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Erste Bergbus-Fahrt der Saison Unterwegs ins Allgäu zu Edelsberg und Alpspitze

Wie kommt man möglichst schnell, entspannt und umweltschonend in die Berge? Mit Beginn der Wander-Saison stellen sich zurzeit viele diese Frage. Eine Antwort könnte im Raum München der BergBus sein. Ob das so ist, haben wir ausprobiert – auf der ersten Fahrt der Saison.

Author: Jonas Breitner

Published at: 24-5-2024

Bergbus: Zustieg durchs Vilstal, links die Vils, rechts der Fahrradweg | Bild: BR/Jonas Breitner

„Ich finde den Bus nicht!“ Heidi steht am Busbahnhof Pasing in München und schaut sich suchend um. Es ist Samstagmorgen, 6:30 Uhr, Heidi ist startklar: Wanderrucksack, Stirnband, Bergschuhe. Und doch sieht sie etwas verloren aus. Denn: Vom BergBus fehlt jede Spur. Sie sagt, sie suche seit einer Viertelstunde, bisher ohne Erfolg. Es ist die erste Fahrt der Saison und Infotafeln gibt es noch nicht. Auch wir, mein Freund Albert und ich, blicken uns jetzt ratlos um. Wir wollen heute noch bei Pfronten im Ostallgäu zum Edelsberg hinaufsteigen und hinüber zur Alpspitze wandern. Beide Gipfel sind zwar nur etwa 1.600 Meter hoch, sollen jedoch eine herrliche Aussicht bieten. Um die genießen zu können, müssen wir aber erst einmal den BergBus finden.

Wer suchet …

Wir schmieden einen Plan: Heidi positioniert sich am nördlichen Bereich des Busbahnhofs, wir uns am südlichen. Die Abfahrtszeit rückt näher - ob wir den Bus verpassen? Diese Frage wird uns später nochmal begegnen. Wir warten, fragen herum, doch niemand weiß Bescheid. Dann biegt die ersehnte Linie 996 um die Ecke. Wir winken, der Bus hält, Heidi hechtet heran, wir steigen ein und sind froh, dass wir den Bus erwischt haben.

Der Bus ist fast leer. Das Angebot muss sich noch rumsprechen - die Fahrt ist mit dem Deutschlandticket möglich.

Drinnen erwartet uns eine Überraschung: Der Bus ist fast leer: Zwar hat der Busfahrer noch vier Kollegen mit dabei, zur Schulung, aber außer uns gibt es nur noch einen weiteren Wanderer. In Landsberg steigen dann noch vier Touristen zu, die in Hohenschwangau wieder aussteigen, weil sie Neuschwanstein besuchen wollen. Der Bus ist kein Doppeldecker mit DAV-Folierung mehr, sondern ein ganz normaler Linienbus. Er fährt jetzt jedes Wochenende Samstag- und Sonntagfrüh von Pasing Richtung Allgäu ab und kommt abends wieder in München an. Ein tolles Angebot, meint Hilde. Der Bergbus fahre einige gute Einstiege in die Berge ab, wenn man – wie sie – kein Auto habe, sei das sehr praktisch.

Fahrt, Fahrplan und eine Überraschung

Unsere Reise dauert etwa zweieinhalb Stunden - dabei sei erwähnt, dass der Bus keine Toilette hat. Am Fenster ziehen die sanft geschwungenen grünen Wiesen des Alpenvorlands vorbei. Der Bus ruckelt sachte, brummt - und wiegt uns in den Schlaf. Dann kommen wir auch schon in Pfronten-Steinach an und werden erneut überrascht. Beim Aussteigen begrüßt uns Julia Frickel von Pfronten Tourismus, überreicht uns Wanderkarten und Willkommens-Karabiner. Mit einem Begrüßungskomitee hatten wir nicht gerechnet.

Von München in die Berge ist es nicht weit.

In Pfronten-Steinach hat der Bus einen längeren Aufenthalt, bevor er weiterfährt. Gleiches gilt bei der Rückfahrt. Laut Münchner Verkehrs- und Tarifverbund ist das nötig, um die Pausenzeiten für den Fahrer einzuhalten. Doch der Bus hält bereits nach zweieinhalb Stunden - gesetzlich vorgeschrieben wäre eine Pause erst nach viereinhalb Stunden Fahrzeit. Durch die Standzeit von 45 Minuten in Pfronten-Steinach wird für Fahrgäste aus München alles nach diesem Halt eher unattraktiv. Der MVV selbst schreibt, dass zwischen Pfronten und der Endhaltestelle Wieskirche die Zielgruppe für den Bus Einheimische und Übernachtungsgäste in der Region sind.

Wenn man sich die Route ansieht, bleiben dann für Reisende aus München sinnvollerweise noch die Stopps Landsberg, Trauchgau, Halblech, Buching, Schwangau, Hohenschwangau und Vils. An all diesen Stationen ist man mit dem BergBus schneller als mit den bestehenden ÖPNV-Angeboten, für die letzten drei Ziele allerdings nur etwas schneller. Lästige Umstiege fallen jedoch weg. Dabei ist die Route nicht in Stein gemeißelt: Laut MVV wird die Linie mit den Erfahrungswerten, die man in diesem Jahr sammeln will, noch angepasst und optimiert. Gegebenenfalls können kleinere Änderungen bereits in diesem Jahr erfolgen.

