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Glossar Friedrich Schiller

Stand: 24.06.2009 | Archiv

Statue von Friedrich von Schiller | Bild: Michael Latz/dapd
BegriffErklärung
Dreißigjähriger Krieg (1618-1648)Ein Krieg um religiöse Überzeugungen zwischen Protestanten und Katholiken und zugleich ein Krieg um die Machtverhältnisse in Europa. Beteiligt waren Österreich, Spanien, Frankreich, die Niederlande, Dänemark, Schweden und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation - hier fanden auch die verheerendsten Schlachten und Kämpfe statt. Durch den Krieg und seine Folgen (Seuchen, Hungersnöte) wurden ganze Regionen entvölkert. Beendet wurde der Krieg durch den "westfälischen Frieden", unterzeichnet am 24. Oktober 1648 in Münster.
GünstlingswirtschaftEin Günstling ist eine Person, die bei einem einflussreichen Menschen "in der Gunst steht", bei diesem beliebt ist oder sich beliebt gemacht hat. Als Günstlingswirtschaft bezeichnete man zu Zeiten Schillers die weit verbreitete Gewohnheit der regierenden Adelsfamilien, Menschen nicht ihrer Fähigkeit oder Eignung nach zu beschäftigen, sondern nur aufgrund von verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen. Der Begriff (auch: Vetternwirtschaft) bezeichnet heute noch ungerechte Auftragsvergabe oder Korruption.
Karlsschule Stuttgart Die Karlsschule wurde 1770 als Militärwaisenhaus von Herzog Carl Eugen von Württemberg gegründet. 1773 wurde sie zur Herzoglichen Militärakademie umgebildet und war zunächst in der Solitude untergebracht, einem Lustschloss bei Stuttgart. Es gab kaum einen freien Tag, keine Schulferien und keinen Urlaub, nicht einmal zur Beerdigung der eigenen Eltern. Der ganze Schultag war bis ins Letzte eingeteilt. Der despotische und selbstherrliche Herzog betrachtete die Schüler als sein Eigentum und erwartete für seine angeblichen Wohltaten Ehrfurcht und Dankbarkeit. Kleinste Vergehen wurden durch Rutenhiebe, Stockschläge oder Essensentzug streng bestraft.
Naturforschende Gesellschaft Im 18. Jahrhundert entwickelte sich unter den Bürgern ein sehr großes Interesse an den Naturwissenschaften. Man wollte die Geheimnisse der Natur ergründen, die unerforschten Regionen der Erde erkunden, "wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält" (Faust). Um Entdeckungsreisen und Forschungsprojekte zu finanzieren, gründeten interessierte Bürger Gesellschaften und Stiftungen. Eine dieser Stiftungen ist heute noch weltweit aktiv: die "Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft" in Frankfurt am Main.
ObduktionBei einer Obduktion oder Autopsie wird der Zustand von Organen einer Leiche untersucht, um die Todesursache festzustellen oder den Sterbevorgang zu rekonstruieren. Heute werden Obduktionen von medizinischen Spezialisten wie Pathologen oder Rechtsmedizinern ausgeführt.
StändegesellschaftEin Stand bezeichnete bis in das 19. Jahrhundert hinein eine sozial weitgehend abgeschlossene Schicht, die in Herkunft, Bildung und rechtlichem Status von anderen Schichten unterschieden war. Im späten Mittelalter bildeten sich drei Stände heraus: Adel, Bürgertum und Bauern. Gesetzgebende und regierende Gewalt hatte lange Zeit nur der König, der Adel und an manchen Orten auch die geistige Oberschicht (Klerus). Besonders im 18. Jahrhundert nahm die Kritik an diesen ungerechten Verhältnissen stark zu, die Bürger verlangten nach mehr Rechten und mehr Freiheiten.
WundarztÄrzte waren im 18. Jahrhundert nicht so gut ausgebildet und auch nicht so hoch angesehen, wie heute. Auch ihre Heilmittel und Kurmöglichkeiten waren begrenzt. Zu den beliebtesten Kuren für die Patienten zählte zum Beispiel Aderlass, bei dem Patienten Blut abgelassen wurde. In der Armee wurden viel mehr Ärzte als heute beschäftigt, weil in den Schlachten sehr viele Soldaten verwundet wurden.

