ARD-alpha - Campus


3

Campus Reportage - Zukunft Jugend Glaube, Liebe, Hoffnung auf die eigene Art

Ist die Jugend tatsächlich so schlecht wie ihr Ruf? Sind Tugend, Moral und Werte Begriffe aus der Klamottenkiste oder bestimmten sie auch heute noch das Handeln der jungen Generation? Was glauben junge Menschen heute und wie drücken sie ihre religiösen Werte aus?

Von: Andrea Roth

Stand: 11.03.2018

Was oftmals als Werte-Verfall beklagt wird, ist bei genauerer Betrachtung ein Werte-Wandel. Und der vollzieht sich eben auch in Glaubensfragen. Heute gibt es ein frei verfügbares, vielfältiges Angebot an religiösen und spirituellen Modellen. Und es gibt –entgegen aller Unkenrufe – unter den Jugendlichen eine immer größere Sehnsucht nach moralischer Orientierung und einem Wertegerüst. Die Herausforderung für viele junge Menschen besteht häufig darin, ihren Platz in der religiösen Gemeinschaft zu finden und zwischen Tradition und Moderne ihren individuellen Weg zum Glauben und der dazugehörigen Ethik zu finden.

Düster gegen Spaßgesellschaft und Oberflächlichkeit

Alex war ein unglücklicher Teenager. Weil er in der Schule ausgegrenzt wurde, suchte er im Alter von 16 Jahren Freunde in einer evangelischen Jugendgruppe.  Dort begegnete er jungen Menschen aus der Gothic-Szene. Heute ist er 21 und fester Bestandteil wie treuer Anhänger der Subkultur. Er leitet Gruppen und Rollenspiele, in denen die Teilnehmer eine andere Identität annehmen. Mit ihrer schwarzen Kleidung und melancholischer Musik mahnen die Gothics an Tod und die dunkle Seite der Gesellschaft. Düster kommen sie daher, dabei sind viele von ihnen gläubig. Sie rebellieren gegen die Spaßgesellschaft und gegen jede Form von Oberflächlichkeit und sie hinterfragen die Werte von Gesellschaft und Kirche. Für Alex steht das Individuum im Vordergrund. Sozialstudien über den Glauben von Jugendlichen sprechen hier von einer neuen „Patchwork-Religiosität“ der Jugendlichen – die Religion setzt sich individuell aus christlichem Glauben, Esoterik und Werten der Jugendszenen zusammen.

Das Kopftuch als Zeichen der religiösen Identität

Auch Imen möchte öffentlich ein Zeichen für ihre religiösen Überzeugungen setzen. Sie gehört zu den rund 5 Prozent Jugendlicher, die dem muslimischen Glauben angehören. Ihre Familien leben hier oft schon in der zweiten und dritten Generation, sie selbst sind in Deutschland geboren und bewegen sich unter christlichen Jugendlichen in einer modernen Gesellschaft. Und doch ist der gelebte Glaube der jungen Muslime oft sogar noch konsequenter als der ihrer Migranten-Eltern. Imen ist 18 Jahre alt, besucht das Gymnasium und ihre Freunde sind alles Nicht-Muslime. Doch Imen hat sich entschieden, ebenso wie ihre drei Schwestern das Kopftuch zu tragen und die Vorschriften des Korans strikt einzuhalten. Auch wenn das nicht immer einfach ist in ihrem Alltag, der durch Schule und eine christliche Umgebung bestimmt wird.

Der Hiphop-Missionar

Hip Hop, die Musik der Straße, der Rebellion, die Sprache, der viele Jugendliche Gehör schenken. Normalerweise ist von sex, crime und Ghetto-Gangster-Geschichten die Rede. Nicht so bei Peter Pan – so sein Künstlername. Er ist 24 und Sänger der Hip-Hop-Band W4C – Warriors for Christ. Mit seinen Liedern möchte er Texte über Respekt, Toleranz und andere Tugenden an junge Menschen herantragen und zum Nachdenken über christliche Werte anregen. Er singt in Gefängnissen, Schulen und Heimen – und diskutiert anschließend mit den Jugendlichen ganz unterschiedlicher Gesellschaftsschichten über Werte. Ein moderner Missionar.

Christliche Jugendgruppe als religiöse Heimat

Katharina glaubt an die christliche Religion und engagiert sich in der evangelischen Kirche. In Füssen im Allgäu leitet sie regelmäßig Konfirmanden- und Kindergruppen. Ihr Glaube hilft ihr beim Übergang von der Schule in das Berufsleben, das gerade in Form einer Banklehre beginnt. Und wenn die Ellenbogengesellschaft mal zu anstrengend für die 16jährige wird, findet sie Ruhe in der Natur und beim Gedanken an Gott. Katharina ist eine von vielen jungen Leuten, die wieder verstärkt in christlichen Jugendgruppen zu Hause sind und dort eine zweite Heimat finden.

Die Sendereihe "Zukunft Jugend" entstand zusammen mit Jugendlichen der Evangelischen Akademie Tutzing und Studenten der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen.


3