Franken - Buchtipps


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Johannes Wilkes Ein Terrorist im Gepäck

Stellen Sie sich vor: Sie machen Urlaub an der Nordsee, denken an nichts böses, und plötzlich wird Osama bin Laden angeschwemmt. Das ist der kuriose Plott des Erlanger Regionalkrimis "Ein Terrorist im Gepäck" von Johannes Wilkes.

Von: Marion Christgau

Stand: 02.04.2014

Ein Terrorist im Gepäck | Bild: Prolibris Verlag | Bild: BR-Studio Franken

Ein satirischer Roman über Hitler hat im vergangenen Jahr monatelang die Bestsellerlisten angeführt und sofort eine Diskussion ausgelöst: Witzeln über einen Massenmörder? Darf man das? "So was kann entlastend sein", sagt der Erlanger Autor und Kinderpsychologe Johannes Wilkes. Und so lässt er in seinem neuen Roman "Ein Terrorist im Gepäck" zwei pensionierte Siemensianer, die mit ihren Frauen jahrelang auf der gleichen Nordseeinsel Urlaub machen, bei einem Ausflug eine Leiche finden. Die Leiche Osama bin Ladens, angeschwemmt auf eine Seehundbank.

Irrsinnig komisch zu lesen wie die beiden zunächst rätseln, über welche Wasserwege er da gelandet sein könnte. Wie sie ihn bergen, so dass es allen, vor allem aber ihren beiden Frauen verborgen bleibt. Fast dreist, was den Protagonisten im Umgang mit der prominenten Leiche noch einfällt.

"Wie kann man sie zu Geld machen? Sie träumen von einem eigenen Schiff auf dem Brombachsee und jetzt glauben sie, diesen Toten hat der Himmel angeschwemmt, dass sie ihn zu Geld machen können. Und sie schaffen ihn auf seltsame Weise von der Insel Norderney nach Erlangen und überlegen, wo man ihn hier richtig verstecken kann. Da gibt es in der Nachbarschaft Tante Trude. Sie ist verwirrt, lebt alleine und sie hat eine alte Tiefkühltruhe. Und die wird dann neu befüllt."

Johannes Wilkes

Info & Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Johannes Wilkes: Ein Terrorist im Gepäck, Kassel 2013, Prolibris Verlag, 182 Seiten, 8,90 Euro, ISBN: 978-3-95475-074-0

Eine absurde Geschichte, die durch die beiden unterschiedlich angelegten Charaktere der Ingenieure zusätzlich gewinnt und dadurch ein kleine Portion Regionalität bringt. Ein unheimlich lustiger Krimi, oder ist es eigentlich eine Komödie? Herzhaftes Lachen ist jedenfalls an vielen Stellen garantiert, aber für manche Leser vielleicht nicht ganz unbeschwert. All jene, die das Bild das Massenmörders nicht raushalten können oder generell Probleme mit diesem saloppen Umgang mit Geschichte haben, werden beim Lesen schon mal die Stirn runzeln und sich fragen: Darf man darüber eigentlich witzeln oder ist das eine neue Methode, um Schwerverdauliches zu verarbeiten?

"Das ist mein Weg. Es ist eigentlich ein wichtiger, auch ein guter Weg, darüber Witze zu machen. Weil es entlastend ist und die Sache zu einem Ende führt. So etwas mal in humoriger Weise nachzuspinnen, kann auch einen entlastenden Effekt haben."

Johannes Wilkes

Eine köstlich schräge aberwitzige Geschichte. Pures Lesevergnügen für diejenigen, die schwärzeren Humor haben und sich nicht dauernd fragen: Darf man das?


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