Franken - Buchtipps


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Wolf Harlander 42 Grad

"42 Grad" heißt der Thriller des in Nürnberg geborenen Autors Wolf Harlander. Eigentlich ist Harlander ja Journalist – aber aus seinem geplanten Sachbuch über das Thema Wasser ist dann doch ein Thriller geworden. Und der ist gleich auf den Bestsellerlisten gelandet, die Filmrechte sind auch schon verkauft.

Von: Julia Hofmann

Stand: 04.08.2020 | Archiv

Es waren die beängstigenden Fernsehbilder im Jahrhundertsommer 2018, von ausgetrockneten Flussbetten, verdorrten Feldern und unkontrollierbaren Waldbränden die Wolf Harlander darauf brachten, die Menschen mit einem Thriller wachzurütteln.

"Ich habe mir gedacht, was passiert eigentlich, wenn das Wasser jetzt ganz wegbleibt. Also nur die ganze Geschichte eine Schraube weitergedrehen, wenn wirklich kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn kommt, der Supermarkt leergekauft ist. Was tun wir eigentlich? Der Mensch kann nur vier Tage ohne Waser überleben – relativ schnell laufen wir hier in Deutschland und Mitteleuropa auf eine Katastrophe zu wenn die Wasserversorgung ausbleibt."

Autor Wolf Harlander

Wolf Harlander entwirft ein erschütterndes Szenario: Hitzewelle in Deutschland kleine Waldbrände entwickeln sich zu tödlichen Infernos, ganze Landstriche verdorren und Menschen verdursten, denn das Grundwasser scheint regelrecht zu verschwinden. Politik und Verwaltung versagen – nur ein junger Wissenschaftler und eine IT-Spezialistin entdecken anhand von Messdaten, Zahlen und Statistiken, dass hinter diesem unerklärlichen und beunruhigenden Wasserschwund, eine ganz neue Art von Attentat stehen könnte.

Der 1958 in Nürnberg geborene Autor ist mitten im Burgviertel, zusammen mit zwei Brüdern aufgewachsen. Nach Studium und Journalistenschule lebt und arbeitet er vor allem in München. Die Recherche war schon immer die Basis seiner Arbeit als Journalist. Aber auch als Autor hält er sich bevorzugt an Fakten.

"Die Recherche war fast länger als das Schreiben, weil man sich da reinwühlen muss in diese ganzen Themen. Es gibt ja jede Menge tolle Fachbücher zu dem Thema, aber es ist halt immer in diesem akademischen Zirkel stecken geblieben. Und da habe ich mir gedacht, da ist der Thriller der richtige Moment und wie einer Art trojanisches Pferd kann man eine spannende Geschichte erzählen, die bis zum Schluss trägt."

Autor Wolf Harlander

Wie aus einer anfänglichen Hitzewelle in Deutschland ganz schnell der nackte Kampf ums Überleben werden kann, das erzählt Wolf Harlander aus den Perspektiven ganz unterschiedlicher Personen: Kriminalbeamtinnen, Politiker, alte Menschen in einem Altersheim, freiwillige Helfer beim THW, oder eben Kerstin, eine alleinerziehende Mutter, die wegen des Trinkwassermangels, im Laufe der Handlung ihr Haus aufgeben und mit ihren Kindern fliehen wird - auf der Suche nach Wasser.

"Nie hätte sie sich träumen lassen, für so etwas Banales wie Wasser Listen zu führen, aber die letzten Tage hatten sie gelehrt, damit zu haushalten. Ihre Vorräte schmolzen schneller weg als Eis in der Julisonne, ständig war sie im Auto unterwegs auf der Jagd nach neuen Mengen, ständig suchte sie Weiher und Tümpel, um ihre Kanister aufzufüllen. Die Bäche in der Gegend waren längst ausgetrocknet."

Zitat aus dem Roman

Info & Bewertung

Wertung: 5 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Wolf Harlander: 42 Grad, Rowohlt Verlag Hamburg 2020, 520 Seiten, ISBN 978-3-499-00046-1, 15 Euro

An Duschen oder Wäschewaschen ist schon lange nicht mehr zu denken. Es sind diese unterschiedlichen Blickwinkel, die aus dem manchmal mit etwas zu viel detailliertem Fachwissen gespickten Roman einen mitreißenden Thriller machen. Dazu beschreibt der Autor genüsslich, wie hilflos Politik und Verwaltung, auf diese Katastrophe reagieren. Wolf Harlander will mit seinem Thriller "42 Grad" aufrütteln und die Leute zum Nachdenken bringenbevor es zu spät ist.

"Noch haben wir Zeit diese Wasser- und Dürrekatastrophe aufzuhalten. Die Experten sagen 10 bis 15 Jahre haben wir noch – wir müssen uns halt schon umstellen: für die Natur sorgen, fürs Klima sorgen und unserer Ernährungsgewohnheiten vielleicht ein bisschen zurückschrauben."

Autor Wolf Harlander

Nach der Lektüre dieses Öko-Thrillers, wird jedes Glas Wasser zum ehrfürchtigen Genuss. Heißer Lesetipp – nicht nur für den Sommer.


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