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Beerdigung So kann man sich in Bayern bestatten lassen

Wie will ich mal bestattet werden? Die meisten Deutschen entscheiden sich für eine Feuerbestattung. Eine Urne kann an verschiedenen Orten beigesetzt werden - auch im Wald.

Stand: 06.02.2018

Grabstein in Landsberg am Lech | Bild: BR

Eigentlich gibt es nur zwei Arten der Bestattung - eine Beerdigung in einem Sarg oder eine Einäscherung. Bis 2011 wurden die meisten Menschen in einem Sarg in der Erde bestattet. Doch seitdem wählen mehr Menschen eine Feuerbestattung: 2016 wurden 64 Prozent der 900.000 Verstorbenen in Deutschland eingeäschert, so der Bundesverband der Bestatter. Viele Menschen wollen ihre Angehörigen nicht mit der Grabpflege belasten oder es gibt schlicht niemanden, der sich um das Grab kümmern kann. Deswegen wählen viele eine Art der letzten Ruhe, die nach der Beisetzung wenig "Arbeit" macht. Also zum Beispiel eine Feuerbestattung mit anschließender anonymer Beisetzung der Urne.

Naturbestattung, Baumbestattung - was ist das?

Immer mehr Menschen denken aber auch darüber nach, sich in einem Wald unter einem Baum bestatten zu lassen. Tatsächlich werden derzeit aber nur ein bis zwei Prozent der Verstorbenen in einem Wald beigesetzt, so Oliver Wirthmann, Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. Ablauf einer Baumbestattung: Der Leichnam wird eingeäschert und die Asche in einer speziellen, biologisch abbaubaren Urne begraben.

Auch auf vielen Friedhöfen kann man sich mittlerweile unter Bäumen bestatten lassen.

Einige private Unternehmen bieten Baumbestattungen auf eigens dafür ausgewiesenen Waldflächen und in Zusammenarbeit mit den Kommunen an. In Bayern gibt es aber auch auf einigen kommunalen Friedhöfen die Möglichkeit, in bestimmten Bereichen des Friedhofs unter einem Baum seine letzte Ruhe zu finden. Das Bayerische Innenministerium hat eine Liste der Naturfriedhöfe in Bayern zusammengestellt.

Urnenbestattung Friedhof Möglichkeiten

Eine Urne kann man auf einem Friedhof in einem Gemeinschaftsgrab, in einem Grabfeld als Einzel-Urnengrab oder anonym beisetzen lassen. Bei einem Gemeinschaftsgrab sind die Namen der Verstorbenen vermerkt, anders als bei der anonymen Bestattung.

Urnengräber in einem Kolumbarium

Auf immer mehr Friedhöfen entstehen auch sogenannte Kolumbarien für Urnenbestattungen. Ein Kolumbarium (ursprüngliche Wortbedeutung: "Taubenschlag") ist ein Ort, in dem Urnen in Regalen oder Nischen aufbewahrt werden können. In einigen Gemeinden in Deutschland sind in den Kirchen Kolumbarien entstanden. In Bayern können Angehörige die Urne mit der Asche ihrer Verstorbenen in Schwabach in der evangelischen Kirche St. Martin aufbewahren lassen und in Forchheim wird die ehemalige Aussegnungshalle auf dem Alten Friedhof zum Kolumbarium. Grund ist die große Nachfrage nach Urnengräbern.

Urne außerhalb eines Friedhofs beisetzen lassen

Urnen dürfen in Deutschland auf allen ausgewiesenen Bestattungsorten, also neben Friedhöfen auch in Bestattungswäldern sowie in der Nord- und Ostsee außerhalb der Drei-Meilen-Zone beigesetzt werden.

Urne mit nach Hause nehmen - erlaubt in Deutschland?

Nein. In Deutschland besteht Friedhofspflicht. Das heißt, alle Überreste eines toten Menschen, auch seine Asche, gehören an einen ausgewiesenen Bestattungsort.

Dürfen Urnen umziehen?

