Bayern 2 - radioWissen


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Download-Service Einsatz im Unterricht

Published at: 2-5-2016 | Archiv

Vorarbeit

Lernziele: Die Schülerinnen und Schüler werden in die Geschichte der Bierherstellung eingeführt. Die Spanne reicht dabei vom Brotbrei der Sumerer bis zur industriellen Biererzeugung unserer Tage. Sie verstehen die wirtschaftliche Bedeutung der Bierproduktion und lernen das Reinheitsgebot von 1516 als bedeutende lebensmittelrechtliche Bestimmung kennen.
Am Beispiel des Biers werden sie angeregt, darüber nachzudenken, wie die Genussfreude von Menschen Wissenschaft und Technik zu Höchstleistungen anspornen kann.
Darüber hinaus erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie konventionelle Brauer heute denken und arbeiten. Zudem werden sie über Aktivitäten von Bierliebhabern informiert, die die Tradition des häuslichen Bierbrauens wiederbeleben oder neue Biere mit verschiedenen Geschmacksrichtungen kreieren.
Dabei behalten sie aber - bei aller Liebe zum weiß-blauen Kultgetränk - stets im Blick, dass Alkoholkonsum mit Gesundheitsrisiken verbunden ist.

Einsatz im Unterricht

Hinführung zum Thema: Die Schülerinnen und Schüler kennen Bier - als Massen- und Modegetränk, als Teil der Wirtshauskultur, als Wegbegleiter zur "Gemütlichkeit", aber auch als Rauschmittel. Es dürfte nicht schwerfallen, sie für die Thematik zu interessieren.
Zum Einstieg betrachtet (googelt) die Klasse Bilder des Künstlers Max Liebermann (1847-1935), der sich in seiner Münchner Zeit bevorzugt mit Biergärten beschäftigte. Danach werden aktuelle Aufnahmen vom Münchner Oktoberfest gesichtet. Die Schüler versuchen die jeweilige Stimmung zu beschreiben und äußern Vermutungen, welche Rolle das Bier dabei spielt. Außerdem berichten sie, was sie über Bayerns Verbundenheit mit dem Bier wissen. Schüler/innen mit Migrationshintergrund erzählen, welche Bedeutung dem Bier in ihren Herkunftsländern beigemessen wird.
Es dürfte der Eindruck entstehen, dass das Bier in vielen Teilen der Welt fest zur Kulturgeschichte gehört. Die Lehrkraft bestätigt dies und erklärt, dass das Bier den Menschen seit Jahrtausenden bekannt ist.

Nacharbeit

Nachbearbeitung: Zu Sicherung des Wissens beschäftigt sich die Klasse mit den Arbeitsblättern. Arbeitsblatt 1 (in Verbindung mit den Audioclips 1 und 2) hilft, einen Überblick über die historische Entwicklung des Bierbrauens zu gewinnen. Arbeitsblatt 2 beschäftigt sich mit dem Reinheitsgebot von 1516. Arbeitsblatt 3 lenkt den Blick auf ökonomische Aspekte des Brauwesens und hilft Wissen über das Bierbrauen zu sichern.
Neben einem Besuch der Bayerischen Landesausstellung 2016 bietet sich auch ein Abstecher in ein lokales Biermuseum an. Allein in Bayern gibt es etwa 30 Biermuseen. Dabei sollte die Lehrkraft mit den Jugendlichen auch über Gesundheitsrisiken beim Alkoholkonsum sprechen und auf Nebeneffekte wie die Beeinträchtigung von Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit (Straßenverkehr!), Wahrnehmung und Urteilskraft hinweisen. Auch zuweilen obskure Genussempfehlungen in Biermuseen müssen infrage gestellt werden.
Das Thema Gesundheit spielt für die Macher der Landesausstellung 2016 eine wichtige Rolle. Schulklassen durchqueren eine Art Schleuse, in der sie mit den Schattenseiten des Bierkonsums vertraut gemacht werden. Sie können unter anderem ein "Münchner Bierherz" begutachten, eine besonders eindruckvolle Herzvergrößerung, die Ärzte bei Wirten, Brauern, Bierfahrern feststellten.
Bei den Schülerinnen und Schülern sollte die Botschaft ankommen, dass es neben gewissen Biervernichtungsorgien ("oans, zwoa, gsuffa") auch feinsinnig-dezente Formen des Biergenießens gibt, beispielsweise indem man ausgewählte Biere zu bestimmten Speisen trinkt. Beim Biertrinken ist eben nicht der Rausch wichtig, sondern der Genuss - alkoholfreie Biere bieten sich längst als Alternative an.
Weitere Arbeitsaufträge/Diskussion: In der Sendung berichtet der gelernte Brauer P. Pausinger, der in vierter Generation in einem Privatbetrieb tätig ist, von seiner Arbeit (Audioclip 3). Warum hält er Bierbrauen für eine "Kunst", was versteht er unter einem "Gefühl für das Bier"?
Bier und Wein wurden vor Tausenden von Jahren erfunden und haben sich bis heute weiterentwickelt. Erstaunlich ist, dass sie immer wieder in Konkurrenz zueinander gebracht werden. Und nicht selten blicken Weintrinker auf Biertrinker herab. Wie lässt sich erklären, dass Bier zuweilen in den Ruf eines "Prolo-Gesöffs", eines proletarischen Rauschmittels, geriet? Warum konnte sich der Wein als exklusives Getränk positionieren?
Das in Deutschland nach wie vor gültige Reinheitsgebot von 1516 hat als Lebensmittelgesetz Weltruhm erlangt. In jüngster Zeit wird die Kritik am Reinheitsgebot jedoch lauter. Hersteller von "Craft-Bieren" (engl. craft= Handwerk), die von fruchtig bis salzig alle Geschmacksrichtungen bedienen, vielerlei Getreide, Mais und Reis verwenden und auch vor der Zugabe von Kräutern nicht zurückschrecken, sehen sich in Deutschland in ihrer Kreativität eingeengt. Sie fordern die Aufhebung des Reinheitsgebots, um hierzulande ungehindert produzieren und verkaufen zu können. Was ist davon zu halten?

Lehrplanbezug

Lehrplan für die bayerische Mittelschule
Arbeit-Wirtschaft-Technik
6. Jahrgangsstufe
6.3 Mensch und Technik im Arbeitsprozess
7. Jahrgangsstufe
7.4 Arbeit und Technik im privaten Haushalt
Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde
5. Jahrgangsstufe
5.3 Vorgeschichte
5.3.1 Menschen in der Frühzeit
- wandernde Jäger und Sammler in der Altsteinzeit 
- sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter in der Jungsteinzeit (ab ca. 5 000 v. Chr.)
6. Jahrgangsstufe
6.5 Das Mittelalter
6.5.3 Lebensformen
- klösterliche Lebenswelt
8. Jahrgangsstufe
8.2 Industrielle Revolution und nationale Einheit
8.2.1 Merkmale der industriellen Revolution - von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft

Lehrplan für die bayerische Realschule
Geschichte
6. Jahrgangsstufe
6.1 Menschen in der Vor- und Frühzeit
- Leben in der Jungsteinzeit: Sesshaftwerden, Ackerbau und Viehzucht, neue Techniken
7. Jahrgangsstufe
7.2 Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur im Mittelalter
- Leben und Arbeiten auf dem Dorf
- Alltagsleben
- Leben und Arbeiten in der Stadt
9. Jahrgangsstufe
9.1 Industrialisierung und Wandel des europäischen Staatensystems
9.6 Wiederholen, vertiefen, verknüpfen. Regionalgeschichtliches Unterrichtsvorhaben: industrielle Entwicklung im Heimatraum (mögliche Aspekte: Betriebsgeschichte(n), Aufstieg und Fall von Industriebetrieben; Geschichte selbst präsentieren: Dokumentation von Bild- und Textmaterial als Ausstellung oder als Zeitung; ein Hörbild entwickeln; Spurensuche mit der Kamera
10. Jahrgangsstufe
10.5 Wiederholen, vertiefen, verknüpfen. Regionalgeschichtliches Unterrichtsvorhaben: Geschichte des Heimatortes, -raumes im 20. Jahrhundert (mögliche Aspekte: wirtschaftliche Entwicklung der Heimatregion)

Lehrplan für das bayerische Gymnasium
Geschichte
6. Jahrgangsstufe
6.2 Menschen in vorgeschichtlicher Zeit
- Jäger und Sammler der Altsteinzeit
- Bauern der Jungsteinzeit
8. Jahrgangsstufe
8.2 Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland 1850 bis 1914: Merkmale der Industrialisierung, Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft.
8.4 Jahrgangsstufenbezogene exemplarische Vertiefungen: Veränderungen in den zu Beginn des 19. Jahrhunderts neu zu Bayern gekommenen Regionen; Urbanisierung im 19. und frühen 20. Jahrhundert, z. B. München in der Prinzregentenzeit; Nürnbergs Entwicklung während der Industrialisierung; Augsburg auf dem Weg zu einem modernen Wirtschafts- und Industriezentrum; Entwicklung des ländlichen Raums im Zeitalter der Industrialisierung an bayerischen Beispielen
11. Jahrgangsstufe
11.1.2 Leben in der entstehenden Industriegesellschaft des 19. Jahrhunderts: Kennzeichen der Industrialisierung im Überblick und Besonderheiten der Entwicklung in Bayern


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