Sport - Doping und Sportpolitik


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Doping-Studie Chronik einer Enthüllung

Was noch kommt, mag niemand abschätzen: Die Teil-Veröffentlichung der Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" hat das heile Sportland West-Deutschland empfindlich getroffen. Turbulente Tage im Zeitstrahl

Stand: 06.08.2013

  • 29. Juli 2013

    29. Juli 2013

    Staatlich finanzierte Dopingforschung?

    Dopingforschung sei in den 70er Jahren auch im Westen Deutschlands staatlich finanziert worden, dies sei erstmals auch durch offizielle Schriftstücke zu belegen, berichten "Main-Post" und "Märkische Oderzeitung". Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) habe vor den Olympischen Spielen 1972 in München Versuche zur leistungsfördernden Wirkung von Anabolika in Freiburg bezuschusst. Dies gehe aus Akten des Koblenzer Bundesarchivs hervor. Das BISp äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten, auch das übergeordnete Bundesinnenministerium (BMI) gab zunächst keine Stellungnahme ab.

  • 30. Juli 2013

    30. Juli 2013

    Keine Veröffentlichung - aber wieso?

    Die 2008 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) initiierte 550.000 Euro teure Studie "Doping in Deutschland" erreicht die Medien auf breiter Fläche - ohne allerdings konkrete Ergebnisse zu nennen. Einziger Tenor: Auch in West-Deutschland wurde gedopt. Das dem Bundesinnenministerium unterstellte Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) macht datenschutzrechtliche Probleme für die bisherige "Nicht-Veröffentlichung" verantwortlich. Die beteiligten Wissenschaftler um Giselher Spitzer, die schon 2011 vom "systemischen Doping" gesprochen hatten, widersprechen dieser Aussage jedoch.

  • 31. Juli 2013

    31. Juli 2013

    Attacke der Doping-Gegner

    "Wir sehen uns durch die Enthüllungen in der Doping-Akte VF-1220/13/72 in all dem bestätigt, was wir als Trainer und Athletin über das staatlich geduldete, also auch politisch gedeckte und mutmaßlich mitfinanzierte Doping-System Westdeutschland während unserer Aktiven-Zeit erfahren und gegen Widerstand publik gemacht haben", verkünden der frühere Kugelstoß-Bundestrain Hansjörg Kofink und die ehemalige Sprinterin Claudia Lepping, die eine klare Stellungnahme von DOSB-Präsident Thomas Bach erwarten. Die Berliner Doping-Forscher drängen weiter auf eine Veröffentlichung der Studie.

  • 1. August 2013

    1. August 2013

    Politiker fordern Veröffentlichung

    "Mit Systemvergleich und Kaltem Krieg hat das lange nichts mehr zu tun, immerhin schweigen sich Bundesinnenminister und deutscher Sport heute noch immer aus über den Umgang mit der Aufarbeitung", wettert Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Immer mehr Details der Studie kommen ans Licht: Um bei Olympia 1972 in München Medaillen zu gewinnen, seien "eindeutige Signale" aus dem Bonner Innenministerium gekommen, "alle Mittel zu nutzen".

  • 2. August 2013

    2. August 2013

    Neue Details, neue Vorwürfe

    "Main-Post" und "Märkische Oderzeitung" nennen neue Details der Studie. Neben Dopingforschung mit Anabolika, Insulin sowie Wachstumshormonen wurden auch Tierversuche durchgeführt worden. Sporthistoriker Erik Eggers, der an der Doping-Studie beteiligt war, schießt scharf: "Wir wissen inzwischen, dass das BISp noch im Jahr 1977 empfahl, anabole Steroide im Leistungssport anzuwenden, also drei Jahre nach dem Verbot der Anabolikaeinnahme durch das Internationale Olympische Komitee ... Und auch die Gesundheit der Athleten war den BMI-Beamten und den Freiburger Sportmedizinern damals gleichgültig."

  • 3. August 2013

    3. August 2013

    Der Skandal weitet sich aus

    Ein Bericht der "Süddeutschen" nennt weitere Details der Studie, die schonungslos ein systematisches, organisiertes und vom Staat finanziertes Doping-Programm aufdeckt. Der Bericht spricht von 516 vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft finanzierten Forschungsvorhaben. Unter anderem soll es bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal zum massiven Doping-Einsatz gekommen sein. Zudem habe es eine systematische Verabreichung verbotener Substanzen an Minderjährige gegeben. Die Politik habe den Einsatz von leistungssteigernden Mitteln nicht nur geduldet, sondern offenbar auch gefordert.

  • 4. August 2013

    4. August 2013

    Vorsichtige Reaktionen

    Der ehemalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher wehrt sich gegen die Vorwürfe, dass Politiker vor den Olympischen Spielen 1972 in München Druck auf Sportmediziner ausgeübt hätten: "Ich wüsste nicht, wer einen solchen Druck ausgeübt haben sollte. Ich halte das für völlig ausgeschlossen." Auch Walther Tröger, langjähriger Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) sagt: "Systematisches Doping hat es unter dem Dach des Bundesinnenministeriums, des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und der Sportorganisationen nach meiner Überzeugung nicht gegeben."

  • 5. August 2013

    5. August 2013

    Die Studie wird veröffentlicht

    Nachdem sich am Vortag sogar DOSB-Präsident Thomas Bach für eine rasche Veröffentlichung der Doping-Studie ausgesprochen hatte, geht es plötzlich ganz schnell. Das Bundesinnenministerium kündigt an, dass der Abschlussbericht der Forscher noch an diesem Tag auf der Homepage des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) veröffentlicht wird. Vorausgegangen sei eine Prüfung des Datenschutzbeauftragten Peter Schaar, teilte das BMI mit. Am frühen Abend ist die Studie tatsächlich im Netz.

  • 6. August 2013

    6. August 2013

    Mehr Fragen als Antworten

    Die Teil-Veröffentlichung der Studie sorgt für neue Irritationen und heftige Kritik von der Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag. So seien vermutlich interessante Namen geschwärzt worden. Die Politik habe aber ein Anrecht darauf, mehr zu erfahren, auch um die richtigen Lehren für die Zukunft daraus zu ziehen. Dass offiziell datenschutzrechtliche Gründe für die Auslassungen angeführt werden, hält Freitag für abwegig: "Diese Argumentation hat man sich ja auch nicht bei der Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen zu eigen gemacht."


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