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Datenjournalismus-Projekt Diskriminierung im Deutsch-Rap: Frauen trifft es am häufigsten

Rap- und HipHop-Musik steht bei vielen für harte, teils beleidigende Sprache. PULS, das junge Programm des Bayerischen Rundfunks, wollte es genau wissen und hat in einem Datenjournalismus-Projekt untersucht, wie häufig frauenfeindliche, homophobe, behindertenfeindliche und rassistische Ausdrücke im erfolgreichen deutschen HipHop genutzt werden. Dafür analysierten die Autoren die erfolgreichsten Deutschrap-Alben der Jahre 2000 bis 2015. Mit dabei waren unter anderen Veröffentlichungen von Sido, Bushido, Samy Deluxe, Fettes Brot und der Beginner.

Stand: 13.10.2016

Grafik zur Häufigkeit von Schimpfwörtern im Deutschen HipHop | Bild: BR/ Screenshot

Insgesamt suchte PULS nach 42 beleidigenden Begriffen in den Rap-Texten. Bei den frauenfeindlichen Beleidigungen waren es beispielsweise Beschimpfungen wie "Nutte“, bei den homophoben "Schwuchtel“. Als behindertenfeindliche Äußerungen wertete PULS Worte wie "Spast“, als rassistisch beispielsweise "Kanacke“.

Nimmt man alle diskriminierenden Begriffe zusammen, zeigt sich, dass es im Jahr 2000 noch relativ wenige waren – ca. acht im Schnitt pro Album. Einen ersten Höhepunkt gab es 2001, was auf Kool Savas‘ Album „Der beste Tag meines Lebens“ zurückzuführen ist. Danach wird Deutsch-Rap vorübergehend harmloser – bis das Label Aggro Berlin 2006 die Rapper Sido und Bushido an die Spitze der Charts brachte.

Höhepunkt im Jahr 2013

Der absolute Höhepunkt wurde im Jahr 2013 erreicht: Das Album „Jung, brutal, gutaussehend 2“ von Kollegah & Farid Bang sorgt für einen deutlichen Ausschlag bei der Verwendung diskriminierender Sprache. In diesem Jahr sind es im Schnitt 32 diskriminierende Begriffe pro Album. Und aktuell? 2015 hat sich die Situation der PULS Analyse zufolge entspannt. Künstler wie Deichkind und Namika benutzen wenige bis keine beleidigenden Begriffe – und selbst Sido ist merklich harmloser geworden. Lediglich zehn Beleidigungen hat PULS in den fünf erfolgreichsten Rap-Alben von 2015 gefunden. Zum Vergleich: 2013 waren es 156.  

Die komplette Analyse mit allen Ergebnissen ist zu finden unter:

http://www.br.de/puls/musik/so-homophob-frauenfeindlich-rassistisch-und-behindertenfeindlich-ist-deutschrap-100.html

Kann Rap politisch korrekt sein?

Ausgehend von der PULS Analyse stellte sich die Redaktion die Frage: Kann Rap politisch korrekt sein? Thomas D von den Fantastischen Vier sagte gegenüber PULS: "Political Correctness ist im deutschen Rap schwer zu finden.“

Von Festivals ausgeladen

Das Thema politische Korrektheit im HipHop ist präsenter denn je. Sowohl in den USA als auch in Deutschland wurden Rapper von Festivals ausgeladen, weil sie für zu frauen- und / oder minderheitenfeindlich befunden wurden. Interessengruppen treten regelmäßig auf den Plan und kritisieren den übermäßigen Gebrauch von diskriminierender Sprache im Rap.

Um die Bedeutung von politischer Korrektheit im HipHop zu bestimmen, hat PULS mit Rap-Größen, Journalisten und Veranstaltern gesprochen. Rapper Retrogott hat beispielsweise eine Wandlung hinter sich: „Ich habe früher ‚schwul‘ gesagt und sage es nicht mehr, weil ich eingesehen habe, dass es Menschen verletzt.“ Kollege Alligatoah sagt dagegen: „Mein Werkzeug sind Worte und ich brauche sie alle. Und sie werden eingesetzt, so wie ich es für richtig halte.“ Rap ohne aggressive Sprache ist auch für HipHop-Journalist Falk Schacht undenkbar – für ihn wäre Rap sonst "gesprochener Schlager“.

Die Analysemethode

In einer Songtext-Analyse hat PULS untersucht, wie häufig diskriminierende Begriffe auf den erfolgreichsten Deutschrap-Platten vorkommen. Als Stichprobe wurden die laut „Offizielle Deutsche Charts“ jeweils fünf kommerziell erfolgreichsten deutschsprachigen Rap-Alben der letzten 16 Jahre ausgewählt. Die Songtexte dieser Alben wurden auf diskriminierende Wortgruppen untersucht. So konnte festgestellt werden, wie häufig homophobe, frauen- und behindertenfeindliche sowie rassistische Begriffe auf kommerziell erfolgreichen Deutschrap-Alben benutzt werden – und der Verlauf dieser Häufigkeit über die Jahre aufgezeigt werden.

Genuis und LinguLab als Tools

Die Texte wurden von Genius bezogen und um Refrain-Wiederholungen bereinigt – anschließend wurden sie durch die Textanalyse-Software „LinguLab“ analysiert. Dabei kamen Listen von allen Begriffen heraus, die von den Rappern auf ihren Platten benutzt wurden.


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