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Tchibo im Check Gut geht anders

Groß gemacht hat Tchibo einst der Kaffee – das ist lange her und das Sortiment an Waren seitdem stetig gewachsen. Doch was die Produkte von Tchibo wirklich taugen - wir haben den großen Mehr/wert-Check gemacht.

Von: Martina Schuster und Johannes Thürmer

Stand: 14.09.2016

Kaffee bei Tchibo | Bild: picture-alliance/dpa

Kaffee und Büstenhalter, Handmixer und Unterhosen - das alles gibt es bei Tchibo. Doch was taugen die Produkte eigentlich? Wir checken: das Sortiment, die Qualität der Ware, die Produktsicherheit, das Marken-Image und natürlich den Geschmack des Kaffees.

Der Geschmack des Kaffees

Wir lassen Tchibos "Beste Bohne" antreten gegen die Krönung von Jacobs, Dallmayr Prodomo und den Aldi-Kaffee.

Das Ergebnis:
Insgesamt gewinnt der Aldi-Kaffee ganz knapp vor Tchibo und Dallmayr. Am schlechtesten kommt die Krönung von Jacobs weg.

Beim Kaffee also spielt Tchibo durchaus vorne mit. Unsere Bewertung deshalb: positiv!    

Das Sortiment

  • Das Wasserspielzeug zum Beispiel für 19,95 Euro. Allerdings: Bei Amazon finden wir ein ähnliches Modell für nur 9,99 Euro. Also ungefähr die Hälfte!
  • Die Fahrrad-Lenkergriffe, so erfahren wir in einem Fachgeschäft, sind mit knapp 10 Euro kein echtes Schnäppchen.
  • Textilien: Das überprüfen für uns zwei Test-Einkäufer: Kaja und Mathias. Die beiden suchen sich im Tchibo-Regal eines Supermarktes Unterwäsche aus. Auffällig: Das Sortiment spricht vor allem die weibliche Kundschaft an. Für Mathias gab es kaum etwas. Zufrieden aber sind beide nicht:

"Ich finde es immer schwierig, weil ich die Sachen nicht anprobieren kann."

Kaja

Aber gibt es das alles wirklich nur bei Tchibo? Oder handelt es sich wenigstens um echte Schnäppchen? Deshalb kaufen wir auch in anderen Läden ein zum Beispiel bei C&A.

"Hier habe ich einen Sport-BH für 9 Euro. Also viel günstiger als der von Tchibo. Und beim T-Shirt bin ich auch fündig geworden, für 6 Euro, also deutlich günstiger."

Katja und Mathias

Was halten Marken-Experten vom Tchibo-Sortiment?

"Tchibo hat als Verkaufskanal zunehmend an Attraktivität verloren. Es gibt einfach keinen Grund, zu Tchibo zu gehen, im Sinne von: da bekomme ich etwas, was ich woanders nicht bekomme. Im Gegenteil ich bekomme es woanders sehr viel besser."

Klaus-Dieter Koch, Markenstrategieberatung BrandTrust

Ergebnis: Das Sortiment kann uns nicht überzeugen.  

Die Qualität

Wir waschen alle ausgesuchten Textilien genau nach Pflege-Anleitung. Insgesamt fünf Mal. Die Männer-Sachen dürfen auch in den Trockner.
Und was passiert nach fünf Mal Waschen? Zum Vergleich legen wir die Wäschestücke nebeneinander.

Das Ergebnis: Die Unterwäsche wird krauselig und ist teilweise eingegangen.
Bei der Kleidung hat uns die Qualität also nicht überzeugt.

Handmixer: Der Tchibo-Mixer tritt an gegen ein gleich teures Produkt von Karstadt. Wir machen einen Hefeteig.

Ergebnis: Spätestens nach fünf Minuten Rühren schaltet sich der Tchibo-Mixer immer automatisch ab.

"Selbst bei Stufe 16, das ist die höchste Stufe von dem Tchibo-Gerät,  ist es nicht so schnell und so kräftig wie dieses Gerät auf der mittleren Stufe. Die ist eindeutig leistungsstärker, liegt besser in der Hand."

Tester

Bei der Qualität hat Tchibo unsere Tester nicht überzeugen können.   

Produktsicherheit

Wir bringen unsere Einkäufe ins Labor. Die gute Nachricht: Bei den Textilien ist alles in Ordnung. Anders allerdings bei den Fahrrad-Lenkergriffen, die vom Design her vor allem Kinder ansprechen dürften. Hier finden die Experten einen erhöhten Naphthalin-Wert von 2,6 mg/kg. Der Grenzwert, den der Ausschuss für Produktsicherheit festgelegt hat, liegt bei lediglich 2 mg/kg.

"Akut toxisch"

Wir fragen beim Bundesinstitut für Risikobewertung an: Wie stuft man hier diesen Stoff ein? Die Antwort: Naphthalin "kann vermutlich Krebs erzeugen“. Außerdem sei es "Akut toxisch" – im Klartext: Naphthalin kann zu Vergiftungen und schwerwiegenden Krankheiten führen.

"Aus Gründen des vorsorglichen Verbraucherschutzes empfiehlt das BfR Herstellern, die Gehalte an Naphthalin in Bedarfsgegenständen so weit wie technisch möglich zu minimieren.(…)Gehalte, die diese (…) festgelegten Maximalwerte deutlich überschreiten, sind ein Indikator, dass die gute Herstellerpraxis nicht eingehalten wurde."

Aus dem Gutachten vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Und was sagt Tchibo dazu?

"Bei der Erstprüfung zu Beginn des Verkaufs in 2015 wurde Naphthalin im Obermaterial nicht nachgewiesen. Warum dies bei der jetzt durchgeführten Prüfung anders war, klären wir derzeit mit unserem Fachlieferanten."

Tchibo

Außerdem sei der Artikel verkehrsfähig und der Verkaufszeitraum sowieso schon abgeschlossen.
Von Rückruf ist keine Rede. Verbraucherschutz sieht für uns aber anders aus.

Deswegen fällt Tchibo beim Thema Produktsicherheit im mehr/wert-Check ganz klar durch.

Das Marken-Image

In den 70er und 80er Jahren stand Tchibo für Kaffeekultur. Und wofür steht die Marke heute?

"Es war sicherlich mal eine starke Marke. Was jetzt noch stark ist, ist die Bekanntheit, aber sonst wenig. Sie haben eigentlich ihren Kern verloren, der sie mal zu etwas gemacht hat. Und sind dadurch zu etwas geworden, was wir eine Mitte-Marke nennen. Das heißt, sie sind mittendrin, sind zwar da, aber bedeuten nichts mehr."

Klaus-Dieter Koch, Markenstrategieberatung BrandTrust

Das Gesamtfazit: Durchwachsen

Wenig Auswahl, mittelmäßige Qualität und sogar ein mit Schadstoffen belastetes Produkt.

Allein beim Bekanntheitsgrad der Marke und beim Kaffee konnte Tchibo in unserem Check punkten.


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