zahl der tödlichen Unfällen bleibt seit vielen Jahren relativ konstant, obwohl immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind.

"Das individuelle Risiko in den Bergen tödlich zu verunglücken nimmt ab."

Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

BAYERN 1: Noch vor einigen Jahren sah man in den Bergen immer wieder Wanderer in Flip-Flops, heute haben selbst Spaziergänger hochwertige Schuhe und Stöcke dabei. Welche Rolle spielt die Ausrüstung bei Unfällen?

Thomas Bucher (DAV): Die Bedeutung der Ausrüstung als Unfallursache hat abgenommen. Die Leute sind in jedem Fall besser ausgerüstet, auch, wenn es gerade in der Nähe von Seilbahnstationen immer noch Ausnahmen gibt. Problematisch wird es allerdings, wenn die Leute die Verantwortung an die Ausrüstung abgeben und sich zu viel zutrauen. Die Hauptursachen für Notfälle sind aber schlechte Planung und fehlende Erfahrung.

"Unfälle haben meistens nicht nur eine Ursache."

Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

BAYERN 1: Was sollten - gerade auch Anfänger - in den Bergen beachten, um Unfälle und Notfälle zu vermeiden?

Thomas Bucher (DAV): Das wichtigste Prinzip ist: schrittweise weiterentwickeln. Also erst leichte und kurze Strecken wählen und dann schrittweise schwierigere und längere Touren. Gerade beim Klettersteig wollen viele zu schnell zu viel. Außerdem: Tagesaktuelle Planung, also die richtigen Touren wählen und besser mehrere Beschreibungen lesen – und natürlich die Kontrolle der Planung während der Tour.

Ganz oft haben Unfälle nicht nur eine Ursache - es ist meistens ein schrittweises "sich ins Schlamassel Hineinarbeiten". Erst dreht das Wetter, dann ist man zwei Stunden später dran, dann fängt's an zu regnen und plötzlich wird es dunkel und man sieht den Weg nicht mehr. Deswegen sind Planung und Kontrolle so wichtig.

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