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Wie es um Bayerns Breitband-Ausbau steht | BR24

© picture-alliance/dpa

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    Wie es um Bayerns Breitband-Ausbau steht

    Über 80 Prozent der bayerischen Bevölkerung ist mit schnellem Internet versorgt. Das geht aus dem aktuellen Breitbandbericht hervor. Von Christian Schiffer

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    Trotz der Niederlage gegen Mexiko steht Deutschland im Fußball immer noch auf Platz 1 der Weltrangliste. Ganz anders wenn es um die Versorgung mit Breitband geht: Laut der Industrieorganisation FTTH Council waren im September 2017 gerade einmal 2,3 Prozent aller Haushalte mit Glasfaser-Leitungen direkt bis in Haus versorgt. Damit rangiert Deutschland auf demselben Niveau wie Angola und wird von Jamaika, Kasachstan oder Trinidad und Tobago regelrecht abhängt.

    Jetzt geht's los

    Doch immerhin scheint sie nun losgegangen zu sein, die Aufholjagd, und Bayern liegt dabei mal wieder vor, das zumindest geht aus dem Breitbandbericht hervor, der vom Staatminister der Finanzen, Landesentwicklung und Heimat, Albert Füracker (CSU), vorgestellt wurde.

    Der Staatminister hatte mehrere gute Nachrichten mitgebracht: Über 80 Prozent der Bevölkerung seien mit schnellem Internet versorgt. Sprich: mit einer Geschwindigkeit von über 50 Mbit/s - was aber nicht unbedingt heißen muss, dass es sich dabei um Glasfaser-Anschlüsse bis ins Haus handelt. Im ländlichen Raum liegt die Versorgung mit schnellem Internet bei 75,4 Prozent, das ist im Vergleich zu 2013 eine Steigerung von 48 Prozent. Aktuell werden bisher 710.000 unversorgte Haushalte an das schnelle Internet angeschlossen, 100.000 davon mit Glasfaser bis in Haus.

    "Hohe Ausbaudynamik"

    Zudem seien 98 Prozent der Kommunen in das Förderverfahren eingestiegen. Der Minister sprach von einer "hohen Ausbaudynamik" und davon, dass bürokratische Hürden abgebaut worden sein, damit wolle er dem Eindruck entgegenwirken, die bayerischen Förderrichtlinien seien zu kompliziert.

    Wie schnell ist schnell?

    Der Freistaat fördert dabei nur Glasfaser, allerdings überlässt er es den Kommunen zu entscheiden, ob man "auf der letzten Meile", sprich: auf der Distanz vom Verteilerkasten bis zum Haus dann Glasfaser verlegt werden soll oder Kupfer. Kupfer ist günstiger und kann schneller verlegt werden, allerdings gelten Kupferleitungen als nicht zukunftsfähig, auch wenn man heute per sogenanntem "Vectoring" Geschwindigkeiten von 60 bis 100 Mbit/s aus den Kupferleitungen pressen kann. Kürzlich erst hatte der europäische Rechnungshof Vectoring zum Hindernis auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft erklärt, denn irgendwann kann man auch mit allen technischen Tricks keine höheren Geschwindigkeiten erzielen. Zudem könne Vectoring den Wettbewerb einschränken, da die Kupferleitungen aus technischen Gründen nur von einem einzigen Anbieter genutzt werden sollen.

    "Intelligenter Technologiemix"

    Trotzdem scheint Bayern auf Vectoring zu setzten, die Rede ist von einem "intelligenten Technologiemix". Albert Füracker sprach von einem "Zwischenschritt", zudem werde in vielen Diskussionen der Geschwindigkeitsbedarf der Bürger überschätzt, in der Regel reichten 50 Mbit/s aus, um beispielsweise online fernzusehen.

    Der bayerische Finanzminister kritisierte hierbei auch die Europäische Union: Einerseits lehne sie Vectoring aus Wettbewerbsgründen ab, andererseits erlaube sie keine Förderung, wenn ein Gebiet bereits mit 30 Mbit/s erschlossen ist. Dem widerspricht auf Nachfrage des BRs allerdings ein Sprecher der EU-Kommission: "Unter bestimmten Voraussetzungen", sei auch eine Förderung von Gebieten möglich, die über Geschwindigkeiten von mehr 30 Mbit/s verfügen. Die sei vor allem dann der Fall, wenn man eine "signifikante" Verbesserung der Geschwindigkeit erreichen können. In einer Region in der Geschwindigkeit von 30 Mbit/s Alltag sind, Netze zu fördern, die danach 100 M/Bits schnell wären, wäre eine Förderung demnach möglich.

    "Unter bestimmten Voraussetzungen können daher staatliche Beihilfen für Investitionen in Hochgeschwindigkeitsnetze gewährt werden, auch in Gebieten, die bereits über ein Netz mit Geschwindigkeiten von mehr als 30 Mbit/s verfügen oder in denen diese Netze von privaten Investoren geplant sind." Ein Sprecher der EU-Kommission

    WLAN im Bus  

    Jenseits der Frage, wer nun den schwarzen Peter hat, dürfen sich die Bayern auch auf kleine Verbesserungen ihres Netzlebens freuen: Der Freistaat wird Landkreise und kreisfreie Städte dabei unterstützen, Busse mit WLAN auszustatten. Bei jeweils zwanzig Bussen (in Räumen mit besonderem Handlungsbedarf kommen noch einmal zehn Busse hinzu), sollen die Installationskosten von 2.000 Euro übernommen werden. Das hat nicht nur der Vorteil, dass man dann im Bus zum Beispiel Fußball schauen könnte, es sei zudem so, dass er Vandalismus in Bussen mit WLAN sinken würde, weil die Fahrgäste mit ihrem Handy beschäftigt seien.