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25-jähriges Jubiläum Bayerischer Kabarettpreis 2024

Die Preisträger des Bayerischen Kabarettpreises 2024 stehen fest: Der Hauptpreis geht an den Kabarettisten, Autor und Moderator Florian Schroeder, der Musikpreis an den Musik-Kabarettisten Bodo Wartke und der Senkrechtstarter-Preis an die 25-jährige Comedienne Ana Lucía. Den Ehrenpreis erhält das Komiker-Duo Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer, und auch die im letzten Jahr neu geschaffene Kategorie "Creator-Preis" wird wieder vergeben. Diesen erhält der Comedian, Video-Produzent und Schauspieler Phil Laude.

Published at: 21-3-2024

Die Preisträger und Preisträgerinnen beim Bayerischen Kabarettpreis 2024 | Bild: Collage BR

Der Bayerische Kabarettpreis wurde 1999 zum ersten Mal vergeben und feiert damit in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Die Preisverleihung findet am Montag, 4. November 2024, im Münchner Lustspielhaus statt und wird am Donnerstag, 7. November, im BR Fernsehen ausgestrahlt. Gemeinsam führen die Kabarettistin, Moderatorin und Autorin Eva Karl Faltermeier und ihr Kollege, Kabarettist und schlachthof-Host Michael Altinger als Gastgeber durch den Abend. Für musikalische Unterhaltung sorgt die sechsköpfige Band Pam Pam Ida.
Mit dem Bayerischen Kabarettpreis würdigen der Bayerische Rundfunk und das Münchner Lustspielhaus satirisches Schaffen in verschiedensten Formen, auch jenseits der klassischen Kabarettbühnen.

"Die Namen der Preisträgerinnen und Preisträger des Bayerischen Kabarettpreises der vergangenen 25 Jahre lesen sich wie das Who is Who der deutschen Kabarettszene. 1999 waren es Künstler wie Piet Klocke und die Biermösl Blosn, in den Jahren darauf Dieter Hildebrandt und Georg Kreisler, Ottfried Fischer und Otto, Gerhard Polt und Luise Kinseher, Maren Kroymann und Carolin Kebekus. Sie alle bewiesen und beweisen die Vielfalt und Bandbreite der deutschen Humorlandschaft. Viele, die den Senkrechtstarterpreis in ihren Anfängen erhielten wie Hagen Rether, Helmut Schleich, Django Asül, Monika Gruber, Hazel Brugger oder Max Uthoff, gehören mittlerweile zu festen Größen auf den Kabarettbühnen und begeistern mit ihrem Können unzählige Fans. Auch die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2024 stehen mit ihrer Leidenschaft, ihrer sprachlichen, musikalischen und schauspielerischen Virtuosität, mit ihren gesellschaftlichen Analysen und mitreißenden Bühnenshows ganz in der Tradition der Vorangegangenen. Herzlichen Glückwunsch an Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer, an Florian Schroeder, Bodo Wartke, Phil Laude und Ana Lucía."

BR-Programmbereichsleiterin Unterhaltung und Heimat, Iris Mayerhofer

Zum zweiten Mal vergeben: Kategorie "Creator-Preis"
Seit 2023 gibt es mit dem Creator-Preis eine neue Kategorie beim Bayerischen Kabarettpreis – denn Satire findet nicht nur auf Kabarettbühnen und in Comedy-Clubs statt, sondern beispielsweise auch im Internet. Satirische Kunstformen sind dort vielfältig zu finden: auf YouTube oder in Mediatheken, Podcasts, Tweets, Cartoons, Instagram-Storys, Facebook-Live-Streams oder TikTok-Reels.
Mit der Kategorie Creator-Preis würdigt der Bayerische Kabarettpreis Künstlerinnen und Künstler, die Satireformen jenseits der Kleinkunstbühnen präsentieren: von der klassischen Stand-up-Performance, auch auf Social Media Plattformen, über Filme, Videoclips, Fotos, Grafiken, Comics und Texte bis hin zu satirischen Audios.

