Bayern 2 - radioWissen


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Der Mann hinter Hitler

Von: Kathrin Hasselbeck / Sendung: Christian Feldmann

Stand: 22.04.2013 | Archiv

GeschichteMS, RS, Gy

Eine Kindheit auf Märchenschlössern

Schon früh kam Göring in Kontakt mit den Herrlichkeiten des Luxus. Er lebte mit seinen Eltern bei seinem jüdischen Patenonkel Hermann Ritter von Epenstein, dem Geliebten seiner Mutter. In der Schule wurde Göring seinem hohen IQ kaum gerecht, erst spät begann er sich zusammenzureißen und schloss schließlich die Offiziersprüfung mit Bestnoten ab. Entsprechend begeisterte ihn der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in dem er sich im Alter von nur 21 Jahren bereits das Eiserne Kreuz, und als Jagdstaffelkommandant sogar den höchsten preußischen Kriegsorden verdient. Göring ist ein Held.

Begegnung mit Adolf Hitler

Nach dem Krieg fällt er in ein Loch, schlägt sich in Skandinavien als Kunstflieger durch, wo er seiner ersten Frau Carin von Kantzow begegnet. 1922 trifft er den Propagandaredner Adolf Hitler, ist sofort von dessen Charisma eingenommen. Hitler wiederum kann einen öffentlichkeitswirksamen Kriegshelden gut gebrauchen - eine Doppelkarriere beginnt. In kürzester Zeit bringt Göring Disziplin in die SA, die Sturmabteilung der NSDAP. Doch der Versuch der Machtergreifung am 9. November 1923 in München scheitert, Göring wird angeschossen. Aufgrund seiner Schmerzen kommt er erstmals mit Morphium in Kontakt, einer Droge, von der er nie wieder loskommt. Eine Zeitlang verliert Göring den Lebensmut, muss sogar in eine Psychiatrie zwangseingewiesen werden.

Machtergreifung - Die fetten Jahre des Hermann Göring

1928 zieht Göring als Abgeordneter der NSDAP in den Reichstag ein. Erneut leistet er Hitler wertvolle Dienste - er ist beliebt, charmant und überzeugend, knüpft mühelos Beziehungen in alle Richtungen. Nach der Machtübernahme ernennt Hitler ihn zum Ministerpräsidenten. Göring strahlt eine positive Zukunft aus, suggeriert den Deutschen, dass sie in guten Händen sind. Im Hintergrund aber richtet er heimlich ein Spitzelsystem ein, das ihn über parteiinterne Rivalen - allen voran Joseph Goebbels - informiert. Aus Machthunger hält er sich an Hitler, macht sich zu dessen persönlichem Diener. Gleichzeitig hält er sich von der NSDAP und ihrer Ideologie fern. Von Hitler wird er für seine Treue mit immer neuen Titeln und Ämtern belohnt. Macht, Reichtum und Einfluss ermöglichen es Göring, Kunstschätze, Autos, Häuser anzuschaffen - er regiert wie ein Barockfürst auf seinem Herrensitz, den er nach seiner verstorbenen ersten Frau Carinhall nennt.

Zweiter Weltkrieg

Ganz wohl ist Göring nicht, als Hitler nach und nach Polen, Belgien und Frankreich angreift. Als Militärexperte weiß er, dass Deutschland für so einen großen Krieg nicht gerüstet ist. Auch den Judenhass Hitlers teilt er nicht - allerdings kommt es ihm gelegen, Geld und Besitz der enteigneten Juden für sich zu beanspruchen. Darüber hinaus organisiert Göring die systematische Ausschaltung der Juden aus der deutschen Wirtschaft. Im Kriegsgeschehen trägt Göring die Verantwortung für die Luftwaffe. Zunächst noch euphorisiert ("Ich will Meier heißen, wenn je ein feindlicher Bomber das Reichsgebiet erreicht"), schrumpft seine Luftflotte, ohne dass die Verluste ausgeglichen werden können. Schließlich flieht Göring 1944 auf seinen Herrensitz, nachdem er bei der Versorgung der sechsten Armee bei Stalingrad versagt hat. Er konzentriert sich nur mehr auf das Sammeln der Raubkunst.

Kriegsende und Militärgericht

In den letzten Kriegstagen, Göring hatte sich nach Berchtesgaden abgesetzt, bietet er Hitler an, die Gesamtführung des Reichs zu übernehmen. Daraufhin wird er von Hitler - kurz vor dessen Selbstmord - noch aus der Partei ausgeschlossen. Doch da hatte Göring bereits aufgrund der Morphiumsucht seinen Realitätssinn verloren. Nach kurzer Zeit in amerikanischer Gefangenschaft landet er vor dem internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg und wird am 1.10.1946 zum Tode verurteilt. Weil er Erhängen als unwürdig empfindet, sein Antrag auf Erschießung jedoch abgelehnt wird, begeht Hermann Göring kurz vor seinem Hinrichtungstermin Selbstmord mit einer Zyankalikapsel.


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