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Erste Hilfe, Notfall Erste Hilfe rettet Leben

Wunden versorgen oder die stabile-Seitenlage: Könnten Sie Erste Hilfe leisten? An Schulen passieren jährlich deutschlandweit über 1,3 Millionen Unfälle: Gut, dass es die Schulsanitäter gibt. Reporter Fero Andersen frischt sein Erste-Hilfe-Wissen bei einem Kurs für Schulsanitäter auf und lernt, wie mit einem Defibrillator reanimiert wird.

Von: Annette Hammerschmidt, Bernd Thomas

Stand: 11.11.2019

Erste Hilfe nach dem Motto „Helfen macht Schule“: Gesundheit! Reporter Fero Andersen nimmt an einem Kurs teil, in dem Jugendliche zu Schulsanitätern ausgebildet werden.

Mit Hilfe einer professionellen Maskenbildner-Ausrüstung schminkt Seminarleiter Johannes seiner Kollegin Annika vor Kursbeginn eine fiese Schnittwunde, an der dann die Schulsanitäter direkt üben können. Über die hautfarbene Modelliermasse kommt Kunstblut, denn alles soll möglichst echt aussehen. Das hat seinen Grund.

"Wenn wir mit Kunstblut arbeiten, wollen wir natürlich damit auch den zukünftigen Sanitätern schon mal ein bisschen die Angst und die Überraschung nehmen, wenn tatsächlich beim ersten Einsatz so etwas passiert."

Johannes Rampf, Trainer für Schulsanitäter, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Annika bekommt als erstes eine Kompresse. Mit einem Päckchen Mullbinde und einer Binde stellen die Schüler einen Druckverband her. Ein realitätsnaher Fall, der so zum Beispiel durch eine Schnittverletzung im Werkunterricht entstehen könnte. Gab es so einen Fall an der Schule schon einmal?

"Ja, also wir hatten schon ein paar Sachen, zum Beispiel hatten wir am Sommerfest mal eine Kopfplatzwunde, die hat auch recht stark geblutet."

Valentin, werdender Schulsanitäter

Annika ist behandelt und zufrieden. Die beiden Jungsanitäter haben gut gearbeitet. Die nächste Übung findet draußen statt, eine Kopfverletzung muss versorgt werden. 

Das Szenario: Reporter Fero Andersen ist mit dem E-Roller unterwegs in München und für einen kurzen Moment abgelenkt. Schon ist es passiert. Zum Glück ist die Situation nur gestellt. Wieder kommt Kunstblut zum Einsatz. Die angehenden Schulsanitäter Kilian und Feli sind gefragt. Kilian hatte es tatsächlich schon einmal mit einem echten Fall zu tun.

"Ja bei uns da ist ein Junge mal gegen die Tür gerannt.  Der hatte dann auch eine Kopfplatzwunde und es hat auch ziemlich stark geblutet."

Kilian, werdender Schulsanitäter

Nach der Erstversorgung der Platzwunde, müssen die Schulsanitäter für den Wärmeerhalt sorgen. Bei einem echten Unfall würde spätestens jetzt der Rettungsdienst verständigt werden. Die Teilnahme am Kurs ist freiwillig. Warum haben sich Kilian und Feli dafür entschieden?

"Weil ich es schön finde, anderen Menschen zu helfen und weil meine Eltern auch beide Ärzte sind …
Und bei mir ist es so, ich will Ärztin werden und das ist auch das Erste: Dass man halt helfen kann in jeder Situation."

Kilian und Feli, werdende Schulsanitäter

Erste Hilfe ist verpflichtend

Ein Vorteil der Ausbildung als Schulsanitäter: Man kann damit im Alltag auch anderen Menschen im Notfall helfen. Das ist sogar Pflicht und zwar für jeden, der schon einmal einen Erste Hilfe Kurs gemacht hat, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber viele scheuen im entscheidenden Augenblick doch davor zurück.

"Also wir sind ja auch, sobald wir einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben, sogar rechtlich dazu verpflichtet Erste Hilfe zu leisten, solange der Eigenschutz natürlich gegeben ist. Und wir wollen natürlich damit Zivilcourage im jungen Alter fördern."

Johannes Rampf,    Trainer für Schulsanitäter, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Erste Hilfe: Könnten Sie helfen?

Wenn jemand plötzlich zusammenbrechen sollte, wer kann helfen? Wie ist es um das Erste-Hilfe-Wissen der Münchner bestellt? Wer keine Erste Hilfe leistet, wenn andere in Not sind, riskiert eine Gefängnisstrafe.

Erste Hilfe: Die wichtigsten ersten Grundlagen

Erste-Hilfe-Trainerin Adriane Meryk von der Johanniter Unfallhilfe e.V. zeigt und erklärt die wichtigsten Grundlagen für Erstversorgung und Reanimation.

Erste Hilfe: Ansprechbarkeit und Atemkontrolle

"Wenn wir zu einer betroffenen Person kommen, die nicht auf uns reagiert, dann sprechen wir sie zuerst laut an und rütteln vorsichtig an den Schultern: Hallo, können Sie mich hören? Vielleicht wird sie ja wieder wach. Wenn sie nicht reagiert, machen wir eine Atemkontrolle."