Hinein ins Vilstal, hinauf auf den Edelsberg

Auf der Bergtour ist auch das Mikrofon dabei ...

Für die Haltestellen auf der Route gibt es online über 70 Tourentipps. Wir haben uns selbst eine Route gebastelt, besorgen noch kurz etwas Proviant im Supermarkt, stärken uns in einem Café, dann beginnt die Tour: Die Luft ist klar, gelbe Blumen blühen, der blaue Himmel ist getupft mit weißen Wolken. Entlang der Vils laufen wir durchs gleichnamige Tal. Links und rechts schmiegen sich sonnenbeschienene Baumwipfel an die Hänge. Dann geht es hinauf und hinein in den schattigen Wald.

Über einen schmalen Wanderweg kommen wir nach kurzem Aufstieg zur Gundhütte. Eine kleine, urige Hütte aus hellem Holz. Einladend stehen die Bierbänke auf der gut besuchten Terrasse. Melina, die heute bedient, sagt uns, dass wegen dem gut ausgebauten Weg viele Fahrradfahrer und Familien, auch mit Kinderwagen, hochkommen, auch bei schlechterem Wetter. Außerdem locke das breite Essensangebot von Spareribs über Ofenkartoffeln bis zu Kuchen. Das bestätigen der Selbstversuch und eine kleine Umfrage bei den Gästen.

Gestärkt machen wir uns auf zur nächsten Etappe. Es geht weiter hinauf, der Laubwald wird zu Nadelwald. Wir kommen vorbei an einem letzten Schneefeld, das vor sich hin taut. Hier ist es grün und beschaulich. Wir machen Rast, legen uns ins sonnenwarme Gras und verschnaufen kurz, dann sind wir oben am Edelsberg. Auf 1.630 Metern bietet sich uns ein grandioser Blick auf die höheren Gipfel weiter südlich. Dort sind die Hänge noch grau und weiß vom Schnee.

Wo ist Lilli?

Am Gipfel der Alpspitze

Mittlerweile sind die weißen Wolken grau geworden, ein böiger Wind kommt auf, es sieht nach Regen aus. Wir brechen auf: Es geht etwas hinunter und wieder hinauf zur benachbarten Alpspitze. Von hier blicken wir auf den Grüntensee und die welligen Hügel des Allgäus, die sich nach Westen erstrecken. Bem Abstieg treffen wir auf einen Mann, der suchend am Wegesrand steht - mit einer Trillerpfeife im Mund - und pfeift. Nach einer Minute kommt ein Jack Russell Terrier hechelnd angerannt. Das Herrchen freut’s: „Ja, das ist meine Lilli und wenn ich Glück hab‘, dann folgt sie dem Pfeifton, und wenn nicht, dann muss ich länger warten und länger pfeifen.“ Dieses Mal hatte er anscheinend Glück, der Jack Russell Terrier war nur fünf Minuten verschwunden. Er hätte auch schon mal eine Stunde warten müssen und habe ins Leere gepfiffen. „Da kommst du dir auch blöd vor.“, sagt er#, während Lilli ohne jedes Schuldbewusstsein mit dem Schwanz wedelt. Er verabschiedet sich und steigt mit Lilli – immer noch ohne Leine – ab.

Bus verpasst? Nicht weiter schlimm.

Zurück geht's mit dem Zug

Wir tun es ihm gleich. Auf dem Wurzelpfad nach unten laufen wir unter einer Zip-Line hindurch, an der Adrenalin-Suchende ins Tal sausen. Mal klingen sie mehr, mal weniger begeistert. Nach einer guten Stunde kommen wir in Nesselwang an. Die Tour ist geschafft: Wir haben 14 Kilometer Strecke und 800 Höhenmeter zurückgelegt – und den Bus verpasst. Das ist zwar schade, aber wir wollten uns nicht hetzen. Deswegen geht es zum Bahnhof und mit dem Zug zurück nach München. Draußen beginnt es zu regnen, während wir schon die nächste Tour planen.

Das Angebot im Überblick:

Der BergBus ist im Deutschlandticket enthalten. Wer das nicht hat, zahlt für eine einfache Fahrt 22,20 Euro. Die Linie 996 (https://www.mvv-muenchen.de/fileadmin/mediapool/05-Mobilitaetsangebote/02-Dokumente/Fahrplan_996_BergBus.pdf ) fährt von München Pasing über Landsberg Richtung Allgäu. Außerdem fährt ab dem 25. Mai die Linie 396 (https://www.mvv-muenchen.de/fileadmin/mediapool/05-Mobilitaetsangebote/02-Dokumente/Fahrplan_396_BergBus.pdf ) vom Münchner Ostbahnhof über Bayrischzell in Richtung Bayerische Voralpen. Eine Reservierung über die MVV-App ist möglich, aber nicht verpflichtend. Beide Linien werden bis zum 27. Oktober befahren. Genauere Infos zum Fahrplan gibt’s hier. (https://www.alpenverein-muenchen-oberland.de/umwelt/muenchner-bergbus ).


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