BR Fernsehen - Kontrovers


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Faszination Psychologie Motivation und Emotion

Stand: 18.04.2017

Schwimmer kurz vor dem Start | Bild: Getty Images

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind Leistungssportler. Versetzen Sie sich in die Situation eines kurz bevorstehenden Wettkampfs. Zahlreiche Zuschauer sind gekommen und Sie wollen unbedingt zeigen, dass Sie die oder der Beste sind. Ihre Motivation, diese Leistung zu erbringen, ist kaum noch zu steigern.

Was für ein berauschendes Glücksgefühl wäre es doch, einmal im Mittelpunkt zu stehen und alle anderen zu überragen!

Die Konkurrenz schläft nicht

Allerdings sind da noch die Konkurrenten: Mit Muskeln bepackt federn sie leichten Schrittes auf und ab, als wäre das Ganze eine Routineübung für sie. Nervös gleitet Ihr Blick von einem zum anderen und ein Gefühl des Unwohlseins und der Unsicherheit überkommt Sie. Wird es wieder nur der vorletzte Platz werden oder gelingt Ihnen endlich der Durchbruch? Motivation und Emotion sind nicht nur im Sport eng miteinander verwoben. Auch die Psychologie befasst sich häufig mit beiden Themengebieten gemeinsam. Beginnen wir mit der Motivationspsychologie.

Motivationspsychologie

Über die Bedeutung von Bedürfnissen, Motiven und Motivationen denken wir meist erst dann nach, wenn sie nicht erfüllt sind oder ein Verhalten vorliegt, dessen Ursachen wir uns nicht erklären können. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass alles, was wir tun, durch die Antriebskraft von Bedürfnissen geleitet wird.

Bedürfnisse kann man unterteilen in primär biologische Beweggründe, wie z.B. Hunger und Durst, und in primär psychologisch und sozial bedingte Motive, wie beispielsweise das Streben nach Erfolg. Das Zusammenspiel von Bedürfnissen und passenden Situationen führt schließlich zu der Ausbildung einer Motivation für ein bestimmtes Verhalten. Je ausgeprägter diese Motivation ist, desto stärker werden wir angetrieben, das entsprechende Verhalten zu zeigen

Bedürfnishierarchie nach Maslow

Bedürfnishierarchie nach Maslow

Bereits 1943 entwickelte der Psychologe Abraham H. Maslow (1908 - 1970) das Modell einer hierarchischen Anordnung von Bedürfnisklassen. Seiner Überlegung nach muss zuerst die jeweils untere Ebene der Bedürfnishierarchie befriedigt sein, bevor wir uns anderen Bedürfnissen zuwenden können.

Maslows Modell ist sehr plausibel und erlangte wohl deshalb eine hohe Popularität. Allerdings ist es bis heute nicht gelungen, die von ihm angenommenen Bedürfnisklassen in genau dieser Weise und Reihenfolge empirisch zu bestätigen. Generell muss in Frage gestellt werden, ob es tatsächlich eine hierarchische Bedürfnisstruktur gibt, die für alle Menschen gleich ist. Bislang konnte man lediglich für die beiden untersten Stufen Belege erbringen.

Warum wir etwas leisten wollen

Heutzutage unterscheidet man in der Motivationspsychologie drei Motivklassen: das Anschlussmotiv (Affiliationsmotiv), das Machtmotiv und das Leistungsmotiv. Da wir alle den Leistungsansprüchen aus Schule, Beruf oder Familie unterliegen, soll an dieser Stellen noch kurz über das Leistungsmotiv gesprochen werden.

Das Bedürfnis, etwas zu leisten, ist von Mensch zu Mensch (interindividuell) und auch innerhalb eines Menschen (intraindividuell) unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine spezifische Leistungsmotivation hängt von früheren Erfolgs- und Misserfolgserfahrungen sowie von der Bedeutung ab, welche die Folgen unserer Anstrengung für uns haben.

Haben Sie z.B. früher die Erfahrung gemacht, dass Sie durch eine Lernleistung gute Schulnoten erzielen konnten, dann werden Sie höher leistungsmotiviert sein, als ein anderer Schüler, der unabhängig von seinen Anstrengungen eher schlechte Noten bekam. Hat darüber hinaus die Teilnahme am Telekolleg die für Sie bedeutsame Folge, dass Sie die Fachhochschulreife erwerben und damit studieren können, so wird Ihre Leistungsmotivation noch ein Stück stärker ausgeprägt sein. Diese Überlegung der Ermittlung einer Motivationsstärke anhand von Erwartungen und Werten bezeichnet man als "Erwartungs-Wert-Modell" der Motivation.

Mehr Leistung durch intrinsische Motivation

Eine Leistungsbereitschaft kann dabei allein durch äußere Anreize mit individuell hohem Wert erzielt werden. Man spricht in diesem Fall von einer "extrinsischen" Motivation. Allerdings wird wohl kaum jemand für längere Zeit eine unangenehme Arbeit verrichten, nur weil er dafür bezahlt wird. Dauerhaft bessere Leistungen werden in der Regel durch die "intrinsische" Motivation erzielt. Hier kommt der Antrieb, Leistung zu erbringen, von innen heraus. Aus der Arbeitspsychologie weiß man, dass der Arbeitslohn kaum Einfluss auf die intrinsische Motivation der Arbeitnehmer hat. Diese lässt sich jedoch positiv durch Autonomie und Freiräume bei der Arbeitsausführung beeinflussen sowie durch eine größere Anforderungsvielfalt.


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