Themen - Netzwelt


0

Bayerische Apps Kulturschätze mit dem Handy heben

Raus aus den Museen und Archiven und rauf aufs Handy und Tablet: Kaum zu glauben, aber in Bayern wird nicht gerade wenig Geschichtsträchtiges – ob Brauchtum, Kulturgut oder Kunstschatz – per App dem Vergessen entrissen.

Von: Roland Münzel

Stand: 01.10.2015 | Archiv

Bildschirmfoto von Apps mit Bezug zu Bayern | Bild: Colourbox; Screenshot: BR

Wer hätte das gedacht: Die Bayerische Staatsbibliothek – gefühlt eine doch eher verstaubte Institution – goes App. Und doch liegt eine Digitalisierung der Vergangenheit auf der Hand. Wer die bayerischen Kulturschätze an die jüngere Generation weiterreichen möchte, der muss eben deren Sprache sprechen und auf ihren Mobilgeräten präsent sein.

Preisgekrönte App "Bayern in historischen Karten"

So zeigt etwa die mit dem "Public Brain Award 2013" ausgezeichnete App "Bayern in historischen Karten" auf 257 Karten vom 16. bis zum 19. Jahrhundert insgesamt 2.500 Sehenswürdigkeiten – und das hochauflösend und vollständig georeferenziert. Beispielsweise kann man zur Zeit von Maximilian I. oder Ludwig II. durchs Land der Bayern reisen, und das nicht etwa wie zu Kaisers Zeiten mit einer holprigen Kutsche bei Wind und Wetter, sondern ganz kommod per Tablet oder Smartphone.

Auf den Spuren bayerischer Dichter und Könige

Überhaupt scheinen Apps Programm zu sein bei der Bayerischen Staatsbibliothek, denn sie gibt gleich sieben Stück davon heraus, darunter "Oriental Books (auf Englisch), "Famous Books – Schätze der Bayerischen Staatsbibliothek", "Pracht auf Pergament", "Dichterwege – auf den Spuren von Jean Paul" und "Ludwig II. – Auf den Spuren des Märchenkönigs". Letztere bietet Augmented-Reality-Features wie eine 3-D-Mustererkennung, die in Echtzeit digitale Objekte direkt am Standort des Betrachters in das Kamerabild des iPhones einblendet. Die Staatsbibliothek beschreibt die App als "unentbehrlicher Begleiter zu den Schlössern, Orten und Ereignissen im Leben Ludwigs II. – ein Must-Have für jeden Ludwig-Fan".

Jesuskind mit Weintraube aus der Zeit um 1470 in 3-D

Screenshot der Startseite von Bavarikon | Bild: BR zum Artikel Bavarikon online Bayerns Kulturschätze im Netz

König Ludwig II, Albrecht Dürer, Karl Valentin und andere bayerische Heroen leben im Internet und per App weiter. Die Bayerische Staatsbibliothek stellte Kunst-, Kultur- und Wissensschätze aus bayerischen Einrichtungen ins Netz. [mehr]

Sonst nicht so leicht zugängliche Einsichten bei wertvollen historischen Objekten ermöglichen 3-D-Darstellungen. So präsentiert die App "bavarikon 3D" – ebenfalls von der Bayerischen Staatsbibliothek – ausgewählte, bedeutende Skulpturen, Plastiken, historische Globen, mittelalterliche Handschriften und vieles mehr aus bayerischen Kultureinrichtungen als aufwändig digitalisierte 3-D-Objekte. Diese können auf dem Touchscreen beliebig hin- und her gewendet, gedreht und in alle Richtungen bewegt werden. Die hochauflösende Digitalisierung erlaubt das Hineinzoomen zur genauen Betrachtung von Details.

App gegen das Vergessen von Münchner Nazi-Opfern

In München gibt es keine Stolpersteine auf öffentlichem Grund, da der Stadtrat dies 2004 abgelehnt hat, dafür aber "digitale Stolpersteine".

