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Sophie Erhardt Die Suche nach dem verschwundenen Stickstoff

Die Zeit zwischen Handeln und Effekt ist doch meist sehr kurz. Sophie Erhardt, Doktorandin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung; untersucht die Verweilzeit von NO3 im Flusseinzugsgebiet. Sie will herausfinden, warum so viele Maßnahmen beim Grenzwert für NO3 so wenig bewirken.

Von: Andrea Roth

Stand: 20.01.2021

Wir öffnen den Kühlschrank und es wird hell. Wir essen Schokolade und kurz danach werden Glückshormone ausgeschüttet. Die Zeit zwischen Handeln und Effekt ist meist klein geworden. Versuchen wir mit regelmäßigem Sport wieder fitter zu werden, muss man schon etwas mehr Geduld aufbringen. Und schauen wir in andere Bereiche kann zwischen Maßnahme und Effekt auch mehrere Jahrzehnte erst einmal nichts passieren. So ist zum Beispiel die Umsetzung der von der EU 1991 verabschiedeten Nitratrichtlinie eine andauernde Herausforderung für Deutschland.

Nitrat (NO3) ist ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen, weswegen es als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Aber wie so oft - „Die Dosis macht das Gift“. Im Übermaß führt es zu einer Eutrophierung von Gewässern. Auch für den Menschen, besonders Säuglinge und Schwangere, stellt NO3 im Trinkwasser eine mitunter lebensbedrohliche Gefahr dar. Seit den 80er Jahren liegt der Grenzwert für NO3im Trinkwasser daher bei 50 mg/l, ein Güte-Level von dem wir häufig weit entfernt sind. Trotz zahlreicher Maßnahmen wie bspw. der strengeren Düngemittelverordnung konnten bis zur Frist 2015 lediglich 1–2% der belasteten Grundwässer wieder den “guten Zustand“ erreichen. Hier hat Handeln offenbar kaum Effekt.

Wir in unserer Arbeitsgruppe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung untersuchen die Verweilzeit von NO3 im Flusseinzugsgebiet, um ein besseres Verständnis darüber zu bekommen, warum so viele Maßnahmen so wenig Verbesserung in der Wasserqualität zeigen. Ist das System träge und somit das Ausbleiben der Effekte normal oder müssen die Maßnahmen überarbeitet werden? Benötigt das ausgebrachte NO3 30 Jahre bis es wieder Tageslicht sieht, zeigt verringerte Düngung auch erst in 30 Jahren Effekt. Und neben dem “wie lange?“, untersuchen wir wie viel von der ausgebrachten NO3-Menge noch „auf der Reise ist“ und uns dann innerhalb der nächsten Jahre Probleme bereiten könnte?

Dr. Sophie Erhardt ist seit 2017 Doktorandin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung- UFZ. von 2014 bis 2018 hat sie den Master of Science in Geowissenschaften (1,3) an der Universität Bremen absolviert. Ihre Tätigkeit bestand aus Recherche, Visualisierung von Ergebnissen. Sie arbeitete interdisziplinär im Team und bewältigte Land- und Seeexpeditionen mit logistischen und sozialen Herausforderungen. Sie hat verschiedene Laborexpertisen, Forschungsaufenthalte in Südafrika & Kanada und Berufserfahrung an diversen Wissenschaftsinstituten als studentische Hilfskraft vorzuweisen. Von 2011 bis 2014 machte sie den Bachelor of Science in Physischer Geographie (1,5) an der Universität Leipzig mit Forschungsaufenthalten in China, Kirgistan und Tansania. Zur selben Zeit hat sie auch den Master of Arts in Biologie und Musik auf Lehramt für Gymnasium (1,7) an der Univerisät Leipzig absolviert. Von 2008 bis 2011 hat sie den Bachelor of Arts in Biologie und Musik auf Lehramt für Gymnasium (1,9) auch an der Universität Leipzig gemacht. Außerdem hat Sophie Erhardt 2020 am Science Slam in Berlin, Leipzig, Chemnitz udn Dresden teilgenommen und hier immer den 1. Platz gewonnen. Ehrenamtlich ist sie bis heute in der Lebenshilfe Leipzig engagiert.


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