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Sendungen zum Jahrestag Zehn Jahre Fukushima und Ausstieg aus der Atomenergie

Vor zehn Jahren kam es nach einem Erdbeben und dem anschließenden Tsunami im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zur Kernschmelze. Die Bundesregierung beschloss daraufhin, alle deutschen Kernkraftwerke bis 2022 stillzulegen. Zum Jahrestag setzen sich zahlreiche Sendungen im Fernsehen und auf Bayern 2 mit der Nuklearkatastrophe, ihren Folgen und dem Ausstieg auseinander.

Stand: 03.03.2021

Betendes Mädchen vor der Ruine des Kernkraftwerks Fukushima | Bild: Montage: BR; picture-alliance/dpa

In drei Dokumentationen und einem Experten-Talk widmet sich "alpha-planet" den noch nicht gelösten Problemen und Fragen rund um die Energiewende nach Fukushima auseinander. Zusätzlich wirft der Abend zum Thema "Kernkraft" einen Blick zurück auf die Proteste gegen die WAA in Wackersdorf 1987: am Montag, 8. März 2021, ab 20.15 Uhr in ARD-alpha.
Im Fernsehen und auf Bayern 2 beschäftigen sich weitere Sendungen mit der Nuklearkatastrophe, ihren Folgen und dem Ausstieg. Am Dienstag, 9. März, ist der Physiker, Astronom, Naturphilosoph und Wissenschaftsmoderator Prof. Harald Lesch zu Gast in "alpha-demokratie" zum Thema "Atomkraft und kein Ende?" (ARD-alpha, 19.30 Uhr).

Am 11. März 2011 baute sich nach einem der stärksten jemals gemessenen Erdbeben östlich der japanischen Hauptinsel Honshu ein Tsunami auf, dessen bis zu 40 Meter hohe Wellen etwa 20.000 Menschen in den Tod rissen und das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi so schwer beschädigten, dass es in mehreren Reaktorblöcken zu Kernschmelzen kam und Explosionen die Gebäude zerstörten. Erhebliche Mengen radioaktiver Stoffe wurden freigesetzt und verteilten sich über Japan. Mehr als 160.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen und wurden umgesiedelt.

Als Reaktion auf die Katastrophe beschloss die Bundesregierung im April 2011, die deutschen Atomkraftwerke bis 2022 stillzulegen. Doch viele Probleme sind noch nicht gelöst, etwa die Entsorgung des atomaren Restmülls. Noch immer gibt es kein Endlager, und in anderen Ländern spielt die Kernkraft nach wie vor eine wichtige Rolle. Auch in Deutschland gibt es viele Stimmen, die den Ausstieg für verfrüht halten.

 Die Sendungen im Überblick:

"alpha-planet: Kernkraft" am Montag, 8. März 2021, in ARD-alpha:

20.15 Uhr: 10 Jahre nach Fukushima – Sind wir zu früh aus der Kernkraft raus?
BR Mediathek: nach Ausstrahlung 5 Jahre verfügbar

2022 wird in Deutschland das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet. Doch weltweit sind noch Hunderte von Anlagen in Betrieb, und vielen gilt die Kernkraft als "saubere", klimafreundliche Energiequelle, die keine Treibhausgase erzeugt. Auch in Deutschland gibt es Stimmen, die für längere Nutzung der Kernkraft plädieren. Die Lücke, die die abgeschalteten Kernkraftwerke hinterlassen, würde sonst durch klimaschädliche Kohlekraftwerke geschlossen werden – das wäre angesichts des drängenden Klimaproblems eine Katastrophe. Den erneuerbaren Energien trauen viele nicht zu, diese Lücke zu füllen.

20.45 Uhr: alpha-thema Gespräch: Energiewende nach Fukushima
BR Mediathek: nach Ausstrahlung 5 Jahre verfügbar

Gäste bei Birgit Kappel sind Prof. Dr. Karen Pittel, Direktorin des Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen des ifo Instituts, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, und Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sowie Heinz Smital, Physiker und Atomexperte bei Greenpeace.
Heinz Smital fährt seit 2011 regelmäßig nach Fukushima. Im alpha-thema Gespräch schildert er eindrucksvoll die Ereignisse vor zehn Jahren, mit deren Folgen die Region noch heute kämpft. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Karen Pittel kritisiert die "überhastete Natur", mit der der Zeitplan zum Atomausstieg beschlossen wurde. Grundsätzlich hält aber auch sie den Ausstieg aus der Kernenergie für richtig.

