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Die US-Rapperin kämpft für sich selbst "Saweetie macht, was Saweetie für richtig hält"

Die amerikanische Rapperin Saweetie hat noch kein Album draußen - und ist trotzdem schon ein Star. Im Gespräch mit Zündfunk-Reporter Malcolm Ohanwe spricht sie über ihre Musik, ihre Inspiration und was das Wort "Bitch" für sie bedeutet.

Von: Malcolm Ohanwe

Stand: 21.07.2020

Diamonté Quiava Harper ist Anfang 20 und hat frisch das College verlassen, als sie ihre ersten Rap-Videos auf Instagram hochlädt. Sie nennt sich Saweetie nach dem Spitznamen "Sweetie", den ihre Großmutter ihr gegeben hatte, und hat 2017 ihren ersten viralen Hit: "Icy Grl".

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SAWEETIE - ICY GRL (Official Music Video) | Bild: Official Saweetie (via YouTube)

SAWEETIE - ICY GRL (Official Music Video)

"Das war so ein Zufallshit", sagt Saweetie im Interview. "Ich hab ihn in der Absicht geschrieben, mich selbst zu motivieren. Ich war damals Couch-Surferin, hatte kaum Geld, und in dem Song habe ich von einem Lifestyle gerappt, denn ich gerne haben wollte." Der Beat von "Icy Girl" basiert auf dem 2002er Hit "My Neck, My Back" der Rapperin Khia. Die hatte schon vor 20 Jahren ganz explizit und ungeniert über ihre weibliche Sexualität getextet, unter anderem darüber, wie sie sich am liebsten oral befriedigen lässt.

"Ich habe als Kind nicht genau verstanden, worum es in dem Song ging", erzählt Saweeite. "Ich hab als kleines Mädchen so richtig Ärger bekommen, als ich den Song mitgesungen habe. Letztendlich war es egal, dass ich nicht wirklich Ahnung hatte, worum es in dem Song geht. Ich hab aber die Energie gespürt. Das hat mich einfach selbstbewusst gemacht."

Und in diese sexuell expliziten female Fußstapfen tritt Saweetie nun  mit ihren eignen Songs. In ihrem größten Hit „My Type“ räsoniert sie über Typen, die ihr gefallen könnten. Laut Text braucht ihr Auserwählter vor allem zwei Dinge: Viel Geld und ein Geschlechtsorgan in Übergröße.

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Saweetie - My Type (Official Video) | Bild: Official Saweetie (via YouTube)

Saweetie - My Type (Official Video)

Auch wenn sie für ihre expliziten Texte immer wieder angegangen wird: Saweetie findet solche Statements wichtig – gerade wenn sie aus weiblicher Perspektive kommen. "Nur weil ich darüber rede, was ich an Männern mag, bin ich doch nicht hypersexualisiert", sagt sie. Ich bin ein Mensch mit vielen Facetten. Und wenn ich über etwas in meinem Leben reden will, dann mach ich das auch. "

Und genau diese Attitüde, ein Mix aus Glamour und sexueller Selbstbestimmtheit, kann man gut heraushören aus ihrem kommenden Album. Schon der Titel ist programmatisch: Saweetie hat es „Pretty Bitch Music“ genannt. "Es geht darum, den Begriff für sich mit Stärke zu besetzen. Eine 'Bitch' ist für mich jemand, der ein Boss ist: Unabhängig, stark – die aber trotzdem auch viel Spaß haben kann."

Saweeties Ansatz ist nicht neu und fußt auf Kolleginnen wie Lil Kim, Foxy Brown, Missy Elliott oder die erwähnte Khia, die sich das Wort „Bitch“ schon in den 90ern zurückgeholt haben. Auch musikalisch basieren Saweeties Songs oft auf alten Hits. "Icy Grl" ist ein Remake von "My Neck My Back", "My Type" baut auf den 2003er Petey-Pablo-Song "Freek-A-Leek" auf, und ihre neueste Single "Tap In" übernimmt, das den Beat des 2006er Too-Short-Songs "Blow The Whistle" übernimmt.

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Saweetie - Tap In [Official Music Video] | Bild: Official Saweetie (via YouTube)

Saweetie - Tap In [Official Music Video]

Auch das Samplen, sagt sie, tut sie selbstbestimmt. "Viele Leute sampeln, und ich mag es Songs, neu aufzuwärmen. Und nur, weil irgendwelche gelangweilten Bitches mich dafür hassen, werde ich damit nicht aufhören. Oft sagen Leute, wenn ich mich sexy kleide, dass mir ein Label irgendetwas vorschreibt. Nein. Saweetie trifft ihre eigenen Entscheidungen und macht genau das, was Saweetie für richtig hält."


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