Bayern 1

Unfall beim Wandern Wandern ist auch im Teil-Lockdown erlaubt

Wanderungen in den Bergen sind trotz Corona-Teillockdown erlaubt, Wie Sie sich generell vor Unfällen beim Wandern schützen können. Eine Liste mit Tipps für die Tourenplanung.

Stand: 06.11.2020

Paar auf einer herbstlichen Wandertour schaut von einem Berg ins Tal | Bild: mauritius images

Im Teil-Lockdown sollte man zwar auf überregionale Tagesausflüge verzichten, aber Wandern allein, mit den Angehörigen des eigenen Hausstands oder einem anderen Haushalt mit insgesamt maximal zehn Personen in der eigenen Umgebung sind erlaubt. Auch beim Wandern sollten Sie auf den Mindestabstand achten.

Bergbahnen in Bayern - Betrieb eingestellt im Teil-Lockdown seit 2. November

Die Bergbahnen mussten im Lockdown Light, der seit 2. November gilt, ihren Betrieb einstellen. Auch die Berghütten und die gesamte Gastronomie sind geschlossen. Einige Hütten wie das Rotwandhaus bieten Essen to go an - informieren Sie sich vorher.

Wanderer und Tourengeher sollten im Teil-Lockdown eigenverantwortlich einige Regeln beachten:

  • Auch in den Bergen gelten die empfohlenen Abstandsregeln. Der DAV empfiehlt sogar einen Abstand von mindestens zwei Metern.
  • Starten Sie mit einer leichten Bergtour und nutzen Sie nur ungefährliche Strecken. Auch wenn die Ehrenamtlichen der Bergwacht mittlerweile mit Schutzmaterial gut versorgt sind, setzen Sie die Einsatzkräfte einer Infektionsgefahr aus, wenn Sie gerettet werden müssen. Diese kommen bei einem Einsatz unweigerlich mit Ihnen in direkten Kontakt. Zudem sollten weiterhin alle Kapazitäten des medizinischen Systems (dazu gehört auch die Bergwacht) frei gehalten und nicht durch beim Wandern Verunglückte belegt werden.
  • Planen Sie Ihre Bergtour nur mit der eigenen Familie oder mit Menschen aus maximal einem weiteren Hausstand. Auf Großgruppen sollte verzichtet werden, so der Deutsche Alpenverein.
  • Teilen Sie Ihre Trinkflasche auf dem Gipfel nicht mit anderen.
  • Nehmen Sie ausreichend Verpflegung mit, denn vorerst bleiben Hütten und Gastronomie geschlossen.

So lassen sich Unfälle in den Bergen vermeiden

Grundsätzlich gilt: Eine sorgfältige Planung ist immer die Voraussetzung für eine sichere Tour. Wir haben ein paar Sicherheitstipps für alle Bergwanderer zusammengestellt:

Nur gesund in die Berge gehen: "Bergwandern ist Ausdauersport. Die Belastung für Herz und Kreislauf setzt Gesundheit und eine realistische Selbsteinschätzung voraus", so der Deutsche Alpenverein. Also: Genügend Zeit einplanen und damit Zeitstress vermeiden.

Gut informieren: Wanderer sollten sich vor der Tour genau darüber informieren, wie schwer und wie lang die Bergtour ist. Und wie die aktuelle Lage vor Ort aussieht - ob zum Beispiel im Frühjahr noch Schnee liegt und ob die angepeilte Hütte schon offen ist. Außerdem genau den Wetterbericht beobachten, denn Regen oder Wind können das Unfallrisiko am Berg erhöhen.

Nur mit vollständiger Ausrüstung losgehen: "Regen-, Kälte- und Sonnenschutz gehören immer in den Rucksack, ebenso Erste-Hilfe-Paket und Mobiltelefon (Euro Notruf 112). Karte und GPS unterstützen die Orientierung", so der DAV. Passende Bergschuhe mit rutschfester Profilsohle sind wichtig für die Trittsicherheit.

Auf den markierten Wegen bleiben: Wer abseits der Wege geht, riskiert, sich zu verirren oder zu versteigen.

Regelmäßige Pausen einlegen: Wer konzentriert und leistungsfähig bleiben will, muss Pausen machen, genügend essen und trinken. Jeder Wanderer sollte immer auch kleinere Snacks für den Notfall dabeihaben wie Müsliriegel, Kekse, Nüsse, Obst oder Trockenobst.

Sich nicht zuviel zutrauen: Interview mit Thomas Bucher vom DAV

BAYERN 1: Die Zahl der Unfälle in den Bergen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Woran liegt das?

Thomas Bucher (DAV): Man muss hier von Unfällen und Notfällen sprechen. Es sind nämlich vor allem die Blockierungen, die zugenommen haben. Also Leute, die an einer Stelle feststecken und nicht mehr vor oder zurück kommen und deshalb gerettet werden müssen. Die Gefahr in den Bergen tödlich zu verunglücken hat dagegen abgenommen: Die Zahl der tödlichen Unfällen bleibt seit vielen Jahren relativ konstant, obwohl immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind.

"Das individuelle Risiko in den Bergen tödlich zu verunglücken nimmt ab."

Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

BAYERN 1: Noch vor einigen Jahren sah man in den Bergen immer wieder Wanderer in Flip-Flops, heute haben selbst Spaziergänger hochwertige Schuhe und Stöcke dabei. Welche Rolle spielt die Ausrüstung bei Unfällen?

Thomas Bucher (DAV): Die Bedeutung der Ausrüstung als Unfallursache hat abgenommen. Die Leute sind in jedem Fall besser ausgerüstet, auch, wenn es gerade in der Nähe von Seilbahnstationen immer noch Ausnahmen gibt. Problematisch wird es allerdings, wenn die Leute die Verantwortung an die Ausrüstung abgeben und sich zu viel zutrauen. Die Hauptursachen für Notfälle sind aber schlechte Planung und fehlende Erfahrung.

"Unfälle haben meistens nicht nur eine Ursache."

Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

BAYERN 1: Was sollten - gerade auch Anfänger - in den Bergen beachten, um Unfälle und Notfälle zu vermeiden?

Thomas Bucher (DAV): Das wichtigste Prinzip ist: schrittweise weiterentwickeln. Also erst leichte und kurze Strecken wählen und dann schrittweise schwierigere und längere Touren. Gerade beim Klettersteig wollen viele zu schnell zu viel. Außerdem: Tagesaktuelle Planung, also die richtigen Touren wählen und besser mehrere Beschreibungen lesen – und natürlich die Kontrolle der Planung während der Tour.

Ganz oft haben Unfälle nicht nur eine Ursache - es ist meistens ein schrittweises "sich ins Schlamassel Hineinarbeiten". Erst dreht das Wetter, dann ist man zwei Stunden später dran, dann fängt's an zu regnen und plötzlich wird es dunkel und man sieht den Weg nicht mehr. Deswegen sind Planung und Kontrolle so wichtig.

Rucksack richtig packen

Eine Packliste und die beste Pack-Strategie: Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Rucksack richtig packen und welche Ausrüstung Sie beim Wandern wirklich brauchen.

Vier Lieblingswanderungen der BR-Korrespondenten zum Nachwandern