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Hygiene-Tipps von Experten Ungepflegte Waschmaschinen sind Bakterienschleudern

Keine schöne Vorstellung: Über Waschmaschinen und frisch gewaschene Wäsche können multiresistente Bakterien übertragen werden. Das haben nun Forscher erstmals nachgewiesen. Was bedeutet das für den normalen Haushalt? Und was macht eine gepflegte Waschmaschine aus?

Von: Veronika Scheidl

Stand: 15.10.2019

Kann frisch gewaschene Wäsche eine Gefahr für die Gesundheit sein? Hygieneforscher haben nachgewiesen: Waschmaschinen können Bakterienschleudern sein. Sie haben entdeckt, dass auch über gewaschene Kleidung antibiotika-resistente Mikroorganismen auf den Menschen übertragen werden können.

Resistente Keime auf Frühgeborenen

Hohes Risiko: Auf Frühchen in einer Kinderklinik wurden antibiotika-resistente Bakterien gefunden.

So geschehen in einer Kinderklinik: Immer wieder waren antibiotika-resistente Bakterien auf Frühchen gefunden worden. Die Mikrobiologen und Hygieneforscher der Uniklinik Bonn machten als Quelle für die Keime eine handelsübliche Waschmaschine aus. Die hätte so eigentlich gar nicht in der Klinik benutzt werden dürfen, da dort sehr strenge Hygienevorgaben gelten. Sie wurde entfernt. Danach hörte der Ausbruch der Keime schlagartig auf.

Das im Spülfach und im Türgummi der Waschmaschine gefundene Bakterium hätte zu Magen-Darm- oder Atemwegsinfektionen führen können – im schlimmsten Fall gar zu einer tödlichen Sepsis. Glücklicherweise waren die Frühgeborenen nur von den Bakterien besiedelt, aber nicht infiziert worden. Wäre dies der Fall gewesen, hätten Antibiotika gegen die Bakterien nicht gewirkt.

Dr. Ricarda Schmithausen, Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie

"Dadurch, dass Mützchen und Söckchen in dieser Waschmaschine gewaschen worden sind, hat sich das Ganze verbreitet. Wir wussten nicht, ob die Keime von den Babys selbst oder aus der Waschmaschine kommen. Letztlich wurde der Keim aber bei allen nachgewiesen." Dr. med. Dr. agr. Ricarda Schmithausen, Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie, Universitätsklinikum Bonn

Experten warnen vor übertriebener Hygiene

Was hat die Entdeckung der Bonner Hygieneforscher nun für den normalen Haushalt zu bedeuten? Eigentlich nicht viel. Man solle nicht in Panik verfallen, sagt Mikrobiologin Béatrice Grabein. Es sei normal, dass sich im Wasser und in der Waschmaschine Bakterien befänden.

Dr. med. Béatrice Grabein warnt vor übertriebener Hygiene.

"Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen sich nicht mehr darüber bewusst sind, dass Mikroorganismen schlicht und ergreifend zu unserer Welt dazu gehören."

Dr. med. Béatrice Grabein, Leitende Ärztin, Klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Klinikum der Universität München

Die Mikrobiologin rät deswegen auch dazu, auf Hygienespüler zu verzichten. Solche chemischen Substanzen könnten dazu beitragen, dass es zu allergischen Reaktionen und zu Unverträglichkeiten kommt. Lieber sollte jeder Mensch darauf verzichten, sich mit chemischen Mitteln zu belasten, wenn es nicht wirklich notwendig ist.

Flusensieb, Spülfach und Gummiring der Waschmaschine pflegen

Worauf muss man im eigenen Haushalt beim Waschen achten? Maria Leidemann vom Verbraucherservice Bayern rät erst einmal dazu, die Waschmaschine zu pflegen. Drei Stellen sind dabei wichtig: das Flusensieb unten am Gerät, das Spülfach und der Gummiring an der Tür. Überall, wo Wasser hinkomme, sei ein Nährboden für Bakterien – denn die mögen es warm und feucht.

Das Flusensieb sollte regelmäßig gereinigt und über den Ablassschlauch das Restwasser aus der Maschine abgelassen werden. Hier sitzt oft auch die Quelle von unangenehmen Gerüchen.

Im Spülfach, wo die Waschmittel hinzugefügt werden, sammeln sich auch schnell Ablagerungen an. Das Fach sollte nach dem Waschen immer gut trocknen, dazu am besten das Fach ganz rausziehen, rät Expertin Leidemann. Falls nötig, können Ablagerungen mit Wasser, Bürste und Zitronensäure entfernt werden. Das Spülfach kann alternativ auch im Geschirrspüler gewaschen werden.

Die dritte Problemstelle: der Gummiring an der Tür. Auch hier gilt: Nach dem Waschen abtrocknen! Oft bildet sich unter der Falte eine kleine Pfütze, die schnell beseitigt werden sollte. Wie beim Spülfach reicht es aus, den Gummiring mit Wasser und Zitronensäure abzuwischen. Von Essig als Putzmittel rät Leidemann ab.

Richtig waschen – auch mal 60 Grad

Aus Rücksicht auf die Umwelt wäscht Luisa Dormeyer wie viele Menschen meist bei 30 und 40 Grad.

Luisa Dormeyer aus München hat drei Töchter – und damit immer viel Wäsche. Sie wäscht aus ökologischen Gründen immer bei 30 und 40 Grad. So kann es theoretisch passieren, dass sich unliebsame Bakterien in der Waschmaschine ansiedeln. Denn bestimmte Mikroorganismen werden erst ab 60 Grad zuverlässig abgetötet, etwa Fußpilz.

Ist also bekannt, dass jemand in der Familie Fußpilz hatte, sollte man die Socken auf jeden Fall bei 60 Grad waschen. Selbiges gilt, wenn etwa jemand Brechdurchfall hat. Auch dann sollte lieber heiß gewaschen werden. Sonst reiche es aus, einmal im Monat einen Waschgang bei 60 Grad zu machen, sagt Leidemann.

Pulverwaschmittel ist verträglicher für die Umwelt

Leidemanns Tipp: pulverförmiges Vollwaschmittel verwenden, das gegenüber den flüssigen Waschmitteln bereits desinfizierendes Bleichmittel enthält. Gleichzeitig wasche es besser und sei verträglicher für die Umwelt, weil Pulverwaschmittel nicht so viele Tenside, also wachaktive Substanzen, benötige.

Hygienespüler und Weichspüler völlig unnötig

In einem Haushalt sollte es nur drei Waschmittel geben, sagt Leidemann: Vollwaschmittel für Weißes, Colorwaschmittel für Buntes und Feinwaschmittel für empfindliche Materialien wie Wolle und Seide. Vollkommen unnötig hingegen: Hygienespüler und Weichspüler.

Studie soll neue Erkenntnisse über Wäsche als Überträger liefern

Übrigens: Die Bonner Hygieneforscher wollen nach dem Vorfall mit den antibiotika-resistenten Bakterien auf Frühchen noch einen Schritt weitergehen. Sie suchen Teilnehmer für eine neue Studie zur Übertragung von Bakterien über die Wäsche. Diese Personen sollen zuvor schon einmal wegen multiresistenten Bakterien stationär isoliert worden sein. Das Ziel sei herauszufinden, wie hoch der Stellenwert des Waschverfahrens für diese Patienten ist, wie Prof. Martin Exner, Leiter des Institutes für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, erklärt.


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