Bayern 1

Unfall beim Wandern Wandern wieder erlaubt: Darauf sollten Sie achten

Wanderungen in den Bergen sind trotz Corona-Pandemie wieder erlaubt, ab 30. Mai fahren auch die Bergbahnen wieder. Wie Sie sich vor Unfällen schützen können. Eine Liste mit Tipps für die Tourenplanung.

Stand: 09.06.2020

Wanderer in den bayerischen Alpen | Bild: mauritius-images

Während der Ausgangsbeschränkungen in Bayern haben das Bayerische Innenministerium, der Deutsche Alpenverein (DAV) und die Bergwacht immer wieder appelliert, keine Ausflüge in die Berge zu unternehmen. Doch nach den beschlossenen Corona-Lockerungen am 05. Mai ist das Wandern in den Bergen wieder erlaubt. Es gebe nun keinen Grund mehr, auf einen Ausflug in die Berge zu verzichten, sagte der Ressortleiter Breitensport des DAV, Stefan Winter, dem Bayerischen Rundfunk.

Bergbahnen in Bayern: Ab 30. Mai wieder in Betrieb

Rechtzeitig zum Start der Pfingstferien dürfen Bayerns Berg- und Seilbahnen wieder ihren Betrieb aufnehmen. Allerdings starten alle mit Hygienekonzept und Kapazitätsbeschränkungen. In der Zugspitzseilbahn darf etwa nur ein Drittel der normalen Personenzahl mitfahren, in kleineren Kabinen sind oft nur Familienmitglieder oder sogar nur Einzelpersonen erlaubt, so Matthias Stauch, Präsident des deutschen Seilbahnverbands, in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Allerdings sollten Wanderer und Tourengeher eigenverantwortlich einige Regeln beachten:

  • Auch in den Bergen gelten die empfohlenen Abstandsregeln. Der DAV empfiehlt sogar einen Abstand von mindestens zwei Metern.
  • Starten Sie mit einer leichten Bergtour und nutzen Sie nur ungefährliche Strecken. Auch wenn die Ehrenamtlichen der Bergwacht mittlerweile mit Schutzmaterial gut versorgt sind, setzen Sie die Einsatzkräfte einer Infektionsgefahr aus, wenn Sie gerettet werden müssen. Diese kommen bei einem Einsatz unweigerlich mit Ihnen in direkten Kontakt. Zudem sollten weiterhin alle Kapazitäten des medizinischen Systems (dazu gehört auch die Bergwacht) frei gehalten und nicht durch beim Wandern Verunglückte belegt werden.
  • Planen Sie Ihre Bergtour nur mit der eigenen Familie oder (ab 08.05.2020) mit Menschen aus maximal einem weiteren Hausstand. Auf Großgruppen sollte verzichtet werden, so der Deutsche Alpenverein.
  • Teilen Sie Ihre Trinkflasche auf dem Gipfel nicht mit anderen.
  • Nehmen Sie ausreichend Verpflegung mit, denn vorerst bleiben Hütten und Gastronomie geschlossen.

So lassen sich Unfälle in den Bergen vermeiden

Grundsätzlich gilt: Eine sorgfältige Planung ist immer die Voraussetzung für eine sichere Tour. Wir haben ein paar Sicherheitstipps für alle Bergwanderer zusammengestellt:

Nur gesund in die Berge gehen: "Bergwandern ist Ausdauersport. Die Belastung für Herz und Kreislauf setzt Gesundheit und eine realistische Selbsteinschätzung voraus", so der Deutsche Alpenverein. Also: Genügend Zeit einplanen und damit Zeitstress vermeiden.

Gut informieren: Wanderer sollten sich vor der Tour genau darüber informieren, wie schwer und wie lang die Bergtour ist. Und wie die aktuelle Lage vor Ort aussieht - ob zum Beispiel im Frühjahr noch Schnee liegt und ob die angepeilte Hütte schon offen ist. Außerdem genau den Wetterbericht beobachten, denn Regen oder Wind können das Unfallrisiko am Berg erhöhen.