Personen

Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)

Geboren als Sohn eines wohlhabenden Rates in Frankfurt am Main, gestorben in Weimar. Goethe und Schiller haben mit ihren Werken den Weltruhm deutscher Dichtung begründet. Goethes erster Roman "Die Leiden des jungen Werther" verschafft ihm sofort großes Ansehen und beeinflusst eine ganze Generation junger Menschen so stark, dass manche sogar dem literarischen Helden nacheifern und Selbstmord begehen – die Bewegung des "Sturm und Drang" ist geboren. Goethe wird aber zunächst Jurist, 1775 beruft ihn Herzog Carl August als Berater und Minister nach Weimar. Hier ist er nicht nur literarisch aktiv, sondern widmet sich auch Studien und Abhandlungen zu naturkundlichen Phänomenen (Farbenlehre und Studien zum Zwischenkieferknochen). Hier entstehen aber vor allem seine wichtigsten klassischen Werke, u.a. "Wilhelm Meisters Lehrjahre", "Dichtung und Wahrheit" und "Faust".

Kant, Immanuel (1724-1804)

Er zählt zu den einflussreichsten und berühmtesten deutschen Philosophen. Er wurde in Königsberg geboren, lehrte dort als Professor für Logik und Metaphysik und ist dort auch gestorben. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die "Kritik der reinen Vernunft" (1781) und die "Kritik der praktischen Vernunft" (1788). Zu seinen bekanntesten Lehrsätzen gehört der von ihm formulierte "kategorische Imperativ", der dazu verpflichtet, nur in guter Absicht zu handeln ("Handle nur nach Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde".)

NameWerdegang
Humboldt, Wilhelm Freiherr von (1767-1835)Der Gelehrte und Politiker, älterer Bruder des Naturforschers und Entdeckers Alexander von Humboldt, Freund von Goethe und Schiller, wurde in Potsdam geboren. Er zählte zu den kulturell einflussreichsten Personen seiner Zeit, pflegte den Kontakt zu vielen Intellektuellen und Literaten, aber war auch politisch erfolgreich. Er wurde u.a. Leiter des Kultur- und Unterrichtswesens in Preußen, konzipierte die nach ihm benannte Berliner Universität und das humanistische Gymnasium und vertrat neben Hardenberg die preußischen Interessen auf dem Wiener Kongress.
Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828)Den Standesgenossen war der Herzog (später Großherzog) aufgrund seiner liberalen Haltung verdächtig, beim Volk war er beliebt. Seine Politik galt als reformfreudig und weitsichtig. Als einer der ersten gewährte er nach dem Ende der Befreiungskriege 1816 Pressefreiheit und eine Verfassung. Goethe lernte er auf einer Bildungsreise kennen und holte ihn an seinen Hof nach Weimar. In der Folge entwickelte sich die kleine Stadt zu einem Zentrum des deutschen Geisteslebens.
Karl Eugen von Württemberg (1728-1793)Der Herzog wird aufgrund des frühen Todes des Vaters bereits als Neunjähriger unter Vormundschaft auf den Thron gesetzt, mit 16 wird er zum Landesherrn. Seine Regentschaft ist ein Paradebeispiel für die vom Volk verhasste absolutistische Herrschaft seiner Zeit: er erpresst allein 400 verschiedene Steuern und Abgaben bei seinem Volk, um seinen prunkvollen Hof zu finanzieren. Im Alter wendet er sich der Pädagogik zu und zwingt Eltern und Lehrer, die besten Schüler des Landes in seiner Karlsschule abzuliefern. Er ist in der Gruft des Schlosses Ludwigsburg beigesetzt worden.
Lengefeld, Charlotte (1766-1826)Geboren in Rudolstadt, wo sie gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Caroline aufwuchs. 1787 lernten die Schwestern Friedrich Schiller kennen, der sich in beide verliebte. Von Schiller erhielt sie schließlich einen schriftlichen Heiratsantrag, den sie ebenfalls schriftlich annahm. Am 22. Februar 1790 heirateten die beiden in Wenigenjena, nachdem Friedrich Schiller als Geschichtsprofessor ein minimales Einkommen vorweisen konnte. Zu einer ihrer bekanntesten Freundinnen wurde später in Weimar Charlotte von Stein.
Streicher, Johann Andreas (1761-1833)Der Musiker und Klavierbauer ist Schillers bester Freund und Weggefährte. Streicher leiht ihm Geld, damit Schiller "Die Räuber" in Druck geben kann. Er ist auch dabei, als das Stück in Mannheim uraufgeführt wird. Streicher flieht mit Schiller schließlich auch vor den Verfolgern des Herzogs von Württemberg nach Oggersheim. Streicher und Schiller besuchen wieder gemeinsam 1784 die Uraufführung von "Kabale und Liebe" in Mannheim. Später heiratete er die Tochter eines Klavierbauers und verlegte die Werkstatt nach Wien.
Wallenstein, Albrecht Wenzel Eusebius, Herzog von Friedland und Mecklenburg Berühmter Feldherr während des Dreißigjährigen Krieges. Geboren als böhmischer Adeliger, konvertierte er zum Katholizismus und stand in Diensten der Habsburger. 1625 wurde er zum "Generalissimus" ernannt, zum Oberbefehlshaber über alle Truppen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen. Ihm gelang es, in wechselnden Koalitionen die Dänen aus Norddeutschland und später die Schweden aus Süddeutschland zu vertreiben. Seine Versuche, auch durch Friedensgespräche einen Reichsfrieden zu erreichen, führten zu seiner Absetzung. Später wurde er aufgrund von angeblichen Verschwörungsplänen des Hochverrats bezichtigt und von kaiserlichen Offizieren ermordet.