Adriane Meryk, Erste-Hilfe-Trainerin, Johanniter Unfallhilfe e.V.

Erste-Hilfe: Atemkontrolle und stabile Seitenlage

Hierfür wird der Kopf überstreckt und zehn Sekunden lang geprüft, ob die Person noch atmet. In jedem Fall wird ein Notruf abgesetzt. Danach lagert man den Patienten in stabiler Seitenlage:  Bein anwinkeln, auf die rechte Seite drehen, Kopf überstrecken, Mund öffnen und den Atem kontrollieren.

Anschließend bitten Reporter Fero Andersen und Adriane Meryk Passanten, ob sie ihr Wissen auffrischen wollen. Die meisten haben keine Zeit oder kein Interesse. Doch Sophie traut sich! Mit den Händen kommt sie kurz durcheinander, aber sonst macht sie alle Handgriffe vorschriftsmäßig: Auf die rechte Seite drehen, Kopf überstrecken, Mund öffnen, Atem kontrollieren! Doch was wäre, wenn Patient Fero Andersen nicht atmen würde?

"Dann würde ich also sowieso einen Krankenwagen rufen und dann reanimieren."

Sophie

Erste Hilfe: Keine Angts vor Herzdruckmassage und Debrifillator

Mit einer Übungspuppe zeigt Erste-Hilfe-Trainerin Adriane Meryk in der U-Bahn Station Westfriedhof, wie eine Herzdruckmassage gemacht wird und wie mit einem Defibrillator reanimiert wird.

"Das Wichtige ist, wenn wir zu so einer Person hinkommen, erst einmal: Wir entkleiden die Person. Wir wissen, die Person atmet nicht, haben den Notruf schon gewählt, dann entkleiden wir die Person, so dass wir einen freien Brustkorb haben."

Adriane Meryk, Erste-Hilfe Trainerin, Johanniter Unfallhilfe e.V.

Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Oberkörpers auf Höhe der Brustwarzen. Zur Massage wird in einem schnellen Rhythmus dreißigmal mit dem Handballen der Brustkorb etwa fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt. Danach kommen zweimal eine Mund zu Mund Beatmung. Doch dafür gibt es eine Einschränkung.

"Ganz wichtig: Wenn die Person Erbrochenes oder Blut an sich hat, dann müssen wir natürlich nicht beatmen. Die Priorität beim Reanimieren ist das Drücken. Weil wir es dadurch schaffen, den Kreislauf stabil zu halten, sodass das Gehirn mit Blut und eben mit Sauerstoff versorgt wird, bis der Rettungsdienst eintrifft. Der übernimmt dann und macht weiter."

Adriane Meryk, Erste-Hilfe Trainerin, Johanniter Unfallhilfe e.V.

Defibrillator: Das Gerät selbst führt durch die Reanimation

Gesundheit! Reporter Fero Andersen sucht nach Freiwilligen, kaum jemand will helfen! Schließlich findet er doch jemanden. Ivan ist mutig und traut sich an den Defibrillator!

"Der Defibrillator kommt zum Einsatz, sobald eine Person nicht mehr atmet und jetzt ganz wichtig: Sobald zwei Ersthelfer vor Ort sind!"

Adriane Meryk, Erste-Hilfe Trainerin, Johanniter Unfallhilfe e.V.

Defibrillatoren gibt es in vielen Bahnhöfen und U-Bahnstationen. Das Gerät gibt selbst Anweisungen und sagt genau, was zu tun ist.

"Achtung, folgen sie den Anweisungen des Gerätes. Notruf veranlassen. Roten Handgriff ziehen, um Verpackung zu lösen und Klebeelektroden entnehmen."

Anweisung zum Gebrauch eines Defibrillators

"Es ist ganz einfach: Das Gerät sagt Schritt für Schritt, was man machen muss und während einer die Elektroden klebt, massiert der andere weiter. Wenn das Gerät sagt, den Patienten nicht berühren, Herzrhythmus wird ausgewertet, dann berühren wir den Patienten nicht. Wir machen genau, was das Gerät sagt. Wenn es sagt: Bereit, Schock wird vorbereitet, ist es deine Aufgabe, den roten Knopf zu drücken. Wenn die Ansage kommt, Schock wurde abgegeben, wurde ein Elektroschock abgegeben. Anschließend sagt das Gerät den nächsten Schritt an: 30 Herzmassagen und zwei Beatmungen. Und jetzt machen wir dann so weiter, immer genau die Anweisungen des Gerätes befolgen."

Adriane Meryk, Erste-Hilfe Trainerin, Johanniter Unfallhilfe e.V.

Die betroffene Person muss übrigens solange massiert werden, bis der Rettungsdienst übernimmt. Ivan und Fero Andersen haben schon bei der Übung festgestellt, dass selbst der gestellte Notfall keine angenehme Situation ist. Beide wünschen sich, dass es bei der Übung bleibt. Aber es hat sich gelohnt, wieder einmal die eigenen Erste Hilfe Kentnisse aufzufrischen. Denn die können im Ernstfall Leben retten. Erste Hilfe sollte jeder leisten können.


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