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BR-Recherche Sportschützen leben in gefährlich bleihaltiger Luft

Sportschützen sind überdurchschnittlich mit dem giftigen Schwermetall Blei belastet. Nach Recherchen des BR sind die Bleiblutwerte insbesondere bei Kleinkaliber- und Großkaliber-Schützen teils eklatant erhöht und erreichen oftmals einen Wert, den Mediziner als gesundheitsgefährdend einstufen. Mehrere Studien der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität machen dafür bleihaltige Munition verantwortlich.

Stand: 08.06.2016

Symbolbild: Sportschützen stark durch Blei belastet | Bild: picture-alliance/dpa

Eine bislang unveröffentlichte Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, in die der BR Einsicht nehmen konnte, hat zudem ergeben, dass auch bei jugendlichen Schützen, die nur mit Luftdruckwaffen schießen dürfen, die Bleiwerte leicht erhöht sind.

Mehr als das Doppelte des Grenzwerts

Experten halten Blei im Blut grundsätzlich für bedenklich. Ab einem Wert von 250 Mikrogramm Blei pro Liter Blut muss laut Umweltbundesamt mit akuten Gesundheitsschäden gerechnet werden. Bei Sportschützen haben Forscher der Universität München Werte von bis zu 555 Mikrogramm pro Liter gemessen, also mehr als das Doppelte des Grenzwerts. Im Gegensatz zur bayerischen Polizei, die bereits seit dem Jahr 2000 bleireduzierte Projektile verwendet, ist in den Schützenvereinen der Gebrauch von Bleimunition noch an der Tagesordnung. Dies ist besonders bei geschlossenen Schießständen ohne ausreichende Lüftungsmöglichkeit problematisch.

Bleipartikel in den Bronchien

Beim Abschuss der Patronen entstehen durch Hitze und Abrieb kleine Partikel, die sich mit Blei verbinden und beim Einatmen in die Bronchien des Schützen gelangen. Über die Lunge wird das Blei dann im Blut resorbiert. Messungen haben ergeben, dass sich der Bleiblutwert der Schützen binnen einer Stunde fast vervierfacht, bei Zuschauern im selben Raum verdoppelt.

Lüftungsanlangen wirkungslos

Nach Angaben von Dr. Rudolf Schierl von der Münchner Universitätsklinik, der drei Studien zur Bleiproblematik betreut hat, sind auch moderne Lüftungsanlagen in den Schießständen kaum in der Lage, den Bleianteil in der Luft ausreichend zu reduzieren. Kurzfristig empfiehlt Schierl Schützen, ihren Sport mit Staubmasken auszuüben. Langfristig sollte ganz auf bleihaltige Munition verzichtet werden. Das fordert auch das Landesamt für Gesundheit.

Der BR berichtet am Mittwoch, 8. Juni 2016 online unter www.br.de, in der App BR24, in seinen Hörfunkprogrammen sowie in der „Abendschau“ im BR Fernsehen über das Thema.


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