Schiller, Johann Christoph Friedrich (1759-1805, 1802 zu "von Schiller" geadelt)

Geboren in Marbach am Neckar als Sohn des Wundarztes und Offiziers Johann Kaspar Schiller und dessen Frau Elisabeth Dorothea. Die Eltern waren arm, hofften aber durch eine gute Ausbildung ihrem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen. Schiller erhält ab dem fünften Lebensjahr Unterricht. Nach Besuch einer Eliteschule und Ausbildung zum Regimentsmediziner wird sein erstes Drama "Die Räuber" in Mannheim uraufgeführt und sorgt sofort über die Landesgrenzen hinaus für Schillers Ruhm. Dennoch folgen harte Jahre, in denen Schiller versucht, von seiner Dichtung zu leben. Erst als Geschichtsprofessor in Jena erhält er ein geringes, aber verlässliches Einkommen und heiratet Charlotte von Lengefeld, danach folgen trotz körperlicher Schwäche und Krankheit seine produktivsten Jahre in Jena und später Weimar, in denen er auch von Goethe für sein Werk die verdiente Anerkennung findet. Zu seinen bekanntesten Dramen zählen u.a. "Don Carlos", "Maria Stuart", "Wallenstein", "Wilhelm Tell".
 

Shakespeare, William (1564-1616)

Geboren wurde einer der berühmtesten und heute noch meistzitierten und aufgeführten Dichter, Dramatiker und Schauspieler im englischen Stratford-upon-Avon. Aufgrund seines außerordentlichen Einflusses auf die internationale Literatur- und Geistesgeschichte und seines Genies gilt er gilt als "Ausnahmeerscheinung der Weltkultur". Dabei gibt es trotz intensiver Forschung zu seiner Herkunft und seiner Jugend kaum verlässliche Informationen über seine ersten Jahre. Ab etwa 1589 lebte er in London, wo er als Schauspieler auftrat und später z. B. mit dem Globe Theatre auch an dem Bau und Betrieb von Theatern beteiligt war. Bekannteste Werke u.a.: die Dramen "Hamlet", "Romeo und Julia", "König Lear", "Othello", "Macbeth", "Der Sturm", "Ein Sommernachtstraum", aber auch seine Gedichte.
 


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