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Von der Uni in den OP Karrierestart als Neurochirurgin

Der Job ist härter als es Mareike erwartet hat: Im Dezember 2019 noch vor der Corona-Pandemie startet sie als Assistenzärztin auf der neurochirurgischen Station in der München Klinik Bogenhausen. Wir begleiten sie vom Berufsbeginn bis in die Corona-Zeit. Was wird sich für sie verändern?

Von: Lukas Hellbrügge

Stand: 18.07.2020

Nur wenige Monate lagen damals für die 27-jährige zwischen unbeschwertem Studium und dem harten Alltag im Krankenhaus.

"Der Jobbeginn war der Moment, als ich das realisiert hat, was man alles entscheiden muss und was man alles gefragt wird."

Mareike

Auf einmal hat Mareike als Assistenzärztin viel Verantwortung für ihre Patienten – im Zweifel Verantwortung für das Leben!

Und sie muss erstmal lernen, dass jetzt ständig Entscheidungen von ihr gefordert werden: Wie darf ein Patient transportiert werden? Darf der Patient aufstehen? Welches Antibiotikum hilft gegen die Lungenentzündung? Fachlich hat die Uni sie gut vorbereitet, die praktischen Abläufe muss sie nun im laufenden Betrieb lernen:

"Im Studium wird nicht gefordert, dass man viele Entscheidungen trifft. Und da könnte der Übergang leichter gemacht werden, dass man da etwas mehr herangeführt wird."

Mareike

Die Arbeit im Krankenhaus bedeutet Schichtdienst, oft ist Mareike 24 Stunden in der Klinik, nur wenn sie Glück hat, kann sie dann nachts ein bisschen schlafen. Deshalb wurde sie auch erstmal vor ihrem Wunschfach Neurochirurgie gewarnt: "Alle haben gesagt, du hast dann kein Leben mehr."

Das Problem: Jobs für Neurochirurgen gibt es fast nur im Krankenhaus, das bedeutet: Schichtdienst, familienunfreundliche Arbeitszeiten. Erstmal folgt Mareike den Warnungen, sie schaut sich Gynäkologie und die Kinderheilkunde an. Aber ihre große Leidenschaft bleibt:

"Ich finde Chirurgie spannend, weil es etwas Handwerkliches ist. Und ich mag diese feine Chirurgie, es ist alles kleiner. Und die Untersuchungen sind spannend – man kann sehr viele Krankheiten direkt erkennen."

(Mareike)

Und so bewarb sie sich – den Warnungen zu trotz – direkt nach dem Abschluss bei der München Klinik. Und wurde genommen.

Doch mitten im Berufseinstieg kommt die Pandemie – und verändert Mareikes Leben noch einmal komplett. Die geplanten OPs werden abgesagt, Covid19-Tests gehören jetzt zu ihrem Alltag in der Klinik. Angst vor einer Ansteckung hat sie nicht, die Hygiene-Maßnahmen greifen.

"Ich bin weniger gestresst und es macht mir schon noch Spaß. Ich sehe optimistisch in die Zukunft. Es verbreitet sich nicht im Krankenhaus wild. Das zeigt, dass die Schutzmaßnahmen wirken und dass es sich hoffentlich geben wird." Mareike

Durch die abgesagten OP-Termine hat Mareike jetzt, im Juni 2020 sogar etwas, das ihr vor einem halben Jahr noch fehlte: Zeit, sich in ihrem neuen Job in Ruhe einzufinden, sich alles genau anzuschauen. Denn im Gegensatz zur Arbeit auf anderen Stationen, ist die Situation auf der Neurochirurgie jetzt entspannter als zuvor. Doch es kommen sicher auch wieder andere Zeiten.

Die nächsten sechs Jahre wird sie nun als Assistenzärztin arbeiten müssen, um dann zur Fachärztin aufzusteigen. Davor hat Mareike übrigens sieben Jahre lang studiert: Ein langer Weg zum Traumjob!


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