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Tintenzeug Schön grotesk

Mit seiner Idee, Grotesken auf Steingut zu malen, machte Pierre Jeufroy die französische Keramikfirma 'Gien' weltberühmt. Auch dieses Tintenzeug wurde um 1870 dort gefertigt.

Stand: 22.06.2013 | Archiv

Die Keramikfirma von Gien, einer nordfranzösischen Stadt an der Loire, wurde 1821 von einem Engländer, Thomas Hall, gegründet. Ab 1860 beschäftigte er einen französischen Kollegen, Pierre Jeufroy, der eine wegweisende Idee hatte: er versah Steingut mit Groteskenmalereien: kleinen, bizarren Figuren, die in der Kunst ab1870 sehr verbreitet waren.

In fast identischer Ausführung ist die Dekoration dieses Tintenzeugs in Italien zu finden. Möglicherweise diente ein Stück der italienischen Majolikamanufaktur Cantagalli als Vorbild. Pierre Jeufroy war mit seinen Kreationen so erfolgreich, dass er 1873 bei der Wiener Weltausstellung mit Auszeichnungen belobigt wurde und sich sogar gegen die berühmte Porzellanmanufaktur Sèvres behaupten konnte.

Dieses Tintenzeug, dessen Form an ein kleines Möbel erinnert, war schon in seiner Zeit, als bereits mit Füllfederhaltern geschrieben wurde, ein nostalgisches Schreibtisch-Accessoire und wurde hier leicht missinterpretiert. Denn ursprünglich bestand Tintenzeug nicht aus drei Gefäßen, sondern nur aus einem Tintenfass und einem Sandstreuer mit einer Gitteröffnung. So konnte Sand aufs Blatt gestreut werden. Er diente aber nicht, wie häufig angenommen, der Aufnahme frischer Tinte, sondern als Abstandshalter zwischen zwei frisch beschriebenen Blättern.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 350 bis 450 Euro
  • Datierung: um 1870
  • Herkunft: Gien (Frankreich)
  • Hersteller: Faiencerie de Gien
  • Entwerfer: Pierre Jeufroy
  • Sendung vom 22. Juni 2013

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