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Die Psychologie der Wahrnehmung Psychologische Handlungssteuerung

Stand: 02.11.2016 | Archiv

virtueller Geigenspieler des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden | Bild: picture-alliance/dpa

Machen Sie sich einmal bewusst, was Sie Tag für Tag handelnd vollbringen. Es ist eine unendlich große Zahl an Bewegungen, die Sie koordinieren müssen, um all diejenigen Ziele zu erreichen, die Sie erreichen wollen. Wie kompliziert die Handlungssteuerung ist, zeigen die Versuche, einem Roboter diese Fähigkeit zu geben.

Früh übt sich ...

Sicher handeln können wir nur dann, wenn wir wissen, zu welchen Ergebnissen bestimmte Bewegungen unseres Körpers in der Umwelt führen. Aber selbst wenn wir dies wissen, bleibt noch die offene Frage, wie unser Gehirn die einzelnen Muskeln unseres Körpers steuert, wo wir doch nicht die geringste Vorstellung davon haben, welche Nervenbahnen welche Muskeln mit welcher Stärke erregen müssten, um eine bestimmte Bewegung hervorzurufen. Zum Glück lernen wir die Handlungssteuerung schon von Kindesbeinen an: Man vergisst nur allzu leicht, welch langer Weg es war, bis man die ersten aufrechten Schritte gehen oder mit dem Füller fließend schreiben konnte.

Das ideo-motorische Prinzip

Nach aktuellem psychologischem Wissen geschieht die Steuerung menschlicher Handlungen durch die Antizipation der erwartungsgemäß eintretenden sensorischen Effekte dieser Handlungen. Das nennt man das "ideo-motorische Prinzip" - und dies klingt bei weitem komplizierter als es ist.

Betrachten wir ein Beispiel: Ein Baby liegt in seiner Wiege und strampelt mit Armen und Beinen. Zufällig berührt ein Arm dabei eine an der Wiege befestigte Rassel und es kommt zu einem unerwarteten Geräusch, welches die Aufmerksamkeit des Babys auf sich zieht. Die gerade eben ausgeführte Armbewegung wird aufgrund ihrer raum-zeitlichen Nähe (Kontiguität) mit dem Rasseln verknüpft. Passiert dies öfters, dann lernt das Baby allmählich, dass es zwischen der Armbewegung und dem Erklingen der Rassel eine Beziehung gibt. Möchte das Baby nun die Rassel einmal mit Absicht erklingen lassen (Idee des Rasselns), dann wird automatisch die richtige Armbewegung (Motorik) eingeleitet.

Mit dieser Modellannahme einer antizipativen Verhaltenssteuerung lässt sich die Steuerung einfachster Handlungen auf der untersten Ebene erklären. Komplexere Handlungspläne können darauf aufgebaut werden.


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