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Spielwarenmesse Nürnberg Spielzeug für Jugendliche im Fokus

Smartphones und Tablet-PCs - diese Geräte werden auch im Kinderzimmer offenbar unverzichtbar. Auf der Spielwarenmesse setzen viele Hersteller auf die neue Technik. Die Spieletrends 2012: vom iPad-Puzzle bis zum Monster-Kreisel.

Von: Frank Staudenmayer

Stand: 31.01.2012 | Archiv

Auf der weltweit größten Spielwarenmesse in Nürnberg wurden nicht nur Neuheiten, sondern auch Klassiker im neuen Gewand vorgestellt. Messechef Ernst Kick hatte große Erwartungen an die Branchenschau: "Wir sind gut aufgestellt, wir haben fast 100 Aussteller mehr in diesem Jahr." Die sich abschwächende Weltkonjunktur mache ihm keine Sorgen: "Wir haben bei der letzten Krise schon bewiesen, dass wir krisenfest sind." Statt eines Einbruches habe der Markt damals zugelegt.

Jugendliche im Fokus

Auf einer Sonderschau mit dem Titel "Toys 4 Teens" wollte die Messe Herstellern und Händlern die Zielgruppe der 13- bis 17-Jährigen nahe bringen. Laut einer im Auftrag der Messe duchgeführten Studie unterschätzten die Händler das Potential der Teens. 80 Prozent der Jugendlichen kauften demnach Spiele und gaben dafür vergangenes Jahr 472 Millionen Euro aus. Neben Computer-, Konsolen-, Internet- und Handyspielen mögen der Studie zufolge fast zwei Drittel aller Jugendlichen auch klassische Gesellschaftsspiele, die sie auch für sich selbst oder ihre Freunde einkaufen.

"Fast alle Teenager spielen. Die spielen mit Begeisterung, die spielen sehr gerne, die haben Spaß am Spielen."

Jugendforscher Axel Dammler

"Wir wollen unseren Händlern und Herstellern eine Anleitung an die Hand geben, wie man mit der Jugend spricht."

Nürnbergs Messechef Ernst Kick

Spielen mit iPhone und Co.

Die Trends der Messe sehen die Veranstalter dieses Jahr bei den sogenannten iToys: also klassisches Spielzeug, das mit iPhone, iPod oder iPad kombiniert wird.  Ein weiterer Schwerpunkt wird den Angaben zufolge bei Lizenzspielzeugen liegen, die an Kinofilme gekoppelt sind: So kommt zum Beispiel am 10. Februar die erste Episode von Star Wars in 3D in die Kinos - mit viel Spielzeug umrahmt. Auch Outdoorspiele sind nach Einschätzung von Messechef Kick stark im Kommen, darüber hinaus geht die Digitalisierung mit elektronischen Komponenten auch im klassischen Spielzeug weiter.

Stichwort: Spielwarenmesse Nürnberg

Sie ist die Weltleitmesse in Spielsachen. Was sich hier durchsetzt, steht kurze Zeit später in den Spielwarenläden. Auch wenn Nürnberg als eine traditionsreiche Spielzeugstadt mit Jahrhunderte altem Ruf gilt, findet die Spielwarenmesse erst seit 1950 in der Frankenmetropole statt: Nach dem Krieg verschwand Leipzig als alter Messestandort hinterm Eisernen Vorhang, ein neuer musste her. Organisiert wird die Messe seit Beginn von der Spielwarenmesse eG, einer eingetragenen Genossenschaft.

