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ARD-Radio-Recherche Sport Scharfe Kritik vor Formel-1-Premiere in Baku

Vor der Rennpremiere in Aserbaidschan üben Menschenrechtsaktivisten scharfe Kritik an der Formel 1. Das Rennen in Baku helfe Aserbaidschans autoritärem Präsidenten Ilham Alijew, sein Land als Sportstandort international weiter zu etablieren – gleichzeitig würden kritische Journalisten, Bürgerrechtler und andere Oppositionelle unter konstruierten Anschuldigungen im Gefängnis sitzen, lauten die gegenüber ARD-Radio-Recherche Sport erhobenen Vorwürfe.

Stand: 17.06.2016

Formel 1 Aserbaidschan | Bild: picture-alliance/dpa

Die bekannteste regierungskritische Journalistin des Landes, Khadija Ismayilova, sagt gegenüber dem Rechercheverbund der ARD-Hörfunk-Sportredaktionen: "Ich rufe normalerweise nicht nach Boykotten, aber die Formel 1 braucht in Aserbaidschan kein Mensch!" Von Ende 2014 bis Mai 2016 war Ismayilova selbst inhaftiert. Die aserbaidschanische Menschenrechtlerin Leyla Yunus, die bis Ende 2015 ebenfalls im Gefängnis saß und heute in den Niederlanden lebt, appelliert an die Formel-1-Fahrer:

"Klebt Fotos von unseren politischen Gefangenen auf eure Autos. Denn ihr seid aus Deutschland, Italien, Spanien – euch kann unsere Polizei nicht einsperren. Klebt die Fotos drauf – dann seid ihr echte Helden!"

Leyla Yunus

Verbesserung der Menschenrechtslage gefordert

Rückendeckung erhalten solche einheimischen Stimmen von der grünen Europapolitikerin Ulrike Lunacek: "Ich verlange von Sportorganisationen und Sportfunktionären, die in solche Länder gehen, dass sie öffentlich und in Gesprächen mit Regierenden eine Verbesserung der Menschenrechtslage und die Freilassung Inhaftierter fordern", sagt die Vizepräsidentin des EU-Parlamentes im Interview mit ARD-Radio-Recherche Sport.

Keine Stellungnahme der FIA 

Interviewanfragen zu dem Thema ließen der Automobil-Weltverband FIA und der Formel-1-Mehrheitseigner CVC unbeantwortet oder lehnten sie ab. Auch mit den deutschen Formel-1-Fahrern Nico Rosberg, Sebastian Vettel, Nico Hülkenberg und Pascal Wehrlein wurde auf Anfrage ein ausführliches Interview über die Menschenrechtslage in Aserbaidschan im Vorfeld des Rennens nicht möglich gemacht.

Schon im vergangenen Jahr hatte es breite Kritik gegeben, als Aserbaidschan Austragungsort der neu ins Leben gerufenen Europaspiele war. Die Vergabe der Spiele dorthin wurde unter anderem auch vom Deutschen Olympischen Sportbund damit gerechtfertigt, dass die mit Sportgroßveranstaltungen verbundene internationale Aufmerksamkeit helfen könne, die Menschenrechtslage zu verbessern. Laut den aserbaidschanischen Kritikerinnen Yunus und Ismayilova haben die Europaspiele diesbezüglich jedoch nichts bewirkt.

 ARD-Radio-Recherche Sport

ARD-Radio-Recherche Sport ist das Recherche-Team der Hörfunk-Sportredaktionen aller ARD-Landesrundfunkanstalten. Die Radioreporter recherchieren zu Hintergrundthemen des Sports und berichten darüber deutschlandweit in den Sendern der ARD. Die Koordination liegt beim Bayerischen Rundfunk in München.

 


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Effeinsfan, Freitag, 17.Juni, 12:29 Uhr

1. Baku

Menschenrechte in der Formel 1?
Wenn es die Diplomatie und oder die Politik nicht bewirken kann, dass Menschenrechte beachtet werden, soll es der Sport richten?
Als riesiger F1 Fan tut es mir leid sagen zu müssen, dass den Oberen dieser Rennserie zu aller erst der eigene Geldbeutel wichtig ist. Profit geht über alles - leider.
Ich hoffe trotzdem auf ein spannendes Rennen und auf eine nachhaltige Verbesserung der Menschenrechte in Aserbaidschan