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Deckelvase Klassizismus fast wie aus dem Lehrbuch

Wüsste man's nicht besser, so könnte man diese Deckelvase, von der Porzellanfabrik Richard Eckert Mitte des 20. Jahrhunderts gefertigt, für ein lupenreines Stück des Klassizismus halten.

Stand: 30.05.2012 | Archiv

Diese Deckelvase, auch Urnenvase genannt, dient als Schule des Sehens in Sachen Klassizismus. Ihre Eiform mit den hängenden, goldenen Lorbeerkränzen rund um den oberen Rand ist typisch für diese Stilepoche zwischen 1770 und 1840. Auch die beiden Faunköpfe wirken wie im spätem 18. Jahrhundert modelliert – nur waren sie in der Originalzeit meist unglasiert. Die Wandung mit ihren Kanneluren ist antiken Säulen nachgestaltet. Und schließlich noch der gerillte Fuß und der mit erhabenen, blauen Perlen verzierte Sockel: diese ganz in Blau und Gold gefasste Vase hätte auch im klassizistischen Schloss Wörlitz stehen können – wäre da nicht, zusammen mit ein paar zusätzlichen Details, diese Marke: ein 'N' mit Krone.

Es ist die Marke der Manufaktur Richard Eckert aus Volkstedt in Thüringen, 1895 gegründet. Doch diese Deckelvase ist noch deutlich später entstanden: erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Sehnsucht nach der 'guten alten Zeit' wohl besonders groß war.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: um 500 Euro
  • Datierung: nach 1945
  • Herkunft: Volkstedt
  • Hersteller: Porzellanfabrik Richard Eckert
  • Sendung vom 2. Juni 2012

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