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Liesl Karlstadt Von der Soubrette zur Komikerin

Armut war eine prägende Kindheitserfahrung für Elisabeth Wellano. Ihre heimliche Liebe gehörte dem Theater - und als Liesl Karlstadt machte sie an der Seite von Karl Valentin tatsächlich Karriere als Komikerin.

Stand: 12.12.2012 | Archiv

Liesl Karlstadt (undatierte Aufnahme) | Bild: SZ Photo

Gäbe es eine Vorsehung, bei Liesl Karlstadt hätte sie in bizarrer Form zugeschlagen. Einer ihrer größten Erfolge ist bekanntlich "Der Firmling". In diesem Kurzfilm zwingt Armut den Vater (Karl Valentin), den Firmpaten für seinen eigenen Sohn (Liesl Karlstadt) abzugeben. Es fand sich sonst niemand. Für die Karlstadt ein Déja-vu-Erlebnis, das sie in die Kindheit versetzte: Bei ihrer eigenen Firmung musste als Patin die Tochter der benachbarten Krämerin einspringen. Es fand sich sonst niemand.

Wellano - italiano, lebst aa no?

Armut war eine prägende Kindheitserfahrung für Elisabeth Wellano - so ihr Geburtsname, erst Valentin verpasste ihr den Künstlernamen Liesl Karlstadt. 1892 kam sie in München als fünftes von neun Kindern auf die Welt, am 27. Juli 1960 starb sie in Garmisch-Partenkirchen.

Liesl Karlstadt als Kind

Ihr Vater war Bäckermeister, dessen Vorfahren aus Oberitalien stammten - daher der für Bayern ungewöhnliche Nachname. Den südländischen Klang nahmen ihre Mitschüler oft genug zum Anlass, sie zu verspotten: "Wellano - italiano, lebst aa no?"

Doppel-Rolle vorwärts in ein neues Leben

Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden Mädchen aus wenig begüterten Familien häufig in das übliche Biografie-Muster gestanzt: erst Dienstmädchen, dann Ehefrau. Die aufgeweckte Elisabeth Wellano hatte auf beides keine Lust. Aufgrund der Rollenerwartung blieb der hervorragenden Schülerin der Berufswunsch Lehrerin dennoch versagt. So wurde sie mit 13 Jahren zunächst Verkäuferin in der Kurzwarenabteilung eines Kaufhauses.

Doch zufrieden gab sich das ehrgeizige Mädchen damit nicht. Ihre heimliche Liebe gehörte dem Theater - und stieß auf Gegenliebe: Im "Bamberger Hof", damals eine der bedeutendsten Münchner Wirtshausbühnen, wurde sie vom Fleck weg für gelegentliche Abendauftritte engagiert - als "Anfängerin", wie sie selbst erzählte. Ihren Job gab sie zur Sicherheit nicht sofort auf und nahm lieber eine Doppelbelastung in Kauf. Tagsüber - während ruhiger Geschäftszeiten - lernte sie ihre Rollen, nach Ladenschluss eilte sie zum neuen Nebenberuf.


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