Kultur


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Klick! Martin Fengel fotografiert Ein Gastspiel in Shanghai

Was gestikulieren die da? Und worauf wartet der Mann rechts? Fotokünstler Martin Fengel hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nach Asien begleitet und vor wie hinter den Kulissen überraschende Zusammenhänge entdeckt.

Von: Michael Kubitza

Stand: 17.01.2013 | Archiv

Martin Fengel ist Fotograf und Sammler von Zusammenhängen

Der Münchner Martin Fengel ist gelernter Fotograf - aber auch Zeichner, Videokünstler, Musiker, U-Bahn-Gestalter. Er arbeitet für Magazine, Theater und Museen. In der Münchner Villa Stuck war bis Ende Januar seine Ausstellung "Wachs" zusehen.

BR.de: Stundenlang warten, um dann im richtigen Sekundenbruchteil loszuschlagen - ein Los, das klassische Perkussionisten und Fotografen teilen ...

Martin Fengel: Kein sehr schlimmes Schicksal. Ich bin mal mit einem Paukisten aus Luzern mitgefahren, der meinte: "Ach, die armen Geiger mit ihren dicken Notenbüchern - bin ich froh, wenn ich mich nur dreimal am Abend einschalten muss." Es gibt ja auch Fotografen, die einen irren technischen Aufwand betreiben - man kann es aber auch anders machen und die technische Arbeit durch Arbeit im Kopf ersetzen.

BR.de: Wie auf diesem Doppelporträt arbeiten Sie oft mit Kombinationen und machen den Betrachter so zum Mitarbeiter. Auf Ihrer Website sieht man nichts als drei nebeneinander stehende Bildfächen, in die man per Klick fast wie bei einem Spielautomaten immer wieder neue, zufällige Anordnungen von Details laden kann.

Martin Fengel: Jeder bekommt etwas anderes zu sehen. Wie ja auch jeder etwas anderes sieht - auf die Zusammenhänge kommt es an. Ich kann dadurch die Wucht des einzelnen Bildes etwas wegnehmen. Ein Orchester funktioniert ja auch so, durch die Kombination verschiedener Instrumente. Oder die Ausstellung in der Villa Stuck, wo jede Woche ein neues Bild dazukommt und die Bedeutung des Ganzen verschiebt.

BR.de: Nach diesem Prinzip haben Sie ja auch Ihr Leben gestaltet: Sie fotografieren, zeichnen, machen Musik, illustrieren Harald Martensteins Kolumne im Zeit-Magazin und drehen Videos für DJ Hell - um nur Stichpunkte zu nennen.

Martin Fengel: Da muss ich meinen Eltern Danke sagen. Ich hab mit 13 angefangen, Klarinette zu spielen. Mit 17 wurde ich Punk, da passte die Klarinette nicht mehr so. Ich hab mich aber lange nicht getraut, das meinen Eltern zu sagen, weil die soviel Geld für Stunden ausgegeben haben. Ich hab' mir ein Saxofon gekauft, später den Ska entdeckt, Band wie Specials oder Madness. Und so weiter. Wenn man neugierig ist, kann man in vielen Bereichen etwas lernen.

BR.de: Sie haben mal gesagt, man habe sich irgendwann verständigt, wie ein Atompilz aussieht oder dass man eine Pizza von oben fotografiert - ein objektives Abbild der Welt sei das aber nicht. Von welcher Seite würden Sie die Pizza denn fotografieren?

Martin Fengel: Damit meine ich nicht, dass man das Rad dauernd neu erfinden muss. Ein Stoppschild ist prima, weil es jeder wiedererkennt. Mich interessiert halt: Wie sieht die Martin-Fengel-Version von etwas aus? Ich will etwas dazugeben, aus einem bestehenden Mosaik ein Größeres machen und mich überraschen lassen. Wann kann man schon mal mit einem Paukespieler in Shanghai beim Cocktail über Mozart reden?

BR.de: Auf diese Weise können Sie, anders als die meisten Fotografenkollegen, von sich sagen, eine U-Bahn-Station gestaltet zu haben.

Fengel-Blumen im U-Bahnhof Moosach

Martin Fengel: Da habe ich eine freie Ausschreibung vom Baureferat mitgemacht, ohne wirklich damit zu rechnen, dass ich gewinne. Mich hat das Thema interessiert. Moosach erinnert mich an Laim, wo ich aufgewachsen bin - ein typisches Stadtrandgebiet.

Die Moosacher sagen selber, dass es bei ihnen leider wenig Besonderes gibt - keinen Zoo, keine Fußballarena oder sowas. Ich habe also oben auf den Wiesen die Blumen abfotografiert, bearbeitet und dann sozusagen nach unten gespiegelt.

BR.de: Vorstadt, U-Bahnhof - da sind sie wieder, die Übergänge und Zusammenhänge.

Martin Fengel: Da sind sie wieder. Und natürlich das Wachsen, die Veränderungen. Wer weiß - vielleicht liegt Moosach in 200 Jahren mitten in der City und die Blumen blühen nur noch unter der Erde.


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