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Schüler erklären Senioren die digitale Welt

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    Schüler erklären Senioren die digitale Welt

    Viele ältere Menschen fühlen sich ausgeschlossen aus der digitalen Welt: Sie finden sich alleine im Netz nicht zurecht. Schüler des Käthe Kollwitz-Gymnasiums in München helfen nun Senioren, das Internet für ihre Bedürfnisse zu nutzen. Von Astrid Uhr

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    Es sind die Kleinigkeiten: Ein Foto vom blühenden Garten, aus dem Urlaub, von der Enkelin: "Ich freu mich immer so, wenn meine Tochter mir ein Bild schickt – dann bekomme ich einfach mehr von ihrem Alltag mit." Elisa Brenk-Schulte ist 70 Jahre alt, vor kurzem hat sie von ihrer Familie ein IPad geschenkt bekommen. Ihre Tochter lebt in einer anderen Stadt - digitale Kommunikation ist oft der schnellste und direkte Weg zueinander.

    "Internet und Kaffeeklatsch für Senioren"

    Wie das Internet funktioniert, lernt die Seniorin von Schülern des städtischen Käthe-Kollwitz-Gymnasiums (KKG) in München-Neuhausen. Und lernt dabei Gleichgesinnte kennen. An jedem zweiten Dienstag im Monat treffen sich Alt und Jung beim Sozialprojekt "Internet und Kaffeeklatsch für Senioren" der Koch-Ebersperger-Stiftung und ihres Kooperationspartners KKG mit Kaffee, Kuchen und Tablet in der Schule. Für fünf Euro üben die Senioren drei Stunden mit Schülern im Schüler-Senioren-Tandem im Netz, dazu noch generationsübergreifende Begegnungen bei Kaffee und Kuchen.

    Die Schüler erhalten ein warmes Mittagessen von der Stiftung, die auch alle Arbeitsgeräte und Internetanschlüsse stellt. Die monatlichen Treffen finden auf Initiative der Koch-Ebersperger-Stiftung statt, der besonders das verständnisvolle Miteinander von Alt und Jung ein großes Anliegen ist. "Gerade in einer Großstadt wie München fühlen sich viele Menschen alleine. Ihnen wollen wir helfen," erklärt Eva-Sophie Koch, Vorsitzende der Stiftung. "Wenn eine Seniorin es geschafft hat, online mit ihren Enkeln zu kommunizieren, dann haben wir einen Menschen glücklich gemacht!"

    Senioren wollen sich zurechtfinden in der digitalen Welt

    Wie mache ich einen Screenshot von einer Straßenkarte? Wie reserviere ich online Theaterkarten oder ein Abendessen in meinem Lieblingsrestaurant? Wie finde ich in der Mediathek bestimmte Sendungen? "Die jungen Leute geben uns das Gefühl, dass es keine blöden Fragen gibt!", freut sich Gerd Bergmann. "Sie haben viel Geduld mit uns!" Der Senior ist 79 Jahre alt- Hilfe bekommt er von Nina Böheim, Schülerin der 10. Klasse des KKG, Mitinitiatorin des Projekts. Sie hilft ihm z.B. online Zugtickets zu buchen oder Hotels zu reservieren. Selbst mal in die Lehrerrolle schlüpfen, ihr Wissen weiterzugeben, ist für Nina eine tolle Erfahrung. "Ich habe ehrlich gesagt, gemerkt, dass die Senioren da so ein bisschen Angst davor haben, und mir macht es Spaß, den Leuten bisschen die Angst davor zu nehmen."

    Demnächst möchte Gerd Bergmann mit Freunden nach Wien reisen. Alleine fühlt er sich im Netz verloren, viele Jahre hat er sich geweigert, ein Smartphone zu nutzen. Mittlerweile hat er eingesehen, dass er das Netz für viele Erledigungen braucht - und dass es den Alltag erleichtern kann.

    Alt-OB Christian Ude: Schirmherr des Schüler-Senioren-Projekts

    Für den ehemaligen Münchner Oberbürgermeister ist es das erste Senioren-Projekt mit einer digitalen Zielsetzung, das er als Schirmherr betreut. Seiner Meinung nach bringt das Projekt eine Win-Win-Situation für beide Seiten. "Alte Menschen sind oft einsam in der Großstadt, und Schüler sind gerne mal in der Rolle des Lehrers, das tut allen Beteiligten gut." Seit November nimmt er an fast jedem Treffen teil und fragt auch mal gerne nach, welche neuen Apps sinnvoll sind. "Mit jedem BackUp gibt es Neuerungen, da komme ich alleine gar nicht hinterher."

    Anmeldung für Herbst 2018 jetzt möglich

    "Internet und Kaffeeklatsch für Senioren" der Koch-Ebersperger-Stiftung richtet sich an Senioren ab 65 Jahren. Das Projekt wird sehr gut angenommen, die Nachfrage von Senioren ist sehr hoch. Seit Beginn im November 2017 haben schon 83 Senioren teilgenommen, davon zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Die älteste Teilnehmerin war 94 Jahre alt. Nicht alle Teilnehmer wollen ihr Alter verraten, die meisten dürften zwischen 75 und 85 Jahre alt. Durchschnittlich sind die Senioren drei bis vier Mal dabei.

    Anmeldungen für die Veranstaltungen (am zweiten Dienstag im Monat ab Oktober) im neuen Schuljahr sind jetzt möglich. Einzig die Auftaktveranstaltung am 9. Oktober 2018 ist bereits ausgebucht. Die Stiftung hat noch weitere Pläne: Sie möchte für die Senioren Leihgeräte mit Internet-Flat-Rates organisieren, damit diese dann auch Zuhause auf dem Tablet üben können. Noch fehlt dazu das Geld. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen lieber für den Nachwuchs als für Senioren spenden. Doch die älteren Menschen wollen auch teilnehmen am Digitalen Wandel, um sozial und digital nicht abgehängt zu sein", so Doro Hartmann, Pressesprecherin der Koch-Ebersperger-Stiftung München.