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Prof. Dr. Tobias Moser Wie kommt der Klang in unser Ohr?

Mit "Lichthören" könnten mehr Informationen über Schallfrequenzen weiter gegeben werden. Neue Hoffnungen für Schwerhörige?

Stand: 02.07.2018

Für gesunde Menschen ist die Fähigkeit zu Hören selbstverständlich. Dabei ist das was unser Hörsinn täglich leistet ein einziges Wunderwerk. Kleiner als ein milliardstel Meter werden Schwingungen im Inneren des Ohres wahrgenommen. Selbst mithilfe von einer millionstel Sekunde Zeitunterschied, können zwei Tönen genau den Ort der Schallwelle herausfiltern?

Oft geben erst erlebte Einschränkungen den Anlass sich mehr mit dem Hörsinn zu beschäftigen. Denn wenn der Hörsinn versagt, gerät ein wesentliches menschliches Bedürfnis, die lautsprachliche Kommunikation, in Gefahr. Das betrifft ca. 17 Millionen Menschen in Deutschland und 360 Millionen weltweit. Hörgeräte und Cochlea Implantate können den Betroffenen helfen zu hören. Allerdings ist die Hörqualität deutlich schlechter, denn während Hörgesunde ca. 2000 Ton-Frequenzen auseinanderhalten können, unterscheidet z.B. das Cochlea Implantat wegen der weiten Stromausbreitung von jedem Elektrodenkontakt nur 12-24 Frequenzbänder. Daher ist die Tonhöhenauflösung mit Cochlea Implantaten schlecht, was die Nutzer vor allem beim Hören im Störgeräusch einschränkt.

Optische Cochlea Implantat sollen nun den Klang im Ohr verbessern. Anstatt Schallwellen in elektrische Signale umzuwandeln, sollen Schallwellen in Lichtsignale tranformiert werden, weil Licht besser als Strom fokussiert werden kann. Das Licht wird durch „Lichtschalter“ in den Hörnervenzellen erkannt und führen so zu einer Hörwahrnehmung. Im Tierexperiment gelingt dies bereits. Deswegen könnten mit "Licht-Hören“ mehr Information über die Schallfrequenzen weitergegeben und der Hörsinn für Schwerhörige wieder differenzierter stimuliert werden. 

Prof. Dr. med. Tobias Moser forscht und lehrt als auditorischer Neurowissenschaftler, HNO-Arzt, und Audiologe an der Universitätsmedizin Göttingen. Er ist Gründungsdirektor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften an der Universitätsmedizin und Arbeitsgruppenleiter an Max-Planck-Instituten und am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Hörforschung, Biophysik, und Neurotechnologie. Seine Arbeiten zur Kodierung von Schall an den Synapsen zwischen Haarsinneszellen und Hörnervenzellen haben Pioniercharakter. Neben der Aufklärung grundlegender Funktionsprinzipien beschrieb er eine durch Störungen dieser Synapsen bedingte Schwerhörigkeit. Seit einem Jahrzehnt leistet er wiederum Pionierarbeit bei der Entwicklung einer verbesserten Wiederherstellung des Hörens durch Gentherapie und optische Cochlea Implantate. Seine Hörforschung wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2015, dem Ernst-Jung Preis für Medizin 2017 und dem niedersächsischen Wissenschaftspreis 2017.


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