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Liesl Karlstadt Erste Engagements

Stand: 31.05.2004 | Archiv

Liesl Karlstadt, im Hintergrund: der Alte Peter in München | Bild: SZ Photo / Scherl

Auf Wirtshausbühnen machte man damals nicht viel Federlesens, was das Rollen-Repertoire betrifft. Die Schauspieler mussten im Prinzip alles können oder zumindest zu jeder Art von Rolle bereit sein. Elisabeth Wellano wurde zunächst für das Fach der jugendlichen Soubrette engagiert, also eine auf komische Rollen abonnierte Sängerin.

Jodeln - auch ohne Diplom

Aber schon bald musste sie ihr Spektrum gehörig erweitern: Solo-Nummern, Mitwirkung im Chor, Couplet-Singen, Jodeln, Rollen in Bauernkomödien und dramatischen Schauspielen. Sie wagte sich sogar an die "Kameliendame", freilich in der volkstümlich aufbereiteten Theaterfassung unter dem Titel "Am Glück vorbei". Augenzeugenberichten zufolge lieferte sie eine derart überzeugende Darstellung von Alexandre Dumas' tragischer Heldin ab, dass das Publikum zu rauchen und zu trinken aufhörte - zumindest während der Vorstellung.

Von ambulant ...

Eine weitere Herausforderung bestand im so genannten "ambulanten Spielen", das damals Standardanforderung in Amüsier-Lokalen mit Bühne war. Gefragt waren Improvisation, Spielen aus dem Stegreif unter Verzicht auf aufwändige Requisiten und Kulissen. Auch auf den ständigen Wechsel der Bühnenorte und die sehr unterschiedliche Größe der Auftrittsflächen musste man sich einstellen. Doch der frühe Zwang zur Flexibilität kam Elisabeth Wellano in der späteren Zusammenarbeit mit Karl Valentin zugute.

... zu stationär

Am Glück vorbei arbeitete sie nicht. Schon mit 19 Jahren konnte sie ihren ersten Bühnenvertrag für ein Jahr als Sängerin abschließen. Monatliche Gage: 90 Mark - das Doppelte des Gehalts, das sie mit dem Verkäuferinnen-Job verdiente, der nun kein Thema mehr war.


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