Bayern 2 - radioWissen


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Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 17.03.2014 | Archiv

Vorarbeit

  • Lernziele: Die Schülerinnen und Schüler sollen die Vorgeschichte und die Abläufe des Hitler-Putsches von 1923 kennen lernen. Sie erfahren auch, dass der folgende Prozess gegen Hitler zugunsten des Angeklagten geführt wurde. Dabei wird deutlich, dass die bayerische Justiz damals die Gefahr von rechts nicht erkannte - oder sie nicht sehen wollte. Zudem werden die Schülerinnen und Schüler angeregt, über die Folgen des Hitler-Putsches und die Notwendigkeit einer "wehrhaften Demokratie" nachzudenken.

Einsatz im Unterricht

  • Hinführung zum Thema: Die Sendung beleuchtet den gescheiterten Putsch Hitlers vom 8./9. November 1923 in München. Dem "Führer" und einigen Mitverschwörern wird wenig später der Prozess gemacht. Am 1. April 1924 ergeht das Urteil: Hitler wird wegen Hochverrats zu fünf Jahren Haft in der Festung Landsberg verurteilt - und schon nach wenigen Monaten wieder entlassen. Der Österreicher Hitler wird nicht aus Deutschland ausgewiesen. Er darf schon 1925 daran gehen, seine NSDAP zu reorganisieren und den Aufbau auch einer norddeutschen Parteiorganisation voranzutreiben. Die Hörer erfahren viel über die Motive Hitlers, Politiker zu werden, über seine Tätigkeit als V-Mann für die Reichswehr und über die Gründung der NS-Bewegung. Deutlich werden sein Hass auf die Demokratie, seine von Antisemitismus und Rassismus geprägte Gedankenwelt. Die Sendung ist deshalb gut geeignet, den Schülerinnen und Schülern die Anfänge der NSDAP nahe zu bringen. Sie zeigt auch, dass sich in der "Ordnungszelle" München neben Hitler zahlreiche Feinde der Weimarer Republik tummeln und von bayerischen Regierungsvertretern wie dem Ministerpräsidenten und Generalstaatskommissar Gustav von Kahr geschützt werden. Deutlich wird, dass die Münchner Justiz in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg auf dem rechten Auge blind ist. Täter von links werden mit Härte behandelt, Täter von rechts dürfen mit Milde rechnen. Als Hitler 1924 vor Gericht steht, herrscht im Saal eine nazi-freundliche Atmosphäre. Hitler kann ohne Zeitbegrenzung reden und Zeugen ins Kreuzverhör nehmen. Seine Haft in Landsberg, wo er "Mein Kampf" diktiert, gleicht einem Hotelaufenthalt.
  • Eine gänzlich andere Behandlung - auch das sollen die Schülerinnen und Schüler erfahren - erleben die linksgerichteten Aktivisten der Münchner Räterepublik. Der Schriftsteller Ernst Toller (1893-1939) wird am 16. Juli 1919 zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, die er größtenteils in der Justizvollzugsanstalt Niederschönenfeld verbüßt. Ins Gerichtsgebäude führt man ihn schwer bewacht, mit Handschellen gefesselt. Im Gefängnis kommt er immer wieder in Einzelhaft, man entzieht ihm den Hofgang, er erhält häufig Besuchs- und Zeitungssperre, seine Briefe werden zensiert. Der Schriftsteller Erich Mühsam (1878-1934) wird am 12. Juli 1919 zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt und kommt nach einer Amnestie im Dezember 1924 wieder frei. Auch er sitzt in Niederschönenfeld, "Bayerns Sibirien", wiederholt in Einzelhaft. Eugen Leviné (1883-1919), Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, Kommunist und einer der Anführer der Rätebewegung, wird im Mai 1919 vor ein Sondergericht gestellt. Am 4. Juni tritt er ähnlich theatralisch vor seine Richter wie Hitler ein paar Jahre später. Leviné erklärt: "Wir Kommunisten sind alle Tote auf Urlaub. Sie mögen jetzt entscheiden, ob mein Urlaubsgesuch noch einmal verlängert wird, oder ob ich eingezogen werde zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg". Wenig später wird er erschossen.
  • Bevor die Sendung gehört wird, sollte die Lage angesprochen werden, in der sich Deutschland 1923 befindet. Der Ruhrkampf erschüttert die Wirtschaft, die Inflation, die schon zu Kriegsbeginn 1914 in Gang kam, galoppiert. Weite Teile der Bevölkerung verarmen, Löhne sind bald nichts mehr wert. Die umlaufende Geldmenge übersteigt das Warenangebot, die Preise klettern unaufhaltsam in die Höhe. Währenddessen kann die Industrie zu niedrigen Löhnen produzieren und den Export steigern. Kredite zahlen die Wirtschaftsbosse mit wertlosem Papiergeld zurück. Während Spekulanten riesige Gewinne machen, glauben nicht wenige Deutsche, das verhasste "Weimarer System" sei schuld am Niedergang. Der passive Widerstand im Ruhrgebiet geht vielen Rechten nicht weit genug, sie fordern ein aktives Vorgehen mit Waffen und Bombenanschläge auf die französischen Besatzer. Dass Reichkanzler Stresemann den Widerstand im September 1923 beendet, bringt für sie das Fass zum Überlaufen. In Bayern schwadronieren Hitler und Ludendorff vom "Marsch auf Berlin", um die "Ruhrverräter" aus dem Amt zu jagen.

Nacharbeit

Nachbearbeitung: Die Klasse befasst sich mit den Arbeitsblättern. Arbeitsblatt 1 beschäftigt sich mit der Vorgeschichte des Hitlerputsches. Arbeitsblatt 2 widmet sich den Ereignissen am 8./9. November 1923. Die Arbeitsblätter 3 und 4 fassen die Folgen von Hitlerputsch und -prozess zusammen.
Zur Analyse des Hitlerputsches können Arbeitsgruppen gebildet werden.
1. "Ordnungszelle" Bayern
2. München 1923 - Nährboden für einen Putschversuch
3. Aufstieg der NSDAP 1919 bis 1923
4. Hitlerprozess - ein Feind der Republik wird hofiert
5. Kampf gegen Rechtsradikalismus heute - was ist eine wehrhafte Demokratie?

Lehrplanbezug

Lehrplan für die bayerische Mittelschule
Geschichte - Sozialkunde - Erdkunde
8. Jahrgangsstufe
8.6 Demokratie und NS-Diktatur
8.6.1 Die Weimarer Republik
- vom Kaiserreich zur Republik
- die erste demokratische Verfassung in Deutschland
- schwindende Akzeptanz der Republik in allen sozialen Schichten
- Aufstieg der NSDAP

Lehrplan für die bayerische Realschule
Geschichte
9. Jahrgangsstufe
9.4 Erfolg und Scheitern der Weimarer Republik
Die Anfangsjahre
- die Gründung der Republik im Schatten der Dolchstoßlegende und des Versailler Vertrags
- Belastungen und Bedrohungen

Lehrplan für das bayerische Gymnasium
Geschichte
9. Jahrgangsstufe
9.1 Weimarer Republik
- Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung als Grundlegung der Demokratie
- Krisenjahre bis 1923: Reparationen, Inflation, extremistische Gefährdungen


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