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Haut Was tun gegen Haarausfall?

Beim Kämmen ein paar Haare in der Bürste zu haben, ist völlig normal. Doch ab wann handelt es sich um einen wirklichen Haarausfall? Und lässt sich dagegen etwas unternehmen? Hautärztin Dr. Monique Stengel erklärt, welche Formen von Haarausfall auftreten und wie Sie dem entgegenwirken können.

Published at: 5-10-2022

Haarausfall | Bild: colourbox.com

Ab wann spricht man von "Haarausfall", denn jeder verliert doch täglich ein paar Haare?

Jeder Mensch verliert täglich Haare. Eine Ausfallrate von 50 bis 100 Haaren pro Tag ist normal. Schließlich fällt jedes Haar nach zwei bis sechs Jahren aus. Dafür wachsen wieder neue Haare nach. Fallen mehr Haare aus als nachwachsen (also mehr als 100 Haare pro Tag), spricht man von Haarausfall. Das ist kein rein kosmetisches Problem. Haare haben nämlich eine wichtige biologische Funktion: Sie schützen uns vor den UV-Strahlen der Sonne (weißer, UV-Strahlungsabhängiger Hautkrebs entsteht nur selten am behaarten Kopf!) und zu einem bestimmten Grad auch unser Gehirn vor Überhitzung. Ob und wie man Haarausfall entgegenwirken kann, hängt von der Art und der Ursache ab, denn Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall.
Leider lassen sich nicht alle Formen behandeln. Aber zumindest die häufigste Variante, der erblich bedingte Haarausfall, lässt sich bei rechtzeitiger Behandlung stoppen und das noch vorhandene Haar kann auch wieder dichter werden.

"Zeit ist Haar. Je früher die richtige Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet wird, desto größer ist die Chance, möglichst viele Haare zu erhalten."

Dr. Monique Stengel, Hautärztin

Welche Arten von Haarausfall gibt es und wie werden sie behandelt?

Anlagebedingter (erblich bedingter) Haarausfall

Mit 95 Prozent ist er die häufigste Variante. Etwa 80 Prozent der europäischen Männer und 40 Prozent der Frauen sind im 70. Lebensjahr davon betroffen.

Symptome bei Männern können sein:

  • Geheimratsecken
  • dünnes Haar am Oberkopf
  • Glatzenbildung am Hinterkopf und an der Stirn, bis nur noch ein Haarkranz übrig ist

Ursache: Bei den betroffenen Männern besteht durch eine erbliche Veranlagung eine Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Dihydrotestosteron (= DHT, Stoffwechselprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron). Die Haarwurzeln verkümmern und sterben mit der Zeit ganz ab. Erste Symptome sind schon bei Jugendlichen möglich.

Symptome bei Frauen können sein:

  • Lichtung der Haare vor allem im Scheitelbereich, häufig nach den Wechseljahren, normalerweise keine Glatzenbildung

Ursache: Bei Frauen können unter anderem vermehrte Androgene (männliche Geschlechtshormone) und eine erhöhte Empfindlichkeit der Testosteronrezeptoren am Haarfollikel sein.

Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall:

  • äußerlich: Minoxidil-Lösung 2-5 Prozent oder Minoxidil-Schaum 5 Prozent auf die betroffenen Stellen der trockenen Kopfhaut auftragen - mindestens 8 Wochen lang, zur Erhaltungstherapie lebenslang
  • innerlich: 1 Tablette Finasterid 1 mg pro Tag (verschreibungspflichtig, nur bei Männern zugelassen), Achtung: Es sind schwere Nebenwirkungen möglich!
  • PRP (= Platelet Rich Plasma): Einspritzen von Eigenplasma in die betroffenen Areale. Das kann bei manchen Patienten zu einer erhöhten Haardichte führen, es gibt aber nur eine schlecht vergleichbare Studienlage und keine Aussagen über Langzeiteffekte.
  • low-level Laser Therapie: erfolgt zu Hause mit einem speziellen Laser-Kamm und wird - abgesehen von leichten Nebenwirkungen wie Wärmegefühl, Juckreiz und Hauttrockenheit - gut vertragen. In manchen Studien zeigte sich eine erhöhte Haardichte, allerdings fehlen auch hier noch Aussagen über Langzeiteffekte.
  • Haartransplantation

Kreisrunder Haarausfall

Dabei handelt es sich um einen Haarausfall am Kopf, selten auch im Augenbrauen-/Wimpern-/Bartbereich. Es treten wie ausgestanzt wirkende, kahle Stellen auf. Am häufigsten tritt er im 2. und 3. Lebensjahrzehnt auf. Auch Kinder können davon betroffen sein. Der Verlauf kann sehr individuell sein, es bestehen aber eher gute Prognosen bei kleinen Herden vor allem im vorderen Kopfbereich und bei älteren Patientinnen und Patienten.

