BR Fernsehen - Kunst + Krempel


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Eingericht Feingefühl und Frömmigkeit

Sogenanntes „Eingericht“, in dem unter Verwendung filigraner Kleinstteile Bibelszenen in einer Glasflasche dargestellt werden.

Stand: 09.12.2011 | Archiv

Die Tradition, religiöse und alltägliche Szenen in Flaschen darzustellen, ist rund 300 Jahre alt. Besonders im Erzgebirge und Allgäu entstand in langen Wintermonaten der Brauch dieser „Geduldsflaschen“, wie Eingerichte auch genannt werden. Man vertrieb sich so die Zeit, hatte eine Beschäftigung mit meist frommem Inhalt, und konnte sich mit den kunstvollen Ergebnissen zudem ein wenig Geld verdienen. Interessant ist dabei, dass diese Tradition konfessionsübergreifend sowohl im evangelisch-lutherisch geprägten Erzgebirge als auch im mehrheitlich katholischen Allgäu Verbreitung fand.

Dieses Eingericht ist äußerst bunt und phantasievoll ausgeschmückt, es zeigt den Gekreuzigten, umgeben von Frauen, Männern und Soldaten. Die Flasche ist doppelt befüllt, die zweite Darstellung zeigt das Grab Jesu Christi, das von zwei Engeln mit Spruchbändern in Händen flankiert wird. Das Eingericht mit originalem Verschluss entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Erzgebirge und ist äußerst vielfältig gearbeitet.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: ca. 800 Euro
  • Herkunft/ Datierung: Erzgebirge, um 1870
  • Sendung vom 10. Dezember 2011

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