Die Jurybegründungen:

Preisträgerin Kategorie Senkrechtstarter: Ana Lucía Cruz Saco Lesevic

Wenn es die Kategorie "Senkrechtstarter" noch nicht gäbe – für Ana Lucía müsste man sie erfinden. Erst seit 2019 steht die 25-Jährige als Stand-Up-Comedienne auf der Bühne und repräsentiert eine Comedy-Szene, die sich divers, selbstwirksam und spielfreudig neue Räume und Fangruppen erobert.
Wenn Ana Lucía die Bühne betritt, zündet die Münchnerin mit peruanischen Wurzeln ein Feuerwerk des Humors. Ihre Schlussfolgerungen sind überraschend, ihre Mimik ist ausdrucksstark und ihre Bühnenpräsenz fulminant. Sie beherrscht ein präzises Timing und schafft es, immer authentisch zu wirken. Sie ist dicht dran an den Zuschauenden, denen sie das Gefühl gibt, eine gute Freundin vertraue ihnen exklusiv ihre dunkelsten Geheimnisse an. Denn Ana Lucía scheut sich nicht davor, auch heikle Themen mit Leichtigkeit anzupacken. Sie spricht offen und freimütig über ihre Depressionen, über Jungfräulichkeit oder Mobbingerfahrungen zu Schulzeiten.
Für sie ist dies ein Weg, sich ihren Problemen zu stellen, manchmal sogar, damit abzuschließen. Gleichzeitig gibt sie anderen das Gefühl, dass man solche Tabus nach außen tragen darf, und dass diese Vorgehensweise zur eigenen Entlastung beiträgt. Und dabei wirkt sie so lässig und selbstbewusst, beinahe schnoddrig, wenn sie Themen ihrer Generation in glaubwürdiger Sprache, gespickt mit jugendlichem Jargon, anfasst. Stets geht sie ganz in die von ihr erdachten Szenen hinein, spielt ihre Figuren, deren Ausgangspunkt immer sie selbst ist, leidenschaftlich. Zudem arbeitet sie gerne mit ihrer facettenreichen Stimme, die sie gurren, säuseln, brüllen, flüstern und irrlichtern lässt.
Als Rednerin und Moderatorin beim Abitur-Abschlussball und mit einem Bachelor-Studium in Kommunikationswissenschaft und Psychologie in der Tasche hat sich ihre Liebe zur Bühne und für zwischenmenschliche Verständigung durchgesetzt – zum Glück für ihr Publikum und für sie selbst. Denn sie empfindet es als ein "Wahnsinnsgefühl, Leute zum Lachen zu bringen."
Ihr Kopf ist immer voll, sagt Ana Lucía und vermutlich sind ihre Bühnenauftritte ein wichtiges Ventil, um zu Klarheit und Durchblick zu gelangen. Gepaart mit den "funny bones", die sie definitiv besitzt, ist dies eine unwiderstehliche Mischung, die das Publikum mit Lachsalven und donnerndem Applaus belohnt.

