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"I love my jeans …" Die Geschichte der Jeans

Die Geschichte der Jeans - im Levi-Strauss-Museum in Buttenheim bei Bamberg

Stand: 10.12.2014 | Archiv

Symbol Jeans

Mit Jeans verbindet man gern Rebellion, Freiheit, Jugend, Rock'n Roll und Demokratie. Aber damit sind die Bedeutungen von Jeanshosen noch lange nicht erschöpft. Denn immer wieder neu werden Wünsche, Vorstellungen, Sehnsüchte und Lebensgefühle in das textile Kulturgut hineingelegt. Eines steht jedoch fest: die Jeans hat die ganze Welt erobert.

Wie alles begann oder: Loeb Strauss hatte eine gute Idee

Er hat der Welt die Blue Jeans geschenkt: Levi Strauss, wie er sich in Amerika nannte. Vorher, im fränkischen Buttenheim bei Bamberg hieß er noch Loeb Strauss und war der Sohn eines jüdischen Hausierers. Die Familie mit fünf Kindern war arm, und als der Vater an Tuberkulose starb, zählte Loeb gerade mal 16 Jahre. Seine älteren Brüder waren schon nach Amerika ausgewandert und versuchten in New York ihr Glück mit einem Textilhandel. Loebs Mutter Rebecca wanderte 1847 ebenfalls mit dem 18-jährigen Loeb und seinen zwei Schwestern nach New York aus und Loeb stieg in das Geschäft seiner Brüder ein. Als die ersten Nachrichten von Goldfunden an der kalifornischen Westküste in der Lower East Side von New York ankamen, ließen sich die Strauss-Männer vom Goldrausch anstecken und zogen gegen Westen. In San Francisco eröffneten sie 1853 einen Handel mit Kurzwaren und Stoffen. Levi Strauss bekam bald mit, dass die Goldgräber strapazierfähige Hosen brauchten. Der Schriftsteller und Komponist Michael Shapiro, der Levi Strauss zu den hundert einflussreichsten Juden der Geschichte zählt, beschreibt in seiner Erfolgsgeschichte des Levi Strauss die Anfänge der Jeans so: "Eines Tages sprach ihn ein hartgesottener Goldgräber an, was er zu verkaufen hat. Levi bot ihm ein Zelt an. Der Goldschürfer sagt, er braucht kein Zelt, er braucht Hosen. Levi ergriff seine Chance und seinen Kunden, maß ihn ab und versprach ihm, eine Hose, die sitzt. In der Nähe fand Levi einen Schneider und ließ eine Hose aus Zeltstoff nähen. Die Hose hatte große Taschen, in die auch Goldnuggets und Werkzeuge passten. Der Goldgräber war zufrieden und Levi hatte 6 Dollar eingenommen, in Goldstaub. Der Ruf von "those pants of Levi's" verbreiteten sich und wurde zum großen Renner unter den Goldsuchern."

Das Unternehmen Blue Jeans

Der kometenhafte Aufstieg des Levi Strauss begann - seine Firma, die Levi Strauss Company war gegründet. Zunächst waren die Hosen noch aus braunem Zeltstoff genäht. Alsbald sattelte Levi Strauss auf Denim um, einen mit Indigoblau gefärbtem Baumwollstoff. Die Nähte der Hosentaschen ließen noch zu wünschen übrig und rissen aus, da die Goldschürfer ihre Hosentaschen mit Goldfunden und allerhand Materialien aus den Minen voll stopften. 1870 kam Jacob Davis, ein Schneider aus Reno, auf die Idee, die Ecken der Hosentaschen und das untere Ende des Hosenlatzes mit Nieten eines Pferdegeschirrs zu verstärken. Da er für die Patentierung dieses Verfahrens kein Geld hatte, wandte er sich an Levi Strauss, der ihm Stoffballen lieferte. Strauss förderte das Vorhaben und bekam zusammen mit Davis 1873 ein Patent auf diese Art von Hüftoveralls. Diese vernieteten Hosen stießen überall auf eine riesige Nachfrage. Im gleichen Jahr wurden noch fast 6.000 Hosen und Mäntel aus Denim verkauft, die in zwei Fabriken produziert wurden. Zehn Jahre später arbeiteten fast 600 Angestellte im Unternehmen - Levi Strauss war ein gemachter Mann. In den 1890er Jahren konnte man Levi Strauß jeden Morgen um Schlag zehn seine wunderschöne Villa in der Leavenworth Street in San Francisco verlassen sehen. Da begab sich der Herr in feierliches Schwarz gekleidet, mit Zylinder und Gehrock, in den eleganten Hauptsitz seiner Firma, 14 - 16 Battery Street. Er war inzwischen Millionär, Großgrundbesitzer, Aufsichtsrat der Liverpool London and Globe Insurance Company, Stifter eines Lehrstuhls für jüdische Geschichte und Gönner von Waisenhäusern. 1902 verstarb Levi Strauss plötzlich. Da er selbst keine Familie hatte, erbten die Firma seine vier Neffen. Heute arbeiten in der Levi Strauss Company etwa 11.000 Mitarbeiter.

Der weltweite Siegeszug der Jeans

Ursprünglich war die Jeans Arbeitshose der Goldgräber in der Sierra Nevada. In den 1930er Jahren fand sie auch ihren Weg an die Ostküste. Damals war es unter den Ostküstlern schick, sich zur Erholung an die Westküste in die freie Natur zu begeben. Auf der dude ranch konnten sich die Bankangestellten und Verkäuferinnen als Cowboys und Cowgirls verkleiden und dem einfachen Leben frönen. Diesen Westwärtsziehenden riet 1935 die New York Times, an die Westküste nur alte Sachen mitzunehmen und dort eine Levi's Jeans zu kaufen. Im Reisegepäck dieser Ostküstler hielt die Jeans Einzug an die amerikanische Ostküste. Nun nicht mehr als Arbeitshose, sondern als bequeme Freizeithose beim Segeln, Fischen und Campen. Im Zweiten Weltkrieg schafften die Jeans es auch bis über den großen Teich nach Europa: die GIs brachten sie mit und nach 1945, im Rahmen des Marshallplans, des riesigen Aufbauprogramms für das zerstörte Europa, gelangten sie auch nach Deutschland: Sie waren plötzlich das Symbol für Freiheit und Demokratie. Sie hat es einmal Richard Martin, der Kurator der Modeabteilung am New Yorker Museum of Modern Art ausgedrückt: "Als anerkannte Botschafter haben die Blue Jeans überall in der Welt eine wichtige Rolle übernommen: sie werben für Demokratie, Freiheit und ein Leben, wo man beständig zwischen vielen Möglichkeiten wählen kann".


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