Auch anderen staatlichen Archiven, Museen oder Bibliotheken würde es gut anstehen, ihre Bestände in digitaler Form mobil zugänglich zu machen. So gibt es zwar eine App zum Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg – allerdings bietet das zuletzt 2012 aktualisierte Programm lediglich eine Auswahl aus der Hörführung der Dauerausstellung und zeigt Eintrittspreise und Öffnungszeiten.

Da wird anderswo Kultur und Geschichte um Etliches spannender auf dem Smartphone präsentiert: Eine App ruft beispielsweise über 200 Opfer des NS-Regimes durch Nennung ihrer Namen und Lebensläufe in Erinnerung, indem sie "digitale Stolpersteine" in München auf einer Karte anzeigt. Mit einer anderen lassen sich die Grenzen des römischen Reichs in der Region Mittelfranken – der Obergermanisch-Raetische Limes – erkunden, immerhin Welterbe der Unesco.

Kinder auf Zeitreise mit dem Smartphone

Das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg lädt sogar Kinder zu einer Zeitreise mit ihrem Smartphone ein. Auch Erwachsene können per App auf Zeitreise gehen: etwa zur Wallfahrtskirche und ins Paulinerkloster Mariahilf ob Passau. Oder sie ziehen in die Schlacht von Hohenlinden oder wandeln auf den Spuren der Kelten in Südthüringen und Franken.

Was Bayerns Bräuche betrifft, so scheinen sie noch nicht so recht ihren Weg ins digitale Zeitalter zu finden. Lediglich die Bayernhymne hat es bislang aufs Handy – wenn auch nur auf Android-Geräte – geschafft, mal abgesehen von kostenpflichtigen Programmen wie etwa der Schuhplattler-Lern- oder der Deutsch-Bairisch-Übersetzungs-App.

Apps helfen bei der Kunst- wie Grab-Suche

Das Staatstheater Nürnberg, die Bayerische Staatsoper München sowie die Kunst mit der Wormland-Schenkung in der Pinakothek der Moderne München sind mit kostenlosen Apps vertreten. Kulinarisches kann mit der App Spezialitätenland Bayern genossen werden. Und auch wer trotz digitaler Raubkopien und hipper Streaming-Angebote treuer Kinogänger geblieben ist, der weiß die digitalen Diener der Nürnberger, Regensburger oder Münchener Filmtheater zu schätzen, die ihr Programm auf dem Tablet servieren.

Schließlich soll auch das Friedhofs-Programm Erwähnung finden, das Grabsucher in Bayreuth, München und Nürnberg auf die richtige Fährte bringt. "Wo sie ruhen" heißt die App, die virtuelle Rundgänge zu den Gräber berühmter Persönlichkeiten anbietet und so manche spannende Geschichte von den Toten auferstehen lässt.

Den Bayerischen Rundfunk immer und überall dabei

Illustration Apple Handy | Bild: BR zum Artikel BR.de auf iOS Apps für iPhone und iPad

Nutzen Sie BR.de - egal wann und egal wo - auf Ihrem iPhone oder iPad: Mit verschiedenen iOS-Apps können Sie die BR-Radio- und TV-Programme live empfangen oder tauchen Sie zeitversetzt mit Hilfe der BR Mediathek oder via Podcast in die BR.de-Welt ein. [mehr]

Last, not least zählen ja auch die Radio- und TV-Programme des Bayerischen Rundfunks sowie das Webangebot zum bayerischen Kulturgut. Und das ist mobil vertreten durch zahlreiche Apps, von der BR-Mediathek-App mit ihren Videos aus dem Fernsehprogramm über die Radio-App zum Live-Hören der BR-Radio-Sendungen bis hin zur brandaktuellen BR24-App, die personalisiert gezielt Nachrichten aus dem Freistaat aufs Handy zaubert. So hat man auch über die Landesgrenzen hinaus Bayern 1, 2, 3, BR-Klassik, Bayern plus, B5 aktuell, Puls sowie das Bayerische Fernsehen oder eben die Nachrichten aus Bayern als treue Begleiter immer und überall dabei.


0