Preisträger Kategorie Musikpreis: Bodo Wartke

Bodo Wartke gehört zu der Kategorie Musik-Kabarettisten, die man eher in einem Konzertsaal denn auf der Bühne einer stickigen Hinterzimmer-Kneipe vermuten würde. Der Mann aus Berlin, geboren in Hamburg, kommt stets elegant gekleidet, ordentlich frisiert sowie mit entwaffnender Freundlichkeit und Höflichkeit daher. Setzt er sich dann aber an sein Klavier, spielt und singt, ist alle vornehme Zurückhaltung vergessen. Bodo Wartke ist Kabarettist mit ganzem Herzen, und die Leidenschaft für sein Tun ist in jeder Note, jeder Liedzeile zu hören.
Dabei hat er eine Form etabliert, die vor allem von der Vielfalt lebt. Er beherrscht den Blues und den Boogie, rappt und groovt, hat verspielte Etüden, komplexe Liebeslieder und gesellschaftskritische Chansons auf Lager. Egal, zu welchem Thema er sich äußert – seine Lieder zeichnen sich vor allem durch pointierte Texte aus, gepaart mit Melodien, die gleichermaßen eingängig und ausgefeilt sind. Der 46-jährige gebürtige Hamburger brilliert nicht nur bei seinem exzellenten, mühelos wirkenden Klavierspiel, sondern auch in der Liebe zum kunstvollen Wortspiel und -witz. Wartke ist ein Sprachakrobat auf dem Hochseil, dessen Geschwindigkeit bei kompliziertesten Texten einem den Atem stocken lässt. Das beweist er nicht nur in seinen bisher sechs Kabarett-Programmen, sondern etwa auch bei seinem Projekt Zungenbrecher 4.0. Hier stellt er auf urkomische Weise die Frage, wie Zungenbrecher eigentlich weitergehen – seine Antworten wurden zu viralen Hits auf Instagram und TikTok. Beinahe atmet man erleichtert auf, wenn man sich die Outtakes zu diesen kurzen Preziosen anschaut und merkt, auch Bodo Wartke kann sich mal versprechen.
Seine Themenpalette ist breit gestreut und seine Alltagsgeschichten sind nie banal, sondern erlangen oft durch eine ordentliche Prise schwarzen Humors ungeahnte Tiefen. Etwa, wenn er in dem Klassiker "Ja, Schatz" davon träumt, die dominante Partnerin aus dem Weg zu räumen. Beherrschten in den Anfängen Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre noch zwischenmenschliche Themen wie die Liebe seine Programme, äußert er sich inzwischen auch zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen. Kluge Gedanken dazu verpackt er in leichter Form, aber dennoch mit Tiefgang und intelligenten Wendungen, die überraschen. Seine perfekt gedrechselten Sätze prangern den Turbokapitalismus an ("Eure Armut kotzt mich an") oder warnen auf äußerst unterhaltsame Weise vor dem Untergang der Demokratie ("Bodo Wartke schafft die Demokratie ab").
"Klavierkabarett in Reimkultur" – so bezeichnet Bodo Wartke selbst seine Kunst. Er beherrscht das Leichte genauso wie das Schwere, bei ihm finden Nachdenklichkeit und Unterhaltung aufs Schönste zusammen. Für die Kabarettszene ist Bodo Wartke ein Glücksfall.

Preisträger Kategorie Hauptpreis: Florian Schroeder

Im Oktober 1993 trat ein blonder, pausbäckiger 14-Jähriger in der Kult-Sendung "Schmidteinander" auf und parodierte perfekt Helmut Kohl und Norbert Blüm – dies war der Startschuss für eine große Karriere als Kabarettist. Florian Schroeder hat sich seitdem zu einem einzigartigen Künstler entwickelt, dessen gesellschaftliche Analysen gleichermaßen brillant und schreiend komisch sind. Er ist blitzschnell im Denken und Sprechen, mit einem immensen Wissen zu aktuellen Themen ausgestattet und seziert in seinen Programmen stets aktuelle Reizthemen wie Rechtsextremismus, Abschiebungen, Klimawandel, Autokratien oder auch das Deutschlandticket. Gerne nutzt er dabei Ausschnitte aus Interviews oder Nachrichtensendungen, die seine Analysen belegen. Ebenso amüsiert er sein Publikum mit perfekten Parodien auf Politiker und Medienleute – so sind etwa Angela Merkel, Christian Lindner, Robert Habeck oder Karl Lauterbach, aber auch Markus Lanz seine Paraderollen. Wie er nicht nur sprachlich, sondern auch in Mimik und Gestik deren Wesen darstellt, ist größte Bühnenkunst.
Aber der 44-jährige gebürtige Lörracher (Baden-Württemberg) belässt es nicht dabei, sich als "Spaßmacher", wie er sich selbst nennt, auf eine Kabarettbühne zu stellen, als Moderator vor ein Radio- oder Podcast-Mikrofon zu setzen oder als Host seiner eigenen Satiresendung vor einer Fernsehkamera zu stehen. Dafür ist er viel zu neugierig und geht dicht an die Menschen heran, auch an die, die anderen Angst machen. Für sein jüngstes Buch "Unter Wahnsinnigen – Warum wir das Böse brauchen" sprach er etwa mit einem Sexualstraftäter, einem Holocaust-Leugner und Klimaaktivisten. Legendär ist sein Auftritt bei einer Querdenker-Demo im August 2020 in Stuttgart, bei der er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einfachen rhetorischen Mitteln inhaltlich konfrontierte. In einem Streitgespräch mit dem Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt bewies Schroeder einmal mehr, dass es sehr spannend wird, wenn man mit Andersdenkenden ergebnisoffen, argumentativ klar und sachlich den Dingen auf den Grund geht. In Zeiten multipler Krisen benötigt das Kabarett sowohl die scharfe Analyse als auch die Offenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen, um nicht moralisierend in der Blase Gleichgesinnter zu verharren. Florian Schroeder ist ein Brückenbauer, der es seinem Publikum mit überraschenden Wendungen und Sarkasmus nicht leicht macht. Meist spielt ein sanftes Lächeln um seinen Mund, wenn er wieder eine schmerzliche Wahrheit ausspricht. Für ihn ist die Irritation die wichtigste Aufgabe des Satirikers. Nur wenn die Zuschauenden am Ende eines Abends mehr Fragen als Antworten haben, hat er seinen Job richtig gemacht, meint er. Dass ihm dies perfekt gelingt, davon zeugt jeder einzelne Auftritt von Florian Schroeder.

