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Wandern Diese Ausrüstung brauchen Sie zum Bergwandern

Zum Wandern brauchen wir nicht viel. Ein Check, was an unserer Ausrüstung wirklich wichtig ist. Und was wir uns sparen können.

Stand: 03.06.2019

Bergwanderer am Brauneck | Bild: DAV/Hans Herbig

Bergschuhe mit griffiger Profilsohle, kleinerer Rucksack, das Handy für den Notfall, Proviant, Getränke und Regenjacke - mehr braucht es kaum für Tagestouren in den Bergen? Stimmt. Wir klären mit unserem Experten Stefan Winter, der Bergführer und Ressortleiter Breitenbergsport beim Deutschen Alpenverein (DAV) ist, worauf wir bei unserer Wanderausrüstung besonders achten sollten. Damit wir uns draußen rundum gut fühlen und ohne Knieschmerzen oder Blasen an den Füßen von unserer Wanderung zurückkehren.

Merinoshirt versus Funktionshemd aus Kunstfaser

Symbolbild: Watzmann im Berchtesgadener Land, Fachwerkhaus in Altdorf | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Rundwanderwege Wandern in Bayern

Rundwanderwege in Bayern - hier sind echte Wander-Klassiker dabei. Vielleicht werden Sie sagen: "Diese Tour könnten wir wieder einmal gehen". Viel Spaß! [mehr]

Unterwäsche und Shirts aus Merinowolle sind auf den ersten Blick erst einmal sehr viel teurer in der Anschaffung als Funktionsshirts aus Kunstfasern. Viele Bergwanderer schwören dennoch auf Merino fürs Drunter. "Die Entscheidung zwischen Merinowolle und Kunstfaser hat einen ideellen Aspekt - viele wollen mit einer naturverbundenen Grundhaltung auf Naturprodukte zurückgreifen, wo es geht." Die Teile sollen angenehm zu tragen sein, sollen kühlen beim Schwitzen und wärmen, wenn es kühler ist.

"Kunstfaser nimmt den Schweißgeruch auf und gibt ihn auch wieder ab. Ein Merinoshirt riecht nicht so schnell. Aber auch ein Shirt aus Wolle kann man nicht fünf Tage am Stück tragen, ohne es zu waschen." Stefan Winter trägt beim Wandern Unterhemden aus Baumwolle und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Er empfiehlt, besonders beim Wandern im Herbst, das Wechselshirt immer im Rucksack dabeizuhaben.

Wandersocken lohnen sich

Mit einer Blase am Fuß zu wandern ist die reinste Qual, da macht keine noch so schöne Tour mehr Spaß. Wir können aber vorbeugen. Die Bergschuhe sollten vor größeren Wanderungen eingelaufen sein und gut passen - klar eigentlich. Doch auch eingelaufene und gut passende Schuhe nutzen nichts, wenn Schuh und Socke aneinander reiben.

"Dass der Wanderschuh gut passt, ist das A und O. Die Anschaffung spezieller Wandersocken lohnt sich - ob aus Kunst- oder Naturfasern. Man schwitzt sehr stark am Fuß und die Socken müssen den Schweiß gut abtransportieren. Je länger die Tour, desto dicker sollten die Socken sein. Sie sorgen dann für eine zusätzliche Polsterung."

Stefan Winter, DAV

Reine Baumwoll-Sportsocken, wie zum Beispiel Tennissocken, eignen sich weniger fürs Tragen im Wanderschuh. Sie leiten die Feuchtigkeit nicht gut genug nach außen, sondern reiben, wenn sie nass geschwitzt sind, auf der Haut. Wandersocken, ob aus Wolle, Synthetik oder einem Mischgewebe, transportieren dagegen den Schweiß vom Fuß weg. Wieso das so wichtig ist: Ist die Haut feucht, weicht sie auf und ist anfälliger für Blasen.

