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Ihre Kunst wird uns fehlen | BR24

© picture alliance/Capital Pictures

Aretha Franklin

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    Ihre Kunst wird uns fehlen

    Die Queen of Soul Aretha Franklin. Chansonnier Charles Aznavour. Schriftstellerin Christine Nöstlinger: Sie und andere große Kulturschaffende starben in diesem Jahr. Erinnerungen an Menschen, deren Kunst und Werke uns begeisterten und berührten.

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    Charles Aznavour: Der Geschichtenerzähler

    "Ich erzähle euch von einer Zeit, von der die Jungen nichts mehr wissen können", so der Chansonnier Charles Aznavour, geboren 1924, gestorben am 1. Oktober im Alter von 94 Jahren. Er war stets voller Zweifel, musste sich überwinden, um auf die Bühne zu gehen und das Innerste nach Außen zu kehren – und war genau darum der Beste von allen. Als Aznavour 22 Jahre alt war, entdeckte ihn Edith Piaf für die Bühne, auf der er dann gut 70 Jahre lang Chansons sang, also: Geschichten erzählte. Mit leicht brüchiger Stimme, und, wie es zu seiner Zeit üblich war, gelegentlich auch auf Deutsch.

    © dpa - Fotoreport

    Charles Aznavour

    Christine Nöstlinger: Die raue Wienerin

    Ehrliche Worte waren auch das Markenzeichen von Christine Nöstlinger, Jugendbuchautorin, die mit 81 starb, aber deren Ton in Erinnerung bleibt. Nie rührselig, dafür ehrlich, oft patzig, schroff: "Es gibt ja doch schon sehr viele schon ziemlich erwachsene Menschen, die als Kinder meine Bücher gelesen haben. Und da erzählen mir eigentlich die meisten: Ihre Bücher haben mich so getröstet und über die Pubertät hinweggerettet. Soll mir recht sein, wenn meine Bücher trösten – aber das habe ich mir eigentlich beim Schreiben nie vorgestellt."

    Christine Nöstlinger, die raue Wienerin – gestorben am 28. Juni im 16. Gemeindebezirk. Aus ihren Büchern konnten und können Kinder prima lernen, wie man auf etwas pfeift. Allein die Münchner Stadtbibliotheken haben rund 350 mal Nöstlinger in den Regalen. Also, liebe Eltern, die ihr selber schon "Die feuerrote Friederike" gelesen habt und den "Gurkenkönig" – gebt das Feuer weiter!

    © picture alliance/KEYSTONE

    Buchautorin Christine Nöstlinger

    Hermann Glaser: Kulturpolitiker

    "Soziokultur" war seine Antwort auf die grauen Zeiten deutscher Geschichte: Der Nürnberger Kulturpolitiker Glaser vertrat mit dem heuer ebenfalls gestorbenen Hilmar Hoffmann eine wegweisende Ansicht: Kultur, so formulierten es die beiden seit den 60er-Jahren, muss für alle da sein! Die Geburtsstunde der so gesellschafts¬prägenden "Soziokultur" war das: der Stadtteilzentren, Kulturläden und Proberäume. Hoffmann starb am 1. Juni. Sein Weggefährte Glaser überlebte ihn um wenige Tage – er wurde 89 Jahre alt.

    © dpa

    Der Nürnberger Kulturpolitiker Hermann Glaser

    Milos Forman: Großes Kino für alle

    Oscar-Verleihung 1976 – ganz Hollywood sitzt beisammen, als etwas Besonderes geschieht: Ein Film über Unterdrückung und Aufbegehren in der Psychiatrie gewinnt die fünf wichtigsten Oscars. Bester Film - "Einer flog über das Kuckucksnest", bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller – Jack Nicholson. Beste Hauptdarstellerin. Beste Regie – Milos Forman. Für "Amadeus" bekommt der in Tschechien geborene US-Regisseur den zweiten Regie-Oscar. Und als der 86-Jährige im April stirbt, schreibt die "New York Times": Forman gehörte zur ersten Garde derer, die große Filme für den Massenmarkt machten, aber darüber nie ihre gegenkulturellen Ansprüche vergaßen.

    © dpa

    Milos Forman

    Bernardo Bertolucci: Meister der Mehrdeutigkeit

    Mit ähnlich würdigenden Worten wäre über Bernardo Bertolucci zu sprechen, der italienische Regisseur starb im November mit 77. Für "Der letzte Kaiser" durfte Bertolucci in der Verbotenen Stadt in Peking drehen – und wurde für das Ergebnis mit neun Oscars belohnt. Ähnlich bekannt ist "Der letzte Tango in Paris" – aber just dieser Film ist es auch, dessen Entstehungsgeschichte Bertoluccis letzte Jahre überschattete. Mit der Zeit wurde immer klarer, wie Bertolucci und sein Hauptdarsteller Marlon Brando damals, Anfang der 70er-Jahre, mit der Hauptdarstellerin Maria Schneider umgesprungen waren – gipfelnd in einer Vergewaltigungsszene, die die beiden Männer sich ausgedacht, von der sie der ahnungslosen 19-Jährigen aber nichts gesagt hatten – in der Hoffnung, es wirke so authentischer. "Ich habe es verpasst, sie um Verzeihung zu bitten", sagte Bertolucci später. Da war Schneider schon tot. Nun ist Bertolucci ihr gefolgt – und bleibt in Erinnerung als Filmer von höchstem Anspruch und Meister der Mehrdeutigkeit, als Dichter unter den Regisseuren.

    © dpa

    Bernardo Bertolucci

    Aretha Franklin: Die Beste

    Beste Sängerin aller Zeiten – wer will sich so ein Urteil anmaßen? Der Rolling Stone wollte – und schrieb im Jahr 2010: Beste Sängerin aller Zeiten ist Aretha Franklin. Punkt. Nun, nach dem Tod von Aretha Franklin am 16. August, hat sich die halbe Welt dem Urteil angeschlossen. Niemand konnte es so gut wie die 1942 in Memphis geborene Aretha. Und wenn Barack Obama als "President Of Cool" in Erinnerung geblieben ist, dann auch, weil sie bei seiner Amtseinführung sang und später nochmal im Weißen Haus. Aretha Franklin – und müsste man spekulieren, über welche der 2018 gestorbenen Künstler noch 2118 gesprochen werden wird: Es wäre wohl sie. Respect!

    © picture alliance / abaca

    Aretha Franklin 2008 auf der Bühne

    Avicii: DJ aus Schweden

    Ihm blieb nur wenig Zeit, der Ewigkeit seinen Stempel aufzudrücken – dafür war sein wohl selbst¬gewählter Tod eines der Themen dieses Kulturjahres: Avicii, schwedischer DJ, der im April in Arabien starb, im Oman. "Feeling my way through the darkness", hieß es bei ihm, "I can’t tell where the journey will end" – seine Reise endete im 29. Lebensjahr.

    © dpa

    Avicii, Avicii: DJ aus Schweden

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