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Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt

Von: Michael Reitz

Stand: 14.04.2010 | Archiv

Ethik und Philosophie / Deutsch und Literatur 

Wohl kaum eine philosophische Richtung des 20. Jahrhunderts wurde so mit einer Lebenshaltung identifiziert wie der Existentialismus. Die Gedanken dieser Philosophie haben weit über den Bereich des bloßen Denkens hinausgewirkt: Der Mensch sei zur radikalen Freiheit verurteilt, er müsse sein Wesen entwerfen, sich einmischen in politische Zustände, wo dieser Entwurf nicht möglich ist.

"Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt." Diese doch irritierende These Sartres beschreibt auf kurze, aber treffende Art eine der wohl populärsten Philosophien unserer Zeit: den Existenzialismus. Denn hier geht es, neben aller Theorie, um die Frage, die einfache Arbeiter ebenso wie Akademiker gleichermaßen beschäftigt: "Was ist der Sinn in meinem Leben?" Die spannende Suche nach Antworten hat große Philosophen des 20. Jahrhunderts, wie Albert Camus, Martin Heidegger oder Jean Paul Sartre, zu erstaunlichen Ideen geführt. Eine der grundlegenden Annahmen des Existenzialismus und seiner Vertreter ist der Glaube an die Freiheit des menschlichen Individuums. Doch ist diese individuelle Chance, ohne Zwang zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten entscheiden zu können, im alltäglichen Leben des Menschen tatsächlich eine kaum zu tragende Last, wie Sartre behauptet?


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