Was tun gegen Blasen beim Wandern

Passende Wanderschuhe und gute Wandersocken halten die Reibung auf der Haut schon mal gering. Wer aber anfällig für Blasen ist, kann folgenden Trick versuchen: Die zu Blasen neigenden Stellen vor der Wanderung großzügig mit medizinischem Tape aus der Apotheke abkleben. Bergführer Stefan Winter rät: "Ist man schon unterwegs und merkt, dass sich eine Blase bilden könnte: Pause machen, Schuh ausziehen und die Stelle entweder mit Tape abkleben oder mit einem Gelpflaster schützen. Dann findet die Reibung im Gel statt und nicht auf der Haut. Vorbeugend kann man auch seine Füße mit Hirschtalg einreiben."

Wanderschuhe richtig schnüren

Wie wir unsere Wanderschuhe schnüren - auch das kann darüber entscheiden, ob wir Druckstellen bekommen oder Blasen. Deswegen: "Wanderschuhe so fest schnüren, dass ich nicht im Schuh schwimme wie in einem Hausschuh. Für den Aufstieg eher fester schnüren, aber nicht zu fest. Ein bisschen Spiel braucht der Fuß, so einen halben bis einen Zentimeter. Jeder muss ausprobieren, was für ihn am besten ist."

Das Wichtigste am Wanderschuh sei nicht die Schafthöhe, sondern die Sohle des Schuhs - die sollte eine tief eingeschnittene Profilsohle sein, denn "beim Wandern ist die häufigste Unfallursache das Ausrutschen, Stolpern und Hängenbleiben", sagt Stefan Winter.

Wanderstöcke für wen?

Ungefähr einen rechten Winkel sollten die Ellbogen bilden - dann sind die Wanderstöcke richtig eingestellt.

Wander- oder Trekkingstöcke gehören mittlerweile für viele Menschen zum Wandern dazu. Doch nicht alle Menschen brauchen sie, sagt Stefan Winter. "Stöcke sind für alle empfehlenswert, die Probleme mit der Trittsicherheit oder gesundheitliche Einschränkungen haben wie Arthrose, Bänderschäden oder Meniskusverletzungen. Alle anderen brauchen keine Stöcke. Der menschliche Körper ist darauf ausgerichtet, längere Zeit bergab gehen zu können. Das gibt dann zwar manchmal einen sauberen Muskelkater, aber auch der ist vorgesehen. Wer gesund ist, keine Vorschädigungen hat und regelmäßig Sport treibt, kann beim Wandern auf Stöcke verzichten."

Wanderstöcke richtig einstellen

Wanderstöcke stellt man so ein: Bergschuhe anziehen, gerade hinstellen und die Stöcke so ausziehen und fixieren, dass die Unterarme ungefähr im rechten Winkel zu den Oberarmen sind. Der rechte Winkel im Ellbogengelenk garantiert die beste Kraftübertragung in flachem Gelände, aber auch bei mäßigen Steigungen. Bei Wanderstöcken stellen wir beide Verschlüsse auf die selbe Länge ein und achten darauf, die Arretierungen sorgfältig zu schließen. Nur bei extremen Steilabstiegen kann es hilfreich sein, die Stöcke um fünf Zentimeter zu verlängern, sagt Stefan Winter. Größere Länge kann eher hinderlich sein: "Je länger die Wanderstöcke eingestellt sind, desto unnatürlicher wird die Armhaltung", so Winter.

Schweigend Wandern

Damit eine Wanderung uns gelassener macht, empfiehlt Stefan Winter, die Hektik des Alltags nicht mit auf die Tour zu nehmen. Also das Handy nur für einen Notruf dabeihaben, auf Selfies und das Checken von Nachrichten verzichten - und auch auf ausgiebige Problemgespräche: "Sich einfach auf die Natur einlassen und schweigend wandern. Dann höre ich den Wind, die Vögel, den Bach."

So geht's am besten und das muss in den Rucksack rein: Rucksack richtig packen.