Preisträger Kategorie Creator-Preis: Phil Laude

Was für eine Karriere! Im Jahr 2006, mit gerade einmal 16 Jahren, gründete Phil Laude gemeinsam mit seinem Kumpel Matthias "TC" Roll das Comedy-Duo Y-Titty, das zunächst mit einfachsten Mitteln lustige Videos produzierte und diese in die Welt sendete. Ab Anfang 2008 betrieben sie ihren eigenen Kanal im damals noch neuen Internet-Phänomen YouTube. Für die zwei mittelfränkischen Landjungen war diese Plattform genau das Richtige, um ihrer Begeisterung für Komik und Witze, Parodien und Sketche Ausdruck zu verleihen. Den beiden Schülern aus Hilpoltstein gelang es, den Humor ihrer Altersgenossen genau zu treffen. So fanden sie sehr schnell sehr viele Fans und wurden damit zu etwas ganz Neuem: Ihr Kanal Y-Titty machte sie zu YouTube-Stars. Nachdem als Dritter im Bunde Oğuz "OG" Yılmaz 2009 beitrat, war das Trio nicht mehr zu bremsen. Schnell wurden sie zum meistabonnierten deutschen Kanal auf YouTube.
Die phantasievolle Vielseitigkeit der Inhalte und die Regelmäßigkeit, mit der sie ihre mittlerweile professionellen Videos erdachten und umsetzten, schufen den idealen Ausbildungsplatz für das, was der 33-Jährige bis heute ist: ein fantastischer Comedian. Spielte er bereits in seiner Jugendzeit begeistert im Schultheater mit, hat er sich zum versierten Schauspieler entwickelt, vor allem aber auch zum Creator, der jeden Schritt seiner Produktionen maßgeblich gestaltet. Er schreibt seine Texte und produziert die daraus entstehenden Videos in perfektem High-End-Look selbst. Mit wenigen Strichen erschafft er seine Figuren, in denen sich jeder wiedererkennen kann. Dabei nimmt er vor allem Klischees aufs Korn und deckt die Wahrheit, die in ihnen verborgen liegt, wunderbar komisch auf. In der stets nach dem gleichen Muster betitelten Rubrik "Jeder … immer" benennt er sowohl Vorurteile als auch Stereotypen. Genial selbstironisch inszeniert er sich im aufwendig inszenierten Musikvideo als "Yung Larry Lauch", outet sich als Rucksackträger und ÖPNV-Fahrer. Als "Alman" nimmt er sich selbst und typisch deutsches Verhalten auf die Schippe wie kaum ein zweiter. Überwoke Korrektheit gepaart mit altbackener Spießigkeit sind die Markenzeichen des von ihm dargestellten Lehrers Frank Stimpel, den er sowohl in der ARD Mediathek-Serie "Almania" spielt, als auch in zahllosen Clips auf seinem YouTube-Kanal. Die scheinbar unendlichen Facetten dieses Themas bringt er dabei gekonnt auf den Punkt. Mit viel Selbstironie und ohne Scheu davor, selbst schlecht dazustehen, nutzt er das Internet noch immer gekonnt als seine Bühne. Auch wenn die Fans über den Alman lachen, so wird doch klar, dass sich die Zuschauenden am Ende an die eigenen Nasen fassen müssen – ein bisschen Alman steckt in jedem Deutschen. Phil Laude schafft es seit über fünfzehn Jahren, mit einem einzigen Video wöchentlich Millionen von Menschen zu begeistern.