Nur mit vollständiger Ausrüstung losgehen: "Regen-, Kälte- und Sonnenschutz gehören immer in den Rucksack, ebenso Erste-Hilfe-Paket und Mobiltelefon (Euro Notruf 112). Karte und GPS unterstützen die Orientierung", so der DAV. Passende Bergschuhe mit rutschfester Profilsohle sind wichtig für die Trittsicherheit.

Auf den markierten Wegen bleiben: Wer abseits der Wege geht, riskiert, sich zu verirren oder zu versteigen.

Regelmäßige Pausen einlegen: Wer konzentriert und leistungsfähig bleiben will, muss Pausen machen, genügend essen und trinken. Jeder Wanderer sollte immer auch kleinere Snacks für den Notfall dabeihaben wie Müsliriegel, Kekse, Nüsse, Obst oder Trockenobst.

Sich nicht zuviel zutrauen: Interview mit Thomas Bucher vom DAV

BAYERN 1: Die Zahl der Unfälle in den Bergen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Woran liegt das?

Thomas Bucher (DAV): Man muss hier von Unfällen und Notfällen sprechen. Es sind nämlich vor allem die Blockierungen, die zugenommen haben. Also Leute, die an einer Stelle feststecken und nicht mehr vor oder zurück kommen und deshalb gerettet werden müssen. Die Gefahr in den Bergen tödlich zu verunglücken hat dagegen abgenommen: Die Zahl der tödlichen Unfällen bleibt seit vielen Jahren relativ konstant, obwohl immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind.

"Das individuelle Risiko in den Bergen tödlich zu verunglücken nimmt ab."

Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

BAYERN 1: Noch vor einigen Jahren sah man in den Bergen immer wieder Wanderer in Flip-Flops, heute haben selbst Spaziergänger hochwertige Schuhe und Stöcke dabei. Welche Rolle spielt die Ausrüstung bei Unfällen?

Thomas Bucher (DAV): Die Bedeutung der Ausrüstung als Unfallursache hat abgenommen. Die Leute sind in jedem Fall besser ausgerüstet, auch, wenn es gerade in der Nähe von Seilbahnstationen immer noch Ausnahmen gibt. Problematisch wird es allerdings, wenn die Leute die Verantwortung an die Ausrüstung abgeben und sich zu viel zutrauen. Die Hauptursachen für Notfälle sind aber schlechte Planung und fehlende Erfahrung.

"Unfälle haben meistens nicht nur eine Ursache."

Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

BAYERN 1: Was sollten - gerade auch Anfänger - in den Bergen beachten, um Unfälle und Notfälle zu vermeiden?

Thomas Bucher (DAV): Das wichtigste Prinzip ist: schrittweise weiterentwickeln. Also erst leichte und kurze Strecken wählen und dann schrittweise schwierigere und längere Touren. Gerade beim Klettersteig wollen viele zu schnell zu viel. Außerdem: Tagesaktuelle Planung, also die richtigen Touren wählen und besser mehrere Beschreibungen lesen – und natürlich die Kontrolle der Planung während der Tour.

Ganz oft haben Unfälle nicht nur eine Ursache - es ist meistens ein schrittweises "sich ins Schlamassel Hineinarbeiten". Erst dreht das Wetter, dann ist man zwei Stunden später dran, dann fängt's an zu regnen und plötzlich wird es dunkel und man sieht den Weg nicht mehr. Deswegen sind Planung und Kontrolle so wichtig.

Rucksack richtig packen

Eine Packliste und die beste Pack-Strategie: Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Rucksack richtig packen und welche Ausrüstung Sie beim Wandern wirklich brauchen.

Vier Lieblingswanderungen der BR-Korrespondenten zum Nachwandern