Bayern 1


7

Pubertät Kind lügt und ist respektlos? Tipps für Eltern

Die Schule nervt, die Eltern sind peinlich und das Leben ist ungerecht. Die Pubertät ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Robert Urban spricht im "Podcast für ein besseres Leben" mit Paar- und Familientherapeutin Bettina Brockmann über die Pubertät und wie Sie es schaffen, den Kontakt zu Ihren Kindern nicht zu verlieren. Hier anhören!

Stand: 09.04.2019

„Eigentlich ist die Pubertät eine sehr interessante und lebendige Phase“, so Bettina Brockmann im Podcast für ein besseres Leben. In dieser Zeit bekommen Eltern all das zurück, was sie in ihre Kinder investiert haben. Sie können herausfinden, was bei ihren Kindern hängen geblieben ist, auf welche Werte und Kompetenzen die Jugendlichen in dieser komplizierten Phase zurückgreifen und auch, ob die Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild waren. Allerdings sind die Antworten auf diese Fragen nicht für alle Eltern leicht zu ertragen.

Tipps von Paar- und Familientherapeutin Bettina Brockmann

Die Pubertät verwirrt nicht nur die Jugendlichen selbst, sie stellt auch ein intaktes Familienleben auf den Kopf. Stimmungsschwankungen, heftige Diskussionen, unvorhersehbare Reaktionen und Regelverletzungen kosten den Eltern viele Nerven. Bettina Brockmann gibt im Podcast für ein besseres Leben drei einfache Tipps:

Kind grenzt sich ab? - Lernen Sie das Loslassen

In der Pubertät muss es den Jugendlichen erlaubt sein, sich auszuprobieren. Genehmigen Sie den Jugendlichen diesen Freiraum, vertrauen Sie Ihrem Kind und lassen Sie los. Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen bevormunden und beschützen.

Ihr Kind wird jetzt erwachsen, es macht sich seine eigenen Regeln. Dabei will niemand bevormundet werden. Allerdings ist es für die Jugendlichen sehr wichtig zu wissen, dass da immer jemand für sie da ist, wenn sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Bettina Brockmann rät dazu, Teenagern genau dieses Gefühl zu vermitteln. Jugendliche müssen sich ab einem gewissen Punkt von Ihren Eltern abgrenzen, das ist wichtig für deren Entwicklung. Eltern müssen lernen, loszulassen.

Kind ist resprektlos? - Setzen Sie Grenzen

„Ich sehe Grenzen setzen als eine ganz wertvolle Sache. Im Sinne von: Ich gebe meinem Kind einen Rahmen für sein Handeln“, erklärt Bettina Brockmann. Dieser Rahmen ist für Kinder sehr eng. Es gibt ganz klare Regeln und Grenzen. Je älter die Kinder werden, umso mehr wachsen ihre eigenen Kompetenzen. Der Rahmen muss sich lockern. Trotzdem brauchen vor allem Jugendliche in der Pubertät klare Grenzen. Diese können auch zusammen aufgestellt werden. Der Rat von Bettina Brockmann: Scheuen Sie die Diskussion nicht und setzen Sie miteinander faire Grenzen.

Kind lügt? - Kümmern Sie sich um offene Kommunikation

Auch, wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Kinder ziehen sich zurück und grenzen sich ab, hören Sie nicht auf das Gespräch mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter zu suchen. Laut Bettina Brockmann haben Jugendlich grundsätzlich schon Interesse daran, mit ihren Eltern in Kontakt zu sein. Sie mögen nur das Gefühl nicht, ausgefragt zu werden. Löchern Sie ihre Kinder also nicht mit Fragen, sondern laden Sie sie zu einem Gespräch ein.

Dazu gehören zwei Dinge: Erzählen auch Sie von Ihrem eigenen Leben und Ihren Sorgen und hören Sie bewusst zu. Zeigen Sie den Jugendlichen, dass es Sie wirklich interessiert, wie es ihnen geht. Dazu gehört auch, dass hin und wieder eine Diskussion oder sogar Streit losgetreten wird. „Ich glaube, in der Pubertät muss es knallen. Konfrontation ist wertvoll, denn nur durch Konflikt kann ein erwachsener Austausch entstehen. Abgrenzung ist Teil der geglückten Entwicklungsstufe“, so Bettina Brockmann.

