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Der Mann, der Münchens Bild prägte Das Thema

Stand: 23.12.2013 | Archiv

Bauwerke von Leo von Klenze | Bild: picture-alliance/dpa

Lange Zeit wurde der Architekt und Maler Leo von Klenze (1784–1864) von der Nachwelt wenig beachtet, es haftete ihm der Ruf eines wenig originellen Klassizisten, eines Nachahmers der Antike, eines Hofkünstlers und Fürstengünstlings an. Es stimmt ja auch, dass er sich in seinem Schaffen eng an den Vorstellungen des Kronprinzen und zweiten bayerischen Königs Ludwig I. orientieren musste. Ohne die Förderung durch diesen Fürsten, der München zum "Isar-Athen" machen wollte, wäre Klenzes einzigartige Karriere nicht möglich gewesen. Klenze gab München ein neues Gesicht, schuf für die bayerische Metropole eine Art "corporate identity", die das Bild der Stadt bis heute prägt. Sein Einfluss reichte aber weit über München und Bayern hinaus, er war ein in ganz Europa angesehener und gefragter Architekt.

Seit einigen Jahren ist die öffentliche Sensibilität für seine Lebensleistung deutlich gestiegen. Es mag originellere Architekten gegeben haben – aber Klenze war ein einzigartiger Designer, ein großartiger Arrangeur, hatte ein ausgeprägtes Gespür für die psychische Wirkung von Räumen, für die räumliche Inszenierung von Inhalten, für das Zusammenspiel von Funktion und Ausdruck, für die zeitgemäße Aneignung des antiken Baustils und die Bedeutung der Technik für öffentliche Bauten.

Werdegang

Leo von Klenze wurde am 29. Februar 1784 in Buchladen bei Schladen als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Nach der Schulzeit in Braunschweig ließ man ihn Jura studieren, aber er begeisterte sich vor allem unter dem Einfluss des Architekten Friedrich Gilly für das Architekturstudium, das er an der Berliner Bauakademie absolvierte. 1808 kam er an den Kasseler Hof, den Napoleons Bruder Jerome regierte, und baute dort sein erstes Theater. Nach Jeromes Sturz im Jahre 1813 ging Klenze mit seiner Frau Felicitas nach Paris, wo er auch den bayerischen Kronprinzen Ludwig kennen lernte. Beide verband die gemeinsame Begeisterung für die Antike. Ludwig überredete Klenze, nach München zu kommen, und verhalf ihm zum Sieg in einem Wettbewerb zur Planung der Glyptothek.

Die Jahre am bayerischen Königshof

Damit begann eine Karriere, im Zuge derer Klenze alle wichtigen Ämter und Titel im bayerischen Bauwesen anhäufte, Millionär wurde, alle Konkurrenten niederhielt und sich den soliden Ruf eines knallharten Karrieristen erwarb. Die Baulust des Bayernkönigs war nicht zu bremsen, galt es doch, das noch junge Königreich Bayern, das nur von Napoleons Gnaden zustande gekommen war, mit Glanz und Größe zu versehen und das durch die napoleonische Fremdherrschaft stark angeschlagene Nationalbewusstsein der Deutschen zu heben.

Die Alte Pinakothek

Klenze baute zunächst das Hofgartentor, dann die Glyptothek für Ludwigs Sammlung antiker Skulpturen, die Alte Pinakothek, eine Gemäldegalerie, er gestaltete Odeonsplatz und Residenz, die große Teile der Ludwighalle, die Ruhmeshalle mit Bavaria, die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle bei Kelheim, sein Ruhm reichte bis nach Russland, wo er die Neue Eremitage in St. Petersburg bauen durfte, eine der schönsten Gemäldegalerien der Welt, und nach Griechenland, wo er bei den Restaurierungsarbeiten an der Akropolis mitwirkte.

Das Verhältnis zwischen Klenze und seinem Auftraggeber und König war nicht immer einfach. Nach den Auseinandersetzungen um die Ludwigstraße, bei deren Planung die Vorstellungen weit auseinander gingen, beauftragte Ludwig einen anderen Architekten, Friedrich von Gärtner, mit Monumentalbauten wie Siegestor, Feldherrnhalle und Bayerischer Staatsbibliothek. Klenze reagierte mit äußerstem Missmut auf den Aufstieg des Rivalen. Als Ludwig 1848 wegen seiner Affäre mit Lola Montez abdanken musste, wurde sein Sohn Maximilian II. König – und erwies sich als ein noch anstrengenderer Bauherr als sein Vater. Klenze verbrachte viel Zeit bei seinen Projekten im Ausland. Er starb am 27. Januar 1827. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Südfriedhof in München.


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