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Bettina von Arnim Hüterin der Romantik

Schon als Kind war Bettina von Arnim, die nach dem Tod ihres Vaters ab 1797 bei ihrer Großmutter Sophie La Roche in Offenbach am Main lebte, kein folgsames und stilles Kind. Auch als erwachsene Frau ließ sie sich vor allem durch ihre Gefühle und Neigungen leiten.

Stand: 20.01.2009 | Archiv

Porträt Bettina von Arnim schwarz-weiß | Bild: picture-alliance/dpa

Auch wenn Bettina von Arnim selbst keine akademische Bildung besaß – ein Universitätsstudium war Frauen damals noch nicht möglich – sorgte ihr wacher Geist und ihr ausgeprägtes Bestreben nach Gedankenaustausch dafür, dass sie zu denjenigen Frauen gehörte, die an den romantischen Bestrebungen der damaligen Zeit teilhatten. Zugang zu dem geistigen Zirkel hatte Bettina von Arnim vor allem auch durch ihren Bruder Clemens Brentano, der zusammen mit Achim von Arnim, ihrem späteren Ehemann zu den Hauptvertretern der Heidelberger Romantik zählte. Als eigenständige Schriftstellerin trat Bettina von Arnim jedoch erst nach dem Tod ihres Ehemanns in Erscheinung. Neben ihren bekannten Briefwechseln mit Schriftstellern u. a. mit Goethe griff sie auch zunehmend sozialkritische Themen auf und setzte sich für die Rolle der Frau ein.

Lesende Frauen in der Romantik

Mit Beginn der romantischen Epoche setzte auch für Frauen ein neues Zeitalter ein. Die rasante Entwicklung der Literalisierung und das Beherrschen des Lesens und Schreibens im Zuge der bürgerlichen Aufklärungsbewegung im 18. Jahrhundert schufen die Voraussetzungen dafür, dass die literarische Welt und somit auch Bildung Frauen nicht mehr länger verschlossen blieb. Das Lesen und die Pflege der schönen Literatur in geselligen Kreisen wurde zum Signum der Romantik. Besonders den Frauen wurde eine Lesewut nachgesagt, die den männlichen Schriftstellern mit Vorliebe kritisiert wurde.

Schreibende Frauen in der Romantik

Die Romantik konnte zwar die gesellschaftlichen Schranken ihrer Zeit nicht aufheben, doch sie ließ genügend Freiraum, um Frauen die Teilnahme am literarischen Leben zu ermöglichen. Briefe, wie sie auch von Bettina von Arnim verfasst wurden, galten als ein wichtiges Medium der schreibenden Frauen in der Romantik. Neben privaten Briefen, in denen die Frauen Erlebtes festhielten, unterstützte die florierende Briefkultur des 18. Jahrhunderts die Frauen bei ihrem Einstieg in die eigene literarische Produktion. Hier sind ihre ersten Schreibversuche anzusiedeln, die sich durch die zunehmende Ästhetisierung und Literalisierung zu einer eigenen Gattung, dem Briefroman, entwickelten. Die Briefromane der schreibenden Frauen waren fortan ein wichtiger Gegenpool zu der bis dahin von Männern dominierten literarischen Tradition.

Bettina von Arnims Beziehung zu Goethe

Bettina von Arnim pflegte einen intensiven Briefaustausch mit dem um viele Jahre älteren Goethe.

Bettina von Arnim kannte Goethes Werk und glaubte sogar, sich in der Figur der Mignon aus "Wilhelm Meister" wiederzuentdecken. Im Juli 1806 fand sie in Offenbach Briefe von Goethe an ihre Großmutter Sophie La Roche, die aus der Werther-Zeit stammten. Durch die in Frankfurt lebende Mutter Goethes kam Bettina von Arnims persönlicher Kontakt zu dem berühmten Sohn zustande. 1835 veröffentlichte sie "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde", ein Zeugnis ihrer schwärmerischer Hingabe und Verehrung für den so viel älteren Dichterfürsten. Goethe beantwortete die leidenschaftlichen Briefe der jungen Schriftstellerin freundlich und mit einem gewissen Respekt. Der Kontakt zu Goethe brach ab, als es zu einer Auseinandersetzung zwischen Bettina von Arnim und Goethes Mutter kam.


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