Franken und das Spielzeug: Vom Dockenmacher zum Bobby-Car

Tand

Der Große Freiheitsbrief Kaiser Friedrichs II. mit Siegel | Bild: BR-Studio Franken

Große Freiheit und kleine Puppen

Am Anfang der Spielzeug-Geschichte Nürnbergs steht der "Große Freiheitsbrief" von Kaiser Friedrich II.: Wer immer in Nürnberg Handel betrieb, zahlte seit 1219 keinen oder nur wenig Zoll. Ein echter Standortvorteil für die Frankenmetropole, die ohnehin an der wichtigsten Handelsroute des Mittelalters lag: Händler, die edle Stoffe und Gewürze aus dem Orient via Venedig nach Nordosten lieferten, passierten Nürnberg - und bald füllten sie die Lücken ihrer Packtaschen mit einigem "Tand" und Spielzeug.

Dockenmacher

Eine der ältesten erhaltenen Puppen Nürnbergs | Bild: BR-Studio Franken

Die Dockenmacher aus Nürnberg

Als ältester Beleg für die Nürnberger Spielwarenproduktion gilt eine bei Grabungen entdeckte Ton-Puppe aus dem 14. Jahrhundert. Eine städtische Steuerliste aus dem Jahr 1400 gibt einen weiteren Hinweis auf die Jahrhunderte alte Tradition: In dieser Liste werden zwei Puppenhersteller aufgeführt - die sogenannten "Dockenmacher". Sie gelten damit als die ältesten dokumentierten Spielzeugproduzenten in Europa.

Erzgebirge

Holzspielzeug statt Bergbau

Impulse für die Spielwarenproduzenten in Nürnberg kamen aus der Nachbarschaft: Nachdem sich im 17. Jahrhundert die Silbervorräte des Erzgebirges erschöpften, bildeten verarmte Bergmannsfamilien ihre Fertigkeit im Schnitzen von Holzspielzeug und Weihnachtsfiguren aus. Die wichtigsten Umschlagplätze dieser vergleichsweise billigen Massenprodukte waren die Spielzeugmessen in Nürnberg und Leipzig.

Bestelmeier-Katalog

Historisches Holzspielzeug | Bild: BR-Studio Franken

Als das Kind Kind wurde

Die erste Blüte der Spielwarenproduktion fällt ins 18. Jahrhundert. Spielzeug war ein teurer Spaß, den sich nur der Adel und das aufstrebende Bürgertum leisten konnte. 1793 erscheint der erste Katalog des Nürnberger Spielwarenhändlers Hieronimus Georg Bestelmeier. Wenig später hatte ein Nürnberger Kaufhaus schon über 8.000 Spielwaren im Angebot: hölzerne Steckenpferde, Puppenküchen und Kaufmannsläden.

Zinn

Das Silber des kleinen Mannes

Vor 100 Jahren, als es noch kein Plastikspielzeug gab, waren Blechautos und Zinnfiguren aus Nürnberg der Verkaufsschlager. Seit 1924 gilt eine Figur der Nürnberger Firma Heinrichsen sogar als offizieller internationaler "Gardemaßstab für Spielzeugsoldaten". In Spanschachteln verpackt eroberten die Zinnsoldaten die Spielzeugwelt. Bis heute zählen Figuren wie auch Blechautos zu beliebten Sammlerstücken.

Plastik

Kinderträume aus Franken

Waren Spielwaren im Mittelalter nur "Lückenfüller" der Händler, lebt heute ein ganzer Wirtschaftszweig davon: In ganz Deutschland sind 12.000 Menschen in der Spielwarenbranche tätig, rund 3.000 allein in Mittelfranken. Hier steht die Wiege vieler Produkte: So machen Kinder in aller Welt ihre ersten Fahrversuche auf feuerroten Bobbycars, spielen mit Playmobil-Figuren aus Zirndorf oder mit ihrer Modelleisenbahn "Made in Nürnberg".


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Kommentare

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lool, Donnerstag, 31.Mai 2012, 10:35 Uhr

2. kp

lol?

ossi, Dienstag, 31.Januar 2012, 22:34 Uhr

1. spielwarenmesse "nürnberg"

Diese Messe müßte eigentlich Kriegsgewinnlermesse heißen , eigentlich gehört sie ab 1990 nach Leipzig zurück !