Ehrenpreis: Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer

Kein anderes Komiker-Duo hat die bayerische Humorlandschaft so geprägt wie das Komödianten-Ehepaar Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer. Seit über 40 Jahren stehen sie als Herbert & Schnipsi auf der Bühne, ebenso als Volkssänger, haben eigene Fernsehsendungen geprägt, in Film-Komödien mitgespielt sowie acht Programme geschrieben und aufgeführt. Unumstritten gebührt der Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises der 77-jährigen Bad Tölzerin und dem 73-Jährigen aus dem niederbayerischen Pocking.
Seit dem Beginn ihrer Karriere Anfang der 80er Jahre konnten sich die beiden mit zwei anderen Größen des bayerischen Humors messen: mit dem legendären Karl Valentin und seiner Partnerin Liesl Karlstadt. Genau wie diese beherrschen Meilhamer und Schlenger die Kunst des Timings, sie finden das Absurde im Alltäglichen und nehmen dieses heiter aufs Korn. Ihre Figuren sind so liebenswert, wirken den Zuschauenden so vertraut, dass man meint, sie persönlich zu kennen, lacht und leidet mit ihnen. Nie erheben sie sich über ihr Publikum, sondern bleiben immer auf Augenhöhe. Sie nehmen sich selbst nicht ernst und das Leben letztlich auch nicht. Vor allem ihre Alter Egos Herbert & Schnipsi beweisen immer wieder, dass Perfektion alles andere als erstrebenswert ist, denn das würde das Leben fürchterlich fad machen. Umso perfekter inszenieren sie dabei ihre Sketche, in denen sie sich ständig missverstehen, kabbeln, streiten und gegenseitig auf den Arm nehmen. Dabei fällt Claudia Schlenger die Rolle der hintersinnig-gewitzten, sehr schnell denkenden, manchmal etwas schnippischen und gemeinen Schnipsi zu. Sie überzeugt mit Charme und großer Verve und in ihrem Gesicht spiegeln sich die verschiedensten menschlichen Gefühle: von Verärgerung über Verzweiflung, von Beleidigtsein und Erstaunen bis zu Vergebung und Betörung, Begeisterung und Liebe. Ihre Stimme kann dazu passend lieblich säuseln oder matronenhaft donnern.
Hanns Meilhamer gibt als Herbert den Stoiker, meist gutmütig und naiv, etwas begriffsstutzig, auch mal tollpatschig bis verschroben, dabei aber liebenswert. Man meint, ihm beim Denken zuschauen zu können und die daraus resultierenden Gesichtsausdrücke beweisen, dass er ein Meister der "physical comedy" ist, bei der die Körpersprache mehr sagt als jeder Dialogsatz. Zudem spielt der begnadete Musiker nicht nur zahlreiche Instrumente, sondern baut sie sich auch selbst.
Unnachahmlich zeigen Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger, dass es gesünder ist, dem Ernst des Lebens mit Humor zu begegnen – eine Haltung, die gerade in Krisenzeiten heilsam ist. Auf diese Weise stellt das Komiker-Duo eine Komplizenschaft und gar ein Gefühl von Verwandtschaft mit dem Publikum her und beweist: Wir sitzen alle im selben Boot – was gibt es Schöneres, als sich gemeinsam ein paar Stunden über die Absurditäten des Lebens zu amüsieren. Die Fans danken es ihnen seit über 40 Jahren mit ihrer Treue.

Der Bayerische Kabarettpreis

Der Bayerische Rundfunk fördert Kabarett und bietet mit der Verleihung des Bayerischen Kabarettpreises namhaften Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne und jungen Talenten ein Sprungbrett. Der Bayerische Kabarettpreis ist eine Gemeinschaftsinitiative des Bayerischen Rundfunks und des Münchner Lustspielhauses. Seit 1999 wird der Preis jährlich in vier bis fünf Kategorien an Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum verliehen. Er würdigt scharfsinniges Kabarett, das auf unverzichtbare Weise die Gesellschaft und das Zeitgeschehen künstlerisch ergründet.


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