Ursache: Autoimmunkrankheit, bei der Immunzellen körpereigenes Gewebe beziehungsweise hier die Haarwurzelzellen der Kopfhaut angreifen. Oft geht dies mit Schilddrüsen-Erkrankungen einher.

Behandlung von kreisrundem Haarausfall:

  • bei leichter Form: Abwarten, da in etwa 80 Prozent der Fälle eine spontane Rückbildung eintritt.
  • äußerlich: antientzündliche Behandlung mit Kortison als Schaum oder Lösung oder alternativ Kortison direkt in die Kopfhaut gespritzt; unterstützend über mindestens 6-8 Wochen Zink- und Biotin-Tabletten
  • bei schwerer Form: Immunsuppressiva, also das Immunsystem unterdrückende Medikamente (beispielsweise Cortison, Dapson oder Methotrexat) oder neuere JAK-Inhibitoren (Baricitinib 4 mg täglich, mögliche Nebenwirkungen: erhöhte LDL-Cholesterol-Werte, Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Herpes simplex und Harnwegsinfektionen)

Diffuser Haarverlust

Der Haarausfall ist über den ganzen Kopf verteilt.

Ursache: hormonelle Ursachen wie Wechseljahre oder nach Entbindung, Eisen- und Zinkmangel, Schilddrüsen-Erkrankungen, Medikamente wie Heparine, psychische Belastungssituationen

Behandlung von diffusem Haarverlust:

Die Behandlung ist abhängig vom jeweiligen Auslöser, zum Beispiel die Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung oder eines Eisenmangels, das Absetzen des auslösenden Medikaments nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Spezielle Haarausfallformen

Diese können beispielsweise durch Zug- oder Druckbelastung (beispielsweise straff zurückgebundene Haare oder ständig auf dem Rücken liegende Säuglinge) oder entzündliche Erkrankungen wie Pilzinfektionen auftreten.

Welche Krankheiten können einen Haarausfall verursachen?

  • Infekte (Haarausfall tritt 2-3 Monate danach auf)
  • Kopfhauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte
  • schwere Tumorerkrankungen
  • Schilddrüsen-Erkrankungen
  • Eisenmangel
  • Vitamin D-Mangel
  • Zinkmangel
  • generelle Mangelernährung

Wie kann man selbst die Heilung unterstützen?

  • Ernährung: Das Vitamin Biotin (Vitamin B7 bzw. Vitamin H) und das Spurenelement Zink sind wichtig für gesunde Haut, Haare und Nägel. Biotin steckt zum Beispiel in Lebensmitteln wie Haferflocken, Nüssen und Eigelb. Zinkhaltige Lebensmittel sind Fisch, Fleisch und Meeresfrüchte, aber auch Haferflocken, Linsen und Käse.
  • Gut sind durchblutungsfördernde Maßnahmen, beispielsweise regelmäßig eine Kopfhautmassage durchzuführen.
  • Die richtige Bürste verwenden: Naturborsten-Bürsten, die eine pflegende Wirkung haben, weil sie das Fett der Kopfhaut im Haar verteilen und gleichzeitig die Durchblutung der Kopfhaut verbessern. Verwenden Sie Bürsten mit abgerundeten Borsten und Kämme mit nicht so dicht stehenden Zinken.
  • Föhnen Sie die Haare nicht zu heiß und lassen Sie die Haare, wann immer möglich, an der Luft trocknen.
  • Waschen Sie Ihre Haare nicht täglich. Pro Haarwäsche nur einmal shampoonieren mit einem milden, ph-hautneutralen Shampoo und anschließend eine auf das Haar abgestimmte Pflegespülung oder -maske verwenden.
  • Prozeduren wie Dauerwelle, Glätten und Bleichen strapazieren die Haare. Das heißt: Je seltener sie erfolgen, desto besser! Binden Sie lange Haare locker und vermeiden Sie Frisuren wie straff gebundener Dutt oder Pferdeschwanz, da sie viel Zug auf die Haarwurzel ausüben und damit Haarausfall begünstigen können.
  • Schützen Sie Ihre Kopfhaut und Haare vor der UV-Strahlung der Sonne.

Viel Erfolg mit den Tipps wünschen Dr. Monique Stengel und "Wir in Bayern"!


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