7

Der neue Hoch-Tirol-Trail Von Süd nach Ost

Der im vergangenen Sommer neu angelegte Hoch-Tirol-Trail führt vom Südtiroler Ahrntal bis an den Großvenediger in Osttirol. Drei Tage ist man dabei zuerst im „Naturpark Rieserferner-Ahrn“ und dann im „Nationalpark Hohe Tauern“ unterwegs.

Author: Folkert Lenz

Published at: 22-7-2023

Der neue Hoch-Tirol-Trail  | Bild: BR; Folkert Lenz

Knapp 25 Kilometer lang ist der Weg, rund 1500 Höhenmeter müssen im Aufstieg, etwa 1800 Höhenmeter im Abstieg absolviert werden. Das klingt nach nicht viel in drei Tagen. Aber der neue Weitwanderweg gilt als „schwierig“, weil die mittlere Etappe in hochalpinem Terrain verläuft.

Der flache Boden des Röttals beherbergt ein Moor: das Rötmoos.

Der Start erfolgt in Kasern, einem Weiler im hintersten Ahrntal. Bald erreicht man beim Aufstieg im Röttal historische Bergwerkstätten, aus denen die Talbewohner seit Jahrhunderten Kupfer holen. Ein eiskalter Hauch weht aus einem Felsspalt am Wegesrand. Ein Rinnsal rot wie Blut verrät, dass hier Kupfer aus dem Gestein gewaschen wird, erklärt Bergführer Martin Stolzlechner bevor er sich in einen schulterbreiten Schlitz zwängt, aus dem der Wasserlauf kommt: ein Stollen! Der Bergbau hat eine lange Tradition im obersten Ahrntal. Die Bergwerke wurden bereits um 1420 erwähnt.

Vor dem Umbaltörl ist man im Südtiroler „Naturpark Rieserferner-Ahrn“ unterwegs.

Die erste Etappe auf dem Hoch-Tirol-Trail verläuft durch einen lieblich wirkenden Talboden mit stacheligen Disteln und wiegendem Wollgras, kleinen Lacken und Seen und sogar einem Moor, dem Rötmoos. Von den einst riesigen Gletschern ist heute im hintersten Ahrntal nicht mehr viel zu sehen. Jahrelang haben Eismassen die Wanderer noch kurz vor der Lenkjöchlhütte beeindruckt. Inzwischen zeugt nur noch ein grün schimmernder See vom damaligen Gletscher. Ähnlich zeigt sich die Szenerie am nächsten Tag, nach einer Nacht auf der „Lenkl“, wie Wirt Christian Steger sein Haus liebevoll nennt. Es geht durch eine karge Moränenlandschaft, geprägt von Geröll und Schutt. Knapp 500 Höhenmeter sind es bis zum Vorderen Umbaltörl, wo man knapp an der 3000-Meter-Grenze schrammt. Es bietet sich an, den 3051 Meter hohen Ahrner Kopf als Gipfelziel am Wegesrand mitzunehmen. Hier wird der Hoch-Tirol-Trail seinem Namen voll und ganz gerecht, denn es geht hoch hinaus.

Mit dem Abstieg ins Umbaltal ist zugleich der „Nationalpark Hohe Tauern“ auf der Osttiroler Seite erreicht.

Oben am Umbaltörl wird auch die Grenze zwischen dem Südtiroler Naturpark Rieserferner-Ahrn und dem Osttiroler Nationalpark Hohe Tauern überschritten. Besonders populär war der Übergang in den vergangenen Jahren unter Bergsteigern nicht – wohl aber früher. Einst hat man hier Zucker und Tabak geschmuggelt. Heute folgt der Trail den alten Schmugglerpfaden steil hinunter ins Umbaltal. Zuvor aber geraten riesige Eisflächen in den Blick. Sie liegen wie ein schmutziges, grau-blaues Tuch über der Hochgebirgslandschaft. Das Umbalkees ist – trotz Eisschmelze und Klimawandel – immer noch einer der größten Gletscher Österreichs. Er bietet einen beeindruckenden Anblick, wenn man auf der Osttiroler Seite zur Clarahütte ins Virgental absteigt.

Die Umbalfälle im Iseltal: Tolles Highlight auf der Schlussetappe vom Hoch-Tirol-Trail.

Weiter unten wird es dann wasserreich: Was oben am Gletscher schmilzt, schießt unten durch die enge Schlucht der jungen Isel. Der Gebirgsfluss entspringt am Umbalkees. Über mehrere Katarakte fällt er später talwärts und bildet dabei die berühmten Umbalfälle, ein Highlight auf der letzten Etappe des Hoch-Tirol-Trails, der dann kurz unterhalb der Wasserfälle in Prägraten unter dem Großvenediger endet.


7