"Das Ziel sollte sein, dass Ihre Kinder sagen: Meine Eltern wollten mich nicht kontrollieren, aber sie waren für mich da, wenn ich sie brauchte!"

Bettina Brockmann, Paar- und Familientherapeutin

Pubertät ist Chaos im Kopf

Irgendwann beginnt die Hirnanhangdrüse; Signale an unseren Körper zu senden. Dieser produziert dann verschiedene Geschlechts- und Sexualhormone. Den Jungen wächst ein Bart, Mädchen bekommen Brüste, die Menstruation setzt ein und der Stimmbruch beginnt. Das passiert solange, bis bei Mädchen das Östrogen überwiegt und bei Jungs das Testosteron. Mit diesem ganz neuen Körper und auch dem neuen Körpergefühl müssen Jugendliche dann erst einmal zurechtkommen. Sie müssen akzeptieren, wie Erwachse auszusehen und auch so wahrgenommen zu werden. Natürlich verunsichert das. Immerhin müssen sie im wahrsten Sinne des Wortes ein neues „Selbstbewusstsein“ entwickeln.

Während der Pubertät verändert sich aber nicht nur der Hormonaushalt, sondern auch die Gehirnstuktur. Das Problem: Nicht alle Teile des Gehirns entwickeln sich zur gleichen Zeit gleich schnell. Das Gehirn von Jugendlichen ist in dieser Zeit also eher eine chaotische Großbaustelle.

Pubertät bei Jungen und Mädchen

Pubertät ist die Übergangsphase vom Kindes- zum Erwachsenenalter. Im Normalfall erleben Mädchen die Pubertät zwischen dem 10. und 18. Lebensjahr. Jungen sind grundsätzlich 12 bis 21 Jahre alt, wenn Sie in die Pubertät kommen.

Der US-Psychiater Jay Giedd forscht seit vielen Jahren mit Jugendlichen, die mitten in der Pubertät stecken. Er fand unter anderem heraus, dass in der Pubertät neue Verbindungen zwischen Nervenzellen geknüpft werden und andere verschwinden. Laut seinen Forschungen kann man die Launen und die Entscheidungsschwächen der Jugendlichen, aber auch deren Vergesslichkeit genau darauf zurückführen. Zusätzlich konnte er feststellen, dass bei Teenagern Emotionen in einer ganz anderen Hirnregion verarbeitet werden, als bei Erwachsenen.

In mehreren, ähnlich aufgebauten Studien wurden Jugendlichen und Erwachsenen verschiedene Porträtfotos gezeigt. Die Testpersonen sollten die Emotionen auf den Bildern (wütend, traurig oder lustig) der jeweiligen Mimik zuordnen. Währenddessen wurde das arbeitende Gehirn beobachtet. Das Ergebnis: Bei Jugendlichen ist das Areal „Amygdala“ aktiv. Das ist eine Hirnregion, in der Entscheidungen eher emotional und kurz entschlossen getroffen werden. Bei Erwachsenen fand derselbe Prozess im frontalen Cortex statt, einer übergeordneten Einheit. Wissenschaftler schließen aus dem Test, dass Jugendliche oft nicht in der Lage sind, Emotionen richtig einzuordnen und deshalb unvorhersehbar reagieren.

Für Jugendliche in der Pubertät ist genau diese Baustelle im Gehirn oft ein Problem, denn es gibt so viele Emotionen, die Sie in dieser Lebensphase verarbeiten müssen: Die erste große Liebe, das eigene Selbstwertgefühl oder echte Sinnkrisen.

Hören Sie das gesamte Gespräch zum Thema Pubertät und wie man den kindern Grenzen setzen kann: im "Podcast für ein besseres Leben" - gleich hier oben oder im BR Podcast-Center.


7