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Unterwegs auf dem Pretzfelder Kirschenweg Kirschblütenwanderung in der Fränkischen Schweiz

Die Kirschbäume in der Fränkischen Schweiz stehen gerade in voller Blüte. Rund um das Walberla und im Trubachtal bestaunen Wandernde die weiße Pracht und erfahren viel Wissenswertes auf dem Pretzfelder Kirschenweg.

Author: Ulrike Nikola

Published at: 13-4-2024

In der Fränkische Schweiz unterwegs auf dem Pretzfelder Kirschenweg | Bild: BR; Ullie Nikola

In Japan wird das Kirschblütenfest groß gefeiert und gleichzeitig der Frühling begrüßt. Doch um ein beeindruckendes Blütenmeer zu erleben, muss man gar nicht so weit reisen. Denn in der Fränkischen Schweiz gibt es eines der größten Kirschanbaugebiete Europas. Die blühenden Bäume sehen in den grünen Wiesen und Hängen aus wie leuchtend weiße Wattewolken und ziehen die Wandernden magisch an. Ein guter Startpunkt ist Pretzfeld, denn von dort geht es rund zehn Kilometer über den Kirschenweg. Dieser Naturlehrpfad führt durch Streuobstwiesen, Wald und Felder, mal leicht bergauf und wieder bergab, mal eben oder am Bach entlang. Unterwegs erklären Schautafeln viel Wissenswertes über die vielfältige Flora und Fauna in den Streuobstwiesen, die Geologie und den Kirschanbau.

Kirschblüte mit Blick zum Walberla

„Streuobstwiesen kann es eigentlich auf jedem Boden geben. Dann hat man entsprechend angepasste Sorten und einen anderen Unterwuchs. Aber ein Grund, warum wir hier in der Fränkischen Schweiz viele Streuobstwiesen haben, sind die vielen Hanglagen, die für einen flachen Ackerbau schwer zu nutzen gewesen wären“, erklärt Diplom-Biologin Jana Wiehn vom Landschaftspflegeverband Forchheim e.V. Deshalb haben die Bauern schon vor Jahrhunderten an den Hängen zahlreiche Obstbäume angepflanzt. Sie prägen die Kulturlandschaft maßgeblich. Heutzutage betreiben rund 2.000 Kirschbauern den Anbau überwiegend im Nebenerwerb sowohl auf Obstplantagen als auch auf Streuobstwiesen. Heuer sind die Kirschbäume gut durch den milden Winter gekommen und haben viele Knospen entwickelt. Das verspricht eine gute Ernte, wenn im April und Mai nicht noch Frost kommt.

Wissenswertes auf den Schautafeln entlang der Wanderung

Der Klimawandel macht sich auch bei den Kirschbäumen bemerkbar: In den vergangenen dreißig Jahren hat sich der Zeitpunkt der Kirschblüte um zehn Tage nach vorn verschoben. Das bedeutet, dass auch die Bienen und andere Bestäuber früher ausschwärmen müssen. Jana Wiehn deutet auf eine kleine offene Bodenstelle, also Erde, die frei liegt: Es handelt sich um eine große Ansammlung von Sandbienen, die alle einzeln leben, sich aber an diesem gut geeigneten Ort zusammenfinden. Jedes Weibchen gräbt eine eigene Brutröhre in den Boden, um ein oder zwei Eier hineinzulegen. Die Streuobstwiesen werden extensiv, also ohne chemische Mittel bewirtschaftet. Daher bilden sie einen ökologisch wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen.

Kirschenweg bei Wannbach

Die Meisen brüten schon in den Baumhöhlen, am Himmel kreist ein Bussard. Er hat es auf die Mäuse in den Streuobstwiesen abgesehen. Es gibt auch seltene Vogelarten wie den Wendehals inmitten der Kirschblüten. Doch diese Spechtart ist schwer zu entdecken, da sie sich gut als Baumstumpf tarnen kann. Diplom-Biologin Jana Wiehn sucht das Gelände mit einem Fernglas ab. Dabei schaut sie sich auch die Kirschbäume und deren Gesundheitszustand an. Wenn Pflegemaßnahmen und Rückschnitte nötig sind, kann sie staatliche Fördermittel an die Kirschbauern vermitteln. Denn der Erhalt der Kulturlandschaft mit seiner vielfältigen Struktur dient der Ökologie: Es gibt Bäume und Hecken, Sträucher und Wiesen, Flechten und Totholz und vieles mehr, worin sich kleine Lebewesen wohl fühlen, die wiederum Nahrung bieten für größere Tiere.

Der Kirschenweg führt von Pretzfeld zunächst hoch in den Wald und dann am Hang entlang ins Trubachtal bis Wannbach. Streuobstwiesen mit knorrigen Kirschbäumen wechseln sich ab mit Kirsch-Plantagen mit niedrigen Bäumchen in Reih und Glied. Die Blüten leuchten alle schon von Weitem strahlend weiß. Bei genauem Hinsehen sind manche - je nach Sorte - jedoch filigraner und zarter als andere. Die Wanderinnen und Wanderer genießen nicht nur den Anblick der Blütenpracht, sondern auch die wärmenden Sonnenstrahlen und das frische Grün auf Wiesen und Sträuchern. Für viele ist der Frühling die schönste Jahreszeit, und der Kirschenweg bietet ein besonderes Naturerlebnis. Von Wannbach führt der insgesamt zwei- bis dreistündige Rundweg über Hagenbach wieder zurück zum Ausgangspunkt in Pretzfeld.


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