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Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe | BR24

© dpa/picture-alliance

Häuser nahe dem Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf sind am 07.06.2013 vom Hochwasser überflutet.

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    Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe

    Fünf Jahre ist es her, dass Teile Niederbayerns bei der Jahrtausendflut regelrecht untergegangen sind. Die Schäden sind inzwischen weitgehend beseitigt - doch was hat sich getan in Sachen Hochwasserschutz?

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    Riesige Bagger schütten neue Dämme auf. Bestehende Hochwasserdeiche werden verstärkt. Die niederbayerische Donau ist Großbaustelle. Hier in Niederalteich wird der Hochwasserdeich gerade zurückverlegt an die Autobahn A3, damit sich der zweitlängste Strom Europas bei Hochwasser künftig mehr in die Breite ausdehnen kann. Die Menschen hier verfolgen die Bauarbeiten intensiv:

    "Es wird Zeit, dass sie mal anfangen, weil wir haben ja lange genug gewartet jetzt." Anwohner
    "Auf alle Fälle gut, dass was gemacht wird. Es muss schnell gehen, um das geht es." Anwohner

    Hochwasserschutz hat nun Priorität

    Vor der Flut wäre es wahrscheinlich auch hier schwierig gewesen, Flächen für den Hochwasserschutz zu bekommen. Jetzt kann es den Menschen gar nicht schnell genug damit gehen.

    "Wir freuen uns als Niederalteicher natürlich riesig, dass man die Bagger rollen sieht, dass man auch sieht, dass der Bauabschnitt einen Fortschritt macht, und auch die Sicherheit, was den Hochwasserschutz angeht, damit auch für Niederalteich näher rückt." Albin Dietrich, Bürgermeister Niederalteich

    Das Geld für den Hochwasserschutz an der niederbayerischen Donau fließt seit der Katastrophe. Das Personal am Wasserwirtschaftsamt Deggendorf wurde verdoppelt. Rund 200 Kilometer Dämme müssen verstärkt und teilweise erhöht werden, damit sie einem hundertjährlichen Hochwasser standhalten, also einer Flut, die rein statistisch gesehen alle 100 Jahre kommt. Der Ausbau, sagt Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter, ist im Zeitplan. Aber:

    "Der Flaschenhals ist die Manpower. Die Fachleute sind halt derzeit nicht so am Markt, sonst könnten wir vielleicht noch ein bisschen schneller sein." Christian Bernreiter, Landrat Deggendorf

    Nicht nur Dämme werden verstärkt, erhöht, und wo es geht, ins Hinterland verlegt. Mit dem Flutpolderprogramm sollen zusätzliche Rückhalteflächen für die Wassermassen geschaffen werden. Nicht bebaute Gebiete, die im Notfall geflutet werden können, erklärt Siegfried Ratzinger vom Wasserwirtschaftsamt:

    "Dieses Flutpolderprogramm soll den Überlassfall abfedern, das heißt, das ist konzipiert für Hochwasserereignisse, die deutlich über das 100-jährige Ereignis herausgehen, also die bestehenden, dann ausgebauten Anlagen überfordern würden." Siegfried Ratzinger, Wasserwirtschaftsamt

    Flutpolder sind umstritten

    Doch je weiter weg von Passau und Deggendorf Flutpolder geplant werden, umso schwieriger wird die Umsetzung. Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter, zugleich Präsident des bayerischen Landkreistages, appelliert seit Jahren an die Solidarität der Donauanrainer.

    "In anderen Orten wird gegen Polder massiv vorgegangen, ich kann sie aber nur jedem empfehlen, es ist zum eigenen Schutz, man kann die Scheitelwelle kappen, und wenn man das als Perlenkette betrachtet, dann können das aufsummiert die entscheidenden zehn oder zwanzig Zentimeter sein in der schweren Stunde der Not. Und drum kann ich nur appellieren, dass der Freistaat auch weiterhin diese Polder umsetzt." Christian Bernreiter, Landrat Deggendorf

    Versicherungsdichte nahm sprunghaft zu

    Angesichts wachsender Unwetter- und Überflutungsgefahren appelliert Bayerns Landkreispräsident aber auch an Hausbesitzer, ihre Gebäude gegen Elementarschäden zu versichern. Unsere Recherchen haben ergeben, dass nur jeder dritte Hausbesitzer in Bayern gegen Elementarschäden wie Überflutung versichert ist. Nach Katastrophen wie vor fünf Jahren, so Markus Maier von der Versicherungskammer Bayern, größter Gebäudeversicherer im Freistaat, versichern sich zwar kurzzeitig mehr Menschen:

    "Beispielsweise in Deggendorf sprang die Versicherungsdichte, das ist der Anteil derjenigen, die sich versichern, von einem Jahr auf das andere um zehn Prozentpunkte von dreißig auf rund vierzig Prozent. Danach ist zwar die Sensibilität weiterhin da, aber es steigt nur noch sehr, sehr langsam an und es ist tatsächlich auch auf diese Region beschränkt. Wenn in Deggendorf eine Katastrophe passiert, dann haben sich die in Simbach leider nicht versichert. Deswegen sind auch dort leider viele unversichert gewesen, als diese Sturzflut durch Simbach gegangen ist." Markus Maier, Versicherungskammer Bayern

    Viele Menschen, so der Experte, wissen gar nicht, dass Flutschäden von der normalen Gebäudeversicherung in der Regel nicht abgedeckt sind. Dafür braucht es die so genannte Elementarschutzversicherung, die meist deutliche weniger kostet als die Vollkaskoversicherung fürs Auto. Landkreispräsident Bernreiter hatte nach der Flutkatastrophe vergeblich für eine Versicherungspflicht gegen Flutschäden an Wohneigentum gekämpft.

    "Also ich kann nur jedem empfehlen, sich gegen solche Ereignisse zu versichern. Es stellt auch in der Regel für die allermeisten Menschen einen Großteil des Vermögens dar, es kann im Katastrophenfall dann zur Vernichtung der Existenz kommen. Darum kann ich nur appellieren: Bitte versichern, man sich nicht darauf verlassen, dass der Staat immer hilft, es sind ja erste Beschlüsse dazu auch gefasst und man hat auch gesehen, dass die Spendenbereitschaft bei späteren Ereignissen deutlich zurückgegangen ist." Christian Bernreiter, Landrat Deggendorf

    Denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Die Frage ist nur, wann und wo.