Sport - fussball


0

Vom Urahn bis nach Uruguay Fuß und Ball - Liebe auf den zweiten Kick

Fuß und Ball, das passt zusammen. Aber es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Denn so richtig haben das wirklich erst die Engländer gemerkt. Vorher gab es bereits fünf jahrtausendelang fußballähnliche Spiele rund um den Globus. Eine Chronik vom ersten Fußball-Urahn in China bis zur ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Uruguay.

Stand: 22.03.2012

  • 2697 v. Chr.
    Kaiser Qin Shi Huang Di  | Bild: picture-alliance/dpa

    Kaiser Qin Shi Huang Di

    2697 v. Chr.

    Startschuss

    Wer hat den Fußball wirklich erfunden: Die Engländer, Sepp Herberger oder doch erst "Kaiser" Franz Beckenbauer? Einem Mythos zufolge war es ein ganz anderer Kaiser, nämlich der von China! Der Legende nach soll Kaiser Huang Di bereits im Jahr 2697 v. Chr. den Fußball in China eingeführt haben. Fest steht jedenfalls, dass ein Spiel namens "Ts’uh-küh", zusammengesetzt aus den Wortzeichen für "mit dem Fuß stoßen" (ts’uh) und "Ball" (küh), zum ältesten chinesischen Kulturgut gehört. Das Spiel war Bestandteil der militärischen Grundausbildung und sollte Disziplin und Mannschaftsgeist vermitteln.

  • 800 v. Chr.
    Chinesische Spieler spielen das altchinesische Spiel Cuju | Bild: picture-alliance/dpa

    Junge Männer spielen eine altchinesische Ballspielform nach.

    800 v. Chr.

    Das Runde muss ins Erdige

    Die Chinesen blieben am Ball. Von 800 bis 500 v.Chr. ist eine Vielzahl von fußballähnlichen Spielen in China verbreitet. Mal versuchten zwei Mannschaften mit einer Mischung aus Fuß- und Volleyball, ein fünf Meter hohes Tor zu treffen. "Das Runde muss in das Erdige" hieß es in einer anderen Spielform. Der Ball sollte nicht im Tor, sondern wie die Saat im Boden versenkt werden. Ethnologen vermuten heute ein uraltes Fruchtbarkeitsritual dahinter. Das antike Spielgerät bestand aus acht zusammengenähten Lederstücken und war mit Federn und Tierhaaren ausgestopft.

  • 500 v. Chr.
    Ring am Pelota-Ballspielplatz in Chichen Itza  | Bild: picture-alliance/dpa

    Steinring am Pelota-Ballspielplatz in Chichen Itza

    500 v. Chr.

    Fußball für die Götter

    Pelé, Maradona, Messi - Südamerikaner verzaubern die moderne Fußballwelt. Schon vor 2.500 Jahren wurde in Mittel- und Südamerika Fußball für die Götter gespielt, aber im wahrsten Sinne des Wortes. Beim "juego de pelota" wollten die Azteken und Maya die Götter beschwören. Zwei Mannschaften mit je sieben Spielern versuchten, eine vier Kilo schwere Kugel aus Kautschuk durch einen Steinring zu stoßen. Der Clou: In einer der Spielformen durfte der Ball nur mit Hüfte und Gesäß gespielt werden. Fraglich, ob ein Lionel Messi auch bei diesen Spielregeln brilliert hätte.

  • 400 v. Chr.
    Der Philosoph Platon | Bild: picture-alliance/dpa

    Der griechische Philosoph Platon (427 v. Chr. - 347 v. Chr.)

    400 v. Chr.

    Die Schlacht um den Ball

    "Eier, wir brauchen Eier!", forderte einst Oliver Kahn für den Fußball. Er bezog sich damit auf den Gedanken, mit dem bereits die alten Griechen den Ball ins Spiel gebracht hatten. Der abgebildete Philosoph Platon schrieb über die "sphairoma chia" (Ballschlacht) und empfahl sie als vormilitärische Übung. In Sparta war der Wettkampf um den Ball gar ein Schritt zur Männlichkeit, bei dem die Spieler "um eines Balles willen übereinander herfielen und sich schlugen", wie Schriftsteller Lukian festhielt. Das Spiel musste als Mannbarkeitsprobe vor dem 30. Lebensjahr bestritten werden.

  • 600 n. Chr.
    Ein prächtig gekleideter Kemari-Spieler hält den Ball hoch | Bild: picture-alliance/dpa

    Ein Mönch des Fujinomori Shrines im japanischen Kyoto spielt "Kemari".

    00

    Blütezeit des Ballhochhaltens

    Fußballfans kennen das Bild: Die Spieler bilden einen Kreis und versuchen auf artistische Art und Weise, den Ball so lange wie möglich in der Luft zu halten. Was die Wenigsten wissen: Die Kicker betreiben dabei eine uralte japanische Sportart. Beim "Kemari" musste ein luftgefüllter Ball aus Hirschleder in einem Spielerkreis mit dem Fuß in der Luft gehalten werden. Vier bis sechs Teilnehmer, gekleidet in prächtigen Kimonos, versuchten sich im Kampf gegen die Schwerkraft. Noch heute wird das Spiel in manchem Kloster praktiziert - und auf so ziemlich jedem Fußballplatz der Welt.