21.15 Uhr: Wie geht das? Ein Atomkraftwerk zurückbauen
Dokumentation, NDR 2018

Der Rückbau des Kernkraftwerks Unterweser im Landkreis Wesermarsch hat mit dem Abbau des im Jahr 2011 abgeschalteten Reaktors begonnen. Nach Berechnungen des Betreibers PreussenElektra müssen insgesamt 675.000 Tonnen Abbruchmaterial entsorgt werden. Jedes einzelne Teil des Atomkraftwerks muss auf 80 Zentimeter zersägt und genauestens auf Strahlung untersucht werden. 98 Prozent der Bauteile sollen in den natürlichen Wertstoffkreislauf überführt werden. Der Rückbau soll etwa 15 Jahre dauern und rund eine Milliarde Euro kosten. Die Reportage aus der Reihe "Wie geht das?" begleitet den Rückbaubeginn des einst leistungsstärksten Reaktors der Welt.

 21.45 Uhr: Atom-Streit in Wackersdorf – Die Geschichte einer Eskalation
Dokumentation, 2017
BR Mediathek: nach Ausstrahlung 12 Monate verfügbar

Die Dokumentation rekonstruiert 30 Jahre nach dem “Blutigen Herbst“ von 1987 die dramatische und teilweise äußerst gewalttätige Zuspitzung rund um die WAA Wackersdorf und illustriert dabei auch die politisch-gesellschaftliche Gemengelage, aus der es zu einer solchen Radikalisierung kommen konnte.

 Weitere Sendungen:

Samstag, 6. März 2021, 19.00 Uhr, BR Fernsehen:
"Gut zu wissen": 10 Jahre nach Fukushima – War der Atomausstieg zu früh?
BR Mediathek: nach Ausstrahlung fünf Jahre verfügbar

Dienstag, 9. März 2021, 19.30 Uhr und 00.10 Uhr; ARD-alpha:
alpha-demokratie: "Atomkraft und kein Ende?"
Studiogast: Prof. Harald Lesch
BR Mediathek: nach Ausstrahlung fünf Jahre verfügbar

Donnerstag, 11. März 2021, 18.05 Uhr, Bayern 2:
"IQ – Wissenschaft und Forschung": Fukushima – Kernkraft nach dem Super-GAU
Von David Globig
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Noch immer sind weltweit noch fast 450 Kernkraftwerke in Betrieb, mehrere Dutzend werden gerade neu gebaut. Teilweise setzen die Länder auf veränderte Konzepte. So betreibt etwa Russland seit Ende des Jahres 2019 ein schwimmendes Kernkraftwerk mit zwei Mini-Reaktoren. Auch im Westen arbeiten Unternehmen an kleinen, modularen Systemen, die eines Tages in Serie produziert werden sollen. Und Forschende entwickeln große Reaktoren der nächsten, der so genannten IV. Generation. Hat die Kernkraft also auch nach der Katastrophe von Fukushima eine Zukunft?

Sonntag, 14. März 2021, 15.05 Uhr, Bayern 2:
Hörspiel: Nomadomura, Awajishima, 800 km südlich − Aufzeichnungen nach einer Katastrophe
Von Ayako Mogi/Werner Penzel. Komposition: Misa Shimomura. Realisation: Bernhard Jugel
BR 2011. Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

Unter dem Eindruck der dreifachen Katastrophe Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze in Fukushima öffneten die in Japan lebenden Filmemacher Ayako Mogi und Werner Penzel ein altes Schulhaus auf der Insel Awajishima, 800 km südlich des Katastrophengebiets, für Flüchtlinge. Dort hatten sie seit 2009 ein Kulturprojekt namens "Nomadomura", zu Deutsch "Nomadendorf" betrieben. Jeden Tag trafen vor allem Frauen mit ihren Kindern aus dem Norden Japans ein. Die Bewohner der Schule wurden von der Redaktion Hörspiel und Medienkunst des BR gebeten, ihre Erlebnisse zu schildern: in Notizen, Tagebuchaufzeichnungen, Erfahrungsberichten. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen in dieser kollektiven Erzählung konterkarieren auf eindrucksvolle Weise die mediale Berichterstattung, in der die Japaner die Katastrophe vermeintlich gelassen und pragmatisch angenommen hatten.

Montag, 15. März 2021, 17.00 Uhr, ARD-alpha:
"Alles wissen": 10 Jahre Fukushima - Atomkraft und ihr strahlendes Erbe
Wissenschaftsmagazin, HR 2021
BR Mediathek: nach Ausstrahlung bis 22. März 2021 abrufbar

Eine Zwischenbilanz und viele offene Fragen zehn Jahre nach dem Beschluss, bis 2022 aus der Kernenergie auszusteigen. Ist angesichts der gewaltigen Herausforderungen die Energiewende überhaupt machbar? Und sind unsere Zwischenlager, in denen der hochradioaktive Müll gelagert wird, sicher, bis irgendwann ein Endlager gefunden ist?


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