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Backen im Advent Kipferl, Springerle und Kletzenbrot

Wenn der eisige Wind die letzten Blätter von den Bäumen fegt, ist es soweit. Der Ofen wird eingeheizt und Weihnachtsplätzen werden gebacken. Filmautorin Sandra Schlittenhardt hat vier bayerische Backstuben besucht und sich zum Teil jahrhunderte alte Backkünste zeigen lassen.

Stand: 28.11.2018 | Archiv

Ein Film von Sandra Schlittenhardt

In der Adventszeit gibt es am Saliterhof in Warngau besonders viel zu tun, denn dann backt Bäuerin Sonja Liesch große Mengen Kletzenbrot und Plätzchen. Mehrere Stunden braucht es, bis der große Holzofen aufgeheizt ist. Dann aber lässt sich darin einen ganzen Tag und eine Nacht backen. Zuerst das traditionelle Kletzenbrot mit gedörrten Birnen aus dem eigenen Garten, einem Schuss Rum und einer guten Prise Zimt und Nelken.

Wenn die Glut weniger heiß ist, kommt das Mürbeteiggebäck in den Ofen. Sonja Lieschs Platzerl sind wirklich winzig. Schließlich soll man von allen naschen können. Und jedes Plätzchen hat seinen eigenen Namen, manche sind ausgefallen wie das Gebäck: "Tausend und eine Nacht", "Schlehengold" oder "Kaffeeglück", aber auch Klassiker wie Vanillekipferl und Zimtsterne dürfen nicht fehlen. Mehr als 80 Sorten hat sie in ihrem Repertoire.

Eine noch ältere Backkunst beherrscht Katharina Ratzinger. Schon als Schulkind half sie der Großmutter in der Bäckerei beim Springerle backen. Der Teig ist einfach, viele Eier, Zucker und Mehl. Geduld und Geschick braucht es dann aber, um die kunstvoll geschnitzten Motive der Holzmodeln in den Teig zu prägen. Mit Teigrad und Messer wird jedes einzelne Plätzchen schließlich in Form gebracht.

Neue Modeln sind heute kaum noch zu bekommen, die Schnitzkunst gilt als ausgestorben. Doch Katharina Ratzingers Familie sammelt schon seit drei Generationen Holzmodeln. Die ältesten Stücke stammen aus dem Barock und Rokoko. Damals war das Bildgebäck das, was heute für uns eine Glückwunschkarte ist. Zu jeder Gelegenheit gab es das passende Motiv. Zur Hochzeit verschenkte man Herzen, zur Taufe gab es ein Fatschenkindl und zu Neujahr brachte ein geschwungener Karpfen Glück.


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