  • 1174 n. Chr.
    Im englischen Ashbourne wird jedes Jahr der mittelalterliche "Raufball" nachgespielt  | Bild: picture-alliance/dpa

    Raufball-Spielszene in der englischen Stadt Ashbourne

    1174

    Der Ball ist rund und es gibt keine Regeln

    Ab dem zwölften Jahrhundert wurde in England ein Spiel gespielt, bei dem das niedere Volk um einen großen, mit Stroh und Kork gefüllten Ball kämpfte: Raufball. Wie heute auch, ging es bei der rauen Urform des Ballspiels um eine Auseinandersetzung zweier Stadtbezirke oder Dörfer. Der Ball durfte geschlagen und getreten werden - der Gegenspieler auch. Bis zu 1.000 Spieler der Ortschaften nahmen Teil an einem Spiel ohne Grenzen. Die ersten Dokumente, die über den Fußball berichteten, waren Gerichtsurteile. In der Stadt Ashbourne wird der "Raufball" heute noch jedes Jahr ausgepackt (Bild).

  • 1530 n. Chr.
    Calcio Fiorentino | Bild: picture-alliance/dpa

    Jedes Jahr wird in Florenz der historische Fußball nachgespielt.

    1530

    Calcio Fiorentino

    Das mächtige Herrschergeschlecht der Medici machte den englischen Prügelsport in Florenz salonfähig. Der Kampf um den Ball wurde zu einem prächtigen Spektakel. Beim "Calcio Fiorentino" spielte nur der Adel, dem Volk blieben die Zuschauerränge. Wie beim heutigen American Football musste der Ball über eine Linie am Ende des Spielfeldes befördert werden. Mannschaftsfarben, Fanblöcke mit Fahnen und verschiedene Trikots waren Meilensteine auf dem Weg zum heutigen Fußball. Auch die englischen Privatschulen fanden Gefallen am italienischen Adelssport ...

  • 1863 n. Chr.
    Sicht auf die englische Universität Cambridge  | Bild: picture-alliance/dpa

    Sicht auf die englische Universität Cambridge

    1863

    Wiege des Fußballs

    ... Bis ins Jahr 1863 wurde an englischen Eliteschulen eine Mischung aus Rugby und Fußball gespielt. Schließlich kam es zum Streit innerhalb der gerade gegründeten Football Association (FA), wie die Zukunft des Sports auszusehen habe. Die Studenten der Universität Cambridge verabschiedeten schließlich Regeln, die dem Fußball zum Durchbruch verhalfen. Gespielt werden durfte nur noch mit dem Fuß: kein Umtreten, kein Festhalten, kein Beinstellen. Die neuen Regularien spalteten den Fußball-Vorgänger vom Rugby, das seinen eigenen Weg gehen sollte. Cambridge ist der Geburtsort des modernen Fußballs.

  • 1874 n. Chr.
    Ein Porträt von Konrad Koch | Bild: Archiv Kurz Hoffmeister/Jean Baptiste Feilner

    Porträt von Konrad Koch

    1874

    Deutschlands Fußballvater

    Das Fußballfieber eroberte England im Sturm und sollte sich bald auch nach Deutschland ausbreiten. Sportlehrer Konrad Koch brachte das runde Leder an seine Braunschweiger Schule, um eine Ergänzung zum Turnunterricht einzurichten: "Es wurden einfach ein guter Fußball aus England auf den Platz geworfen, einige der wichtigsten Regeln angegeben und bald spielten die deutschen Knaben das englische Spiel, wenn auch anfangs nicht mit allen Feinheiten, doch eifrig und geschickt und zu ihrem größten Vergnügen", schrieb Konrad Koch zu den Anfängen des Spiels in Braunschweig.

  • 1900 n. Chr.
    Titelseite einer Streitschrift, die den Fußball als "Fußlümmelei" bezeichnet | Bild: Archiv Kurt Hoffmeister

    Titelseite der Streitschrift "Fusslümmelei", verfasst von einem Stuttgarter Turnlehrer (1894)

    1900

    Siegeszug der Fusslümmelei

    Die Deutschen blickten zunächst skeptisch auf die Insel-Sportart. Fußball war "Fusslümmelei" und eine "englische Krankheit". Doch schon bald ging den Ball-Kritikern die Luft aus. Zur Jahrhundertwende brachen die Dämme: 1900 wurde der Deutsche Fußballbund (DFB) gegründet. Auch die Bayern fanden Gefallen am runden Leder: Bereits 1899 gab es die erste Fußball-Unterabteilung beim TSV 1860 München. Es folgten der 1. FC Nürnberg, der FC Bayern München (1900) und die SpVgg Fürth (1903). Aus einer lästigen Nebensache für Turnvereine sollte bald die vielleicht schönste Nebensache der Welt werden.

  • 1930 n. Chr.

    1930

    Fußball rund um den Erdball

    Der Fußball eroberte die Welt im Flug. 1930 fand die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Uruguay statt. Ausgerechnet in Südamerika, wo die Azteken schon vor 2.500 Jahren mit einem Kautschuk-Ball auf einen Steinring zielten. Und die Südamerikaner schienen sich tatsächlich jahrtausendelang auf das Turnier eingeschossen zu haben. Uruguay und Argentinien zogen jeweils mit einem 6:1-Sieg im Halbfinale in das erste WM-Endspiel ein. Uruguay krönte sich mit einem 4:2-Finalsieg zum ersten Weltmeister des Spiels, das die moderne Welt nur mit einem Ball in den Bann zu ziehen vermag wie kaum ein anderes.


0