Nein. Ein aktuelles Urteil verwehrt es einer Frau aus Gelsenkirchen, die Urnen ihrer Mutter und ihres Ehemannes an ihren neuen Wohnort mitzunehmen. (Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom 19.09.2017, Az.: 14 K 4013/16) Auch bei früheren Urteilen werteten die Richter den Schutz der Totenruhe meist als wichtiger als die Totenfürsorge der Angehörigen.

Darf ich die Asche aus einer Urne verstreuen?

In Bayern und in Deutschland darf man Totenasche grundsätzlich nicht verstreuen. In Bremen gibt es Ausnahmen und in Berlin kann man auf sogenannten Aschestreuwiesen auf Friedhöfen die Asche zwar nicht verstreuen, aber ohne Urne vergraben.

Immer mehr Menschen wählen eine Feuerbestattung.

In der Schweiz ist es auf bestimmten Bergalmen auch für Ausländer möglich, Asche anonym zu verstreuen. Und im Elsaß werden Ballonbestattungen angeboten, wo die Asche des Verstorbenen in großer Höhe in die Luft gestreut wird. Angehörige können bei manchen Anbietern im Ballon dabeisein.

Kann ich mich ohne Sarg bestatten lassen?

In Bayern darf man sich derzeit nicht ohne Sarg bestatten lassen. Die sogenannte Sargpflicht verhindert das. Sie wird derzeit von den politischen Parteien diskutiert.

Der Großteil der anderen Bundesländer hat die sogenannte Sargpflicht gelockert. Das heißt, sie besteht zwar weiter, aber mit Ausnahmegenehmigungen sind auch Bestattungen ohne Sarg möglich. Allerdings muss der Transport zum Friedhof und zum Grab immer in einem Sarg erfolgen. Das ist wichtig für Muslime. Viele wollen aus religiösen Gründen nur in einem Leintuch begraben werden.

"Was den Vorgang der Bestattung an sich betrifft, bleibt es Menschen mit einem muslimischen Bekenntnis sicher unbenommen, den Leichnam nach Transport zum Grab in einem geschlossenen Behältnis auch in ein Leinetuch gewickelt zur letzten Ruhe zu bestatten. Es sei jedoch auch der Hinweis darauf gestattet, dass eine nicht unerhebliche Zahl muslimischer Verstorbener sich in Deutschland für eine Sargbestattung entscheidet und diese Option nicht im Gegensatz zu den eigenen religiösen Überzeugungen betrachtet."

Oliver Wirthmann, Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Bestatter

Warum Sarg bei einer Einäscherung

Auch, wenn ein Leichnam verbrannt wird, muss er dazu in einem Sarg liegen. Das hat mehrere Gründe. Ein Leichnam darf in Deutschland nur in einem Sarg transportiert werden und außerdem ist das Holz des Sarges notwendig für die Verbrennung:

"Bei der Kremation ist ein Vollholzsarg zwingend erforderlich für den Ablauf des Verbrennungsprozesses."

Oliver Wirthmann, Bundesverband Deutscher Bestatter

Wie lange darf ein Leichnam zu Hause bleiben und aufgebahrt werden?

In der Regel haben die meisten Bundesländer eine Aufbahrungszeit zu Hause von bis zu 48 Stunden. In Bayern gibt es dazu keine zeitlichen Vorgaben.

Beerdigung Kosten

Seebestattung auf der Nordsee

Die Stiftung Warentest hat 2013 die durchschnittlichen Kosten einer Bestattung mit 6.000 Euro beziffert. Pauschal ist diese Frage kaum zu beantworten, denn der Preis hängt von den in Anspruch genommenen Dienstleistungen, der Art der Bestattung und auch den Friedhofsgebühren ab, die von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sind.

"Zwei Säulen sind entscheidend: Vom Eintritt des Todes bis zur vollzogenen Bestattung muss man mit Kosten von 2.500 bis 4.000 Euro rechnen. Die zweite Säule, in der zum Beispiel die Grabpflege, die Kosten einer Seebestattung, für eine Grabstelle und einen Grabstein enthalten sind, reicht von 800 bis 8.000 Euro."

Oliver Wirtmann, Bundesverband Deutscher Bestatter

Seine Dinge gut geregelt zu haben - das geht einfach: Testament und Erbe richtig aufsetzen.


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