Bayern 2 - radioWissen


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Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 14.01.2014 | Archiv

Vorarbeit

Zielsetzung der Unterrichtseinheit

Die Schülerinnen und Schüler werden auf die Fragwürdigkeit des persönlichen Glücks aufmerksam gemacht und lernen verschiedene Vorstellungen dazu kennen, und diese einzuordnen. Im Vordergrund stehen philosophische Thesen, es soll aber klar werden, dass sich verschiedene Disziplinen mit Glück beschäftigen und dass es mitunter sehr konträre Positionen gibt, für die sich jeweils argumentieren lässt. In der Jahrgangsstufe 10 und 11 sollte besonderer Wert auf die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler gelegt werden: Ihnen wird gezeigt, dass sie aus dem Unterricht Anregungen für eigenes Leben mitnehmen können. In den Klassen 12 und 13 kann die historische Entwicklung der Glückskonzepte stärker betont, und gegebenenfalls in einer folgenden Unterrichtsreihe ausgeführt werden.

Einführung

Als erster Einstieg wird das Wort "Glück" groß in die Mitte der Tafel geschrieben. Darum herum erstellen die Schülerinnen und Schüler eine Mind-Map: Welche Situationen und Erlebnisse verbinden sie mit Glück? Welche verschiedenen Aspekte und Assoziationen sind möglich? Aber auch: Was kann das Glück stören? Hier sollten noch keine weiteren Vorgaben gemacht werden, spontane Antworten sind vielfältiger, weil ungefiltert.

Um anschließend Ordnung in diese Vielfalt zu bringen, sollte zunächst eine Begriffsklärung vorgenommen werden. Was ist der Unterschied zwischen "Glück haben" und "glücklich sein"? Impliziert eins das andere? "Glück" kann sich sowohl auf eine schicksalhafte Fügung oder eine zufällige Verkettung von Umständen mit positivem Ergebnis beziehen, als auch auf einen bestimmten Gefühlszustand. Für die erste Bedeutung ist wesentlich, dass dem Glücklichen etwas passiert, dass er nicht selbst aktiv geworden ist. Die zweite Bedeutung hingegen ist nicht das Zustandekommen des positiven Zustandes, sondern dieser selbst. In der folgenden Unterrichtseinheit, das sollte allen deutlich werden, geht es um die zweite Bedeutung.

Alternativ dazu könnte auch ein Gedankenexperiment (Quelle: G. Münnix: Menschlich? Philosophie für Einsteiger. Klett. Leipzig 1997, S. 62) durchgeführt werden. Der Arbeitsauftrag lautet: "Wenn eine Glücksfee dir drei Wünsche erfüllen würde, was würdest du wählen? Schreibe deine Wünsche auf eine Karte ohne Namen." Die Schülerinnen und Schüler können im Anschluss versuchen, die Wünsche ihren Klassenkameraden zuzuordnen. Oder aber sie erstellen eine "Hitliste" der beliebtesten Angaben. Danach kann diskutiert werden, ob diese das eigene Glück betreffen (schließlich kann es auch andere Prioritäten im Leben geben), und wenn ja, inwiefern.

Warum ist es interessant, sich im Unterricht mit Glück zu beschäftigen? Als "roter Faden" für den Unterricht sollten an dieser Stelle Leitfragen gefunden werden, am besten auch an die Tafel geschrieben. Die Schüler und Schülerinnen selbst können versuchen, sinnvolle Leitfragen zu finden, etwa "Wer hat Theorien des Glücks aufgestellt?", "Kann ich Glück herbeiführen?", "Welche Arten von Glück gibt es?" oder "Ist jedes Glück gleichwertig?". Dies kann der Unterrichtseinheit über dieses Thema, das ja leicht dazu neigt, auszuufern, eine Orientierung geben und am Ende wieder aufgegriffen werden.

Einsatz im Unterricht

Hören

Der Radiobeitrag sollte im Ganzen angehört werden, da sich die verschiedenen Ansätze, die in ihm auftauchen, immer wieder abwechseln. Die Schülerinnen und Schüler bekommen den Auftrag, in zwei Gruppen das Hörblatt vor der Sendung sorgfältig durchzulesen und während der Sendung die Informationen, welche sie entnehmen konnten, einzutragen. Hörverständnislücken - welche notwendigerweise auftreten werden - können in der nachfolgenden Zusammenfassung untereinander ausgeglichen werden. Je nach Vorwissen der Schüler können einzelne Personen oder Begriffe mit Hilfe des Glossars vorentlastet werden:

Nacharbeit

Ergebnissicherung

Anhand des Hörblattes wird nun im Klassengespräch das Gehörte wiederholt, die Schülerinnen und Schüler schreiben die Ergebnisse mit. Sie haben hier die Gelegenheit, zu den einzelnen Punkten Fragen zu stellen und schwierige Stellen zu diskutieren.

Vertiefung

Um die neuen Informationen besser zu verstehen, kann das Arbeitsblatt 2 in Einzel- oder Partnerarbeit ausgefüllt werden. Hier setzen sich die Lernenden v.a. auch mit ihren eigenen Ansichten zum Thema Glück auseinander. Im Anschluss lesen die Schülerinnen und Schüler einige der Vorschläge vor:

Projekt: Interview

Mit Hilfe des bereits erworbenen Wissens sollen die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen einen interessanten Menschen aus ihrem Umfeld interviewen und mit ihm besprechen, auf welche Weise er Glück erlebt hat, oder auch, welches Glück er sich gewünscht hätte. Zu erfragen wäre ebenfalls die Entwicklung des Glücksbegriffs im Leben des Interviewten. Bei der Auswahl der Interviewpartner ist darauf zu achten, dass möglichst verschiedene Berufsgruppen, Altersklassen, vielleicht sogar Nationalitäten berücksichtigt werden. Die Fragen sollten sorgfältig vorbereitet werden. Bei der späteren Präsentation der abgeschlossenen Interviews in der Klasse (in geschriebener Form oder als Hörbeitrag) sollten Bezüge zu behandelten Positionen hergestellt werden. Vielleicht wird in dieser Zusammenschau die Relativität der Glückskonzepte deutlich - dass jeder nämlich unter ganz unterschiedlichen Umständen sein persönliches Glück finden kann. Vielleicht zeichnet sich aber auch ab, was für Glück unabdingbar ist. 

Übersicht

Die Leitfragen aus der Einführungsphase sollen zum Abschluss stichpunktartig beantwortet werden. Eine solche Übersicht eignet sich gut als Grundlage für eine folgende Unterrichtsreihe, in der weitere Positionen zum Glück besprochen werden, oder als Abschluss einer solchen Reihe.

Interdisziplinäres

Mit der Lehrkraft für Deutsch oder Biologie kann das Thema Glück interdisziplinär behandelt werden. Im "Faust" etwa findet man reichhaltiges Material zum Zusammenhang zwischen Glück und Liebe. Nachdem man die biologische Grundlage von Glücksgefühlen kennen gelernt hat, wäre zu fragen, welche Aspekte des Glücks von den Naturwissenschaften nicht erfasst werden können.

Fragen & Antworten

Eventuell zur Bearbeitung als Hausaufgabe:

Lehrplanbezug

  • Lehrplan für die bayerische Realschule: Ethik, Jahrgangsstufe 9: Verschiedene Antworten auf die Frage nach dem Lebenssinn.
  • Lehrplan für das bayerische Gymnasium: Ethik, Jahrgangsstufe 9: Lebensgestaltung und Sinn des Lebens. Ethik, Jahrgangsstufe 13: Glück. Ethik, Jahrgangsstufe 12 (G 8): Sinnorientierung und